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Buchvorstellung: Einfacher leben

Heute will ich Euch wieder in Zusammenarbeit mit dem Kritischen Netzwerk [1] ein spannendes neues Buch vorstellen, das thematisch 1a in den Konsumpf passt – Andrea Kerlen mit „Einfacher leben – Ein praktischer Ratgeber zur Konsumverweigerung“. Das klingt schon mal gut, finde ich. Auch wenn es sicherlich für den „Hardcore“-Konsumkritiker nicht immens viel Neues bieten dürfte, werden doch viele Anregungen und Denkanstöße gegeben. Über den Begriff der „Konsumeinschränkung“ kann man zwar geteilter Meinung sein – genauso wie das Wort „Verzicht“ ist es doch eher negativ besetzt und suggeriert, dass man nachher ein eingeschränkteres Leben als vorher führt; dabei gewinnt man durch weniger Konsum ja auch. Zeit, Geld, Freiraum z.B.

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„Einfacher Leben“ gibt es als Paperback (110 Seiten) für 6,50 € (zzgl. Versand) oder günstigen PDF-Download für 2,00 €

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zum Inhalt:

Du möchtest deinen Konsum einschränken, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Oder fragst dich, ob dir dann nicht deine Lebensfreude verloren geht?

Der Ratgeber „Einfacher Leben“ bietet über 150 praktische Tipps und Tricks zur Konsumeinschränkung in vielen Alltagssituationen, hinzu kommen mehr als 70 Literaturtipps und rund 40 Weblinktipps. 14 Kapitel, darunter „Sparen in allen Lebenslagen“, „Alternativen zum herkömmlichen Shopping“, „Spartipps für Eltern“ oder „Einfach entspannen“, zeigen Beispiele, wie du einfach und dennoch mit viel Freude deinen Konsum einschränken kannst.

Inhaltsverzeichnis:

– Vorwort
– Prioritäten setzen

– Anhang:
– Weitere Link- und Literaturtipps

Vorwort:

Dieser Text richtet sich an all jene, die ihren Konsum einschränken wollen und dennoch ihre Lebensfreude nicht einbüßen möchten.

Warum ein Leben mit Konsumeinschränkung?

Für Konsumverweigerung oder -einschränkung gibt es viele Gründe. Hier sind einige davon:

Dennoch wirken Konsumverweigerer bis heute oft befremdlich oder gar bedrohlich auf ihre Umgebung. Dabei ist Konsumverweigerung oder –einschränkung nicht gleichzusetzen mit einer weltfremden Askese, und sie kann sogar sehr viel Spaß machen.

Dieser Lebensstil wird häufig LOVOS genannt, vom englischen „Lifestyle of voluntary simplicity“ , also etwa „Lebensstil von freiwilliger Einfachheit“. Wenn die Betonung mehr auf Gesundheit und Nachhaltigkeit liegt, nennt man dies „Lifestyle of health and sustainability“ (abgekürzt: LOHAS).

Ich möchte mit diesem Ratgeber niemanden zu einer bestimmten Lebensweise „bekehren“, sondern lediglich Anregungen oder Denkanstöße geben. Dieser Text ist kein wissenschaftliches Buch, auch wenn ich hier und da Statistiken zitiere. Schon als Studentin mit wenig Geld lernte ich, aus der Not eine Tugend zu machen. Ich hinterfrage bis heute oft, ob ich irgendein Produkt tatsächlich brauche, oder ob ich mir durch Werbung habe einreden lassen, dass ich genau dieses Produkt brauche, um glücklich zu sein.

Und am Arbeitsplatz gibt es viele Möglichkeiten, seinen Konsum einzuschränken. Allerdings ist das stark abhängig von Beruf, Beschäftigungsverhältnis und Position, daher enthält dieses Buch keine speziellen Tipps für Konsumeinschränkungen bei der Arbeit.

Fast alle Tipps habe ich bewertet nach ökölogischem Nutzen, Preis/Leistung, ideellem Wert und weiteren Kriterien auf einer Skala von 6 Punkte (sehr gut) bis 0 Punkte (kein Nutzen), so dass man je nach eigener Priorität bei der Konsumverweigerung einen Eindruck vom Nutzen des Tipps erhalten kann. Es ist keine wissenschaftliche Bewertung, sondern eher Schätzwerte.

Leseprobe aus Kapitel 01 – Die manipulative Kraft der Werbung

Das Wort Kampagne leitet sich ab vom lateinischen campus für Feld und bedeutet „Feldzug“. Und nichts anderes ist eine Werbekampagne. Damit treten Werber an, um sämtliche Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Und wer sich Marketingfachtexte durchliest, staunt über das Fachvokabular, dass teilweise eher an Begriffe aus Militär- und Kriegs-Strategien erinnert.

Werbe- und Marketingfachleuten geht es keineswegs darum, aus Verbrauchern glücklichere Menschen zu machen, auch wenn das jede einzelne Werbung suggeriert. Werbe- und Marketingfachleuten geht es einzig und allein darum, maximalen Profit für ihre Kunden, also die Produzenten und Hersteller, zu erzielen.

