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Der Fall Coca-Cola

Das Internet ist schon nen dolles Ding. Früher wären kritische Informationen kaum verbreitungsfähig gewesen und Dokumentationen, die Großkonzernen auf den Zahn fühlen und ihr Treiben bloßstellen, nur in entlegenen Programmkinos ein Thema. Doch Dank YouTube & Co. können wir uns heutzutage z.B. „The Coca-Cola Case“ im Netz auch auf Deutsch anschauen, wann immer wir wollen. Der Film aus dem Jahr 2010 geht, wie man an dem Titel schon ablesen kann, schonungslos mit Coca-Cola ins Gericht, und zeigt u.a. am Beispiel der Unterdrückung der Gewerkschaften in Mittel- und Südamerika, womit sich diese Firma nahtlos einreiht in die lange Liste der schwarzen Schafe des globalen Business.

Ich frage mich bei solchen Gelegenheiten gerne, wozu man eigentlich international agierende Konzerne in Bereichen wie Lebensmittel bzw. Getränke benötigt? Worin liegt der Nutzen für die einzelnen Menschen, außer dass sich ein gewisser genormter und einheitlich geformter Geschmack auf der ganzen Welt verbreitet und man in Bad Oeynhausen wie in Novosibirsk die gleiche braune Brause trinken kann? Letztlich bedeuten die großen Unternehmen eine überwältigende Marktmacht, die lokale Alternativen oft verdrängt (oder gleich aufkauft) und so nur eine scheinbare Vielfalt vorgaukelt, die de facto nicht gegeben ist (im Kühlregal findet man viele Sorten Industriejoghurt, die aber nur von wenigen Anbietern stammen z.B.). Anders gefragt: Was würde der Welt, den Menschen, entgehen, wenn man statt der weltweit propagierten wenigen großen Marken wieder viele regionalere, kleinere hätte? Coca-Cola braucht doch jedenfalls eigentlich niemand, womit man sich auch die internationalen Ränkespiele der Global Player ersparen würde.

Natürlich gibt es noch viele [1] andere [2] Gründe dieses Unternehmen zu boykottieren, die ich auch schon an diversen Stellen hier im Blog dokumentiert habe, und dies ist nun ein weiterer:

Dass Coca Cola nicht nur zuckersüß ist, zeigt dieser endrückliche Film über Blut, Tränen und Limonade. Abfüllfabriken in Kolumbien, Guatemala und der Türkei, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, mutmaßliche Kidnappings, Folter und Ermordungen von Gewerkschaftsführern. Gutierrez und Garcia ist mit The Coca Cola Case eine packende Dokumentation gelungen, die einen fahlen Nachgeschmack hinterlässt. Die bittere Wahrheit hinter der süßen Limonade. In Kolumbien wird im Schnitt jede Woche ein Gewerkschaftler umgebracht, was den US-Konzern Coca Cola nicht davon abhält, dort große Abfüllanlagen zu unterhalten. Amerikanische Arbeitsrechtler untersuchen daraufhin das Gebaren des amerikanischen Getränkekonzerns in Kolumbien und machen wie zuvor auch in Indien oder der Türkei diverse schwere Menschenrechtsverstöße geltend. Coca Cola bestreitet alle Vorwürfe, die Familien Ermordeter ziehen vor Gericht und erreichen nach fünf umkämpften Jahren immerhin einen Vergleich.

Aus verschiedenen, leicht recherchierbaren Gründen zählt Coca Cola nicht eben zu den Lieblingsmarken der Anhänger von politisch und ethisch bewussten Konsumentscheidungen. Das dürfte sich auch kaum ändern durch diese engagierte, um peinliche Enthüllungen nicht verlegene Dokumentation, in der sich aufschlussreiche Interviews, Nachrichtenbilder, Milieustudien, Zeugenaussagen und Gerichtsprotokolle aneinander reihen und ein nicht eben positives Licht werfen auf die modernen Praktiken unter dem Logo der braunen Brause.


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