Und so haben sie im Laufe der Zeit immer ausgeklügeltere Methoden entwickelt, Menschen zu manipulieren mit audiovisuellen Tricks und Scheinargumenten für ein bestimmtes Produkt. Sie sind Meister darin, Menschen Bedürfnisse zu suggerieren, welche diese vorher gar nicht hatten. So werden gezielt jedes Jahr hunderte brandneue Produkte und Folgeprodukte auf den Markt gebracht. Produkte, deren Werbung dann suggeriert, dass diese Dinge Lösungen für Probleme bieten – bei genauerer Betrachtung häufig Probleme, die wir vorher gar nicht hatten. Das sieht man vor allem im Bereich der elektronischen Kommunikationsgeräte.

Da wird einem beispielsweise erst mal in breit angelegten Smartphone-Werbekampagnen suggeriert, wie schön es doch wäre, wenn wir mit einem Smartphone fast gleichzeitig unserer Freundin Sally in England SMSen könnten, Fotos unseres Bekannten Etienne aus Frankreich übers Internet betrachten und dann unterwegs noch schnell die eingebaute Navigationsfunktion befragen, wo wir denn das nächste Fastfoodrestaurant finden, wo wir uns dann mit Peter und Amelie treffen, die uns ihre neuesten Smartphone-Spiele zeigen. Und ein halbes Jahr später laufen tatsächlich alle Leute mit dem beworbenen Smartphone durch die Gegend und sind der Meinung, dass sie alle diese in der Werbung aufgezeigten Möglichkeiten schon immer gebraucht hätten und dass sie sich ein Leben ohne diese gar nicht mehr vorstellen könnten. Nur so als Beispiel.

Als die Werbung noch in den Kinderschuhen steckte, ging es den Herstellern im wesentlichen darum, Informationen über ihre Produkte zu verbreiten und deren Vorteile hervorzuheben.

Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer mehr Hersteller von – im Vergleich – größtenteils gleichwertigen Produkten. Das Resultat dieser Entwicklung sieht man heute in jedem Supermarkt: Es gibt nicht nur zwei, drei Sorten Fruchtjoghurt im Angebot, sondern fünfzig – von fünfzig verschiedenen Herstellern.

Und je mehr sich die Produkte im Laufe der Zeit glichen, desto raffinierter musste die Werbung werden, um sich gegen die Werbung und das Produkt des Konkurrenten zu behaupten.

Heute werden kaum noch Informationen über ein Produkt in einer Werbung verraten. Vielmehr drückt man bei den Verbrauchern mit werbepsychologischen Tricks auf allerlei „emotionale Knöpfe“ und verkauft nicht nur ein Produkt, sondern auch schöne Bilder, eine witzige Geschichte, ein Gefühl – denn Emotionen und Bilder dringen viel tiefer ins Unterbewusstsein und bleiben dort länger haften als dröge Informationen. Und jedes einzelne Produkt suggeriert: Ich bin besser als die anderen. Ich allein mache dich glücklich!

Das schlimme an der Werbung ist, dass sie dank ihrer Gehirnwäsche-ähnlichen Methoden in der Lage ist, Bedürfnisse bei Verbrauchern zu wecken, die diese vorher wie schon gesagt gar nicht hatten.

Selbst vor Kindern macht die Werbung nicht halt, sondern lullt selbst diese schon ein mit ihrer bunten, schönen neuen Welt. Leider gibt es in Deutschland keine freiwillige Selbstkontrolle (FSK) für Werbung und entsprechende Altersbeschränkungen. In Schweden dagegen beispielsweise ist Werbung für Kinderprodukte erst erlaubt für „Zielgruppen“ ab 12 Jahren.

Durch die ständige Wiederholung der Werbespots im TV, dringt deren Botschaft, ohne dass wir es wollen oder bewusst wahrnehmen, irgendwann in unser Unterbewusstsein.

Aber auch der gegenteilige Effekt ist zu beobachten. Werbung ist mittlerweile so allgegenwärtig, dass wir sie oft kaum noch wahrnehmen. Die Werbebranche antwortet darauf paradoxerweise meistens mit noch mehr Werbung. Oder sie machen sogenannte „Guerilla-Werbung“ (schon wieder ein Kriegsbegriff) an Orten, wo man keine Werbung erwarten würde.

Um die Geschichte und die Bilder zu finden, welche ein Produkt am besten verkaufen, bedienen sich Marketingfachleute und Werber der sogenannten „Zielgruppen“. Die werden nicht nur nach Einkommen und sozialem Status definiert, sondern auch nach Einstellungen, Vorlieben und Idealen.

Ich will nicht behaupten, dass Werbung generell lügt. Sie ist aber auch nicht gerade ein Tatsachenbericht, eher eine geschönte, retuschierte Darstellung eines Produkts. Niemand in der Werbung käme auf die Idee, auf die Nachteile eines Produktes hinzuweisen. Diese werden stets verschwiegen. Übrigens: In Deutschland wird mittlerweile der Preis “Goldener Windbeutel” verliehen – an das Produkt mit der größten Werbelüge.

→ Wirksame Tipps, wie du dich der Werbung verweigern kannst, findest du im Buch ebenfalls in diesem Kapitel.

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