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Ikea, Aral, Aldi und Ferrero auf dem Prüfstand

Es ist Sommer, und da herrscht allenthalben das große Sommerloch, hervorgerufen durch Temperaturen, die eher zum Faulenzen am Strand als zum Arbeiten animieren, aber natürlich auch durch die Ferienzeit, die mancherorts das öffentliche Leben ausdünnt. Gerade im Fernsehen werden dann oft irgendwelche Sachen ins Programm gewuchtet, mit denen man halt die Sendezeit zu füllen versucht, im Wissen, dass es eh keiner sieht. (Nach einem ähnlichen Prinzip wird ja generell mit vielen kritischen Sendungen umgegangen, die zu nachtschlafener Stunde ausgestrahlt werden, wo sie wenig Schaden anrichten – „Schaden“ heißt hier: möglichst wenig Menschen werden verstört, aus ihrer Lethargie geweckt oder ändern etwas an ihrem (Konsum-)Verhalten.) Von daher kann man sich natürlich fragen, warum der WDR seine prinzipiell ausgesprochen interessante Sendereihe „Markencheck [1]“ nun ausgerechnet, beginnend mit IKEA, in der Sommerzeit über die Bildschirme flimmern lässt, aber sei’s drum.

Die Grundidee dieses „Markenchecks“ gefällt mir eigentlich sehr gut – denn es wird einmal hinter die Fassade geschaut; die Reporter überprüfen nicht nur die Produktqualität (was ich nun nicht so spannend finde), sondern nehmen auch die Produktions-, Anbau- und Arbeitsbedingungen unter die Lupe. Bereits im Januar machte der „Tchibo-Check [2]“ den Anfang, der durchaus auch kritische Töne über die Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen, von denen Tchibo seine Bohnen bezieht, enthielt. Natürlich darf man keine wirklich extrem konzernkritische Ausrichtung erwarten, und es werden immer nur Teilaspekte behandelt. Außerdem liegt ein Fokus eben, wie schon gesagt, auf Produkteigenschaften, womit man dem sonstigen (schädlichen) Treiben des jeweiligen Unternehmens nicht unbedingt gerecht wird.

Die vier Konzerne, die der WDR nun im August näher in Augenscheint nimmt, sind Ikea, Ferrero, Aldi und Aral, immer auch mit solchen Fragen im Hinterkopf:

Auch soziale und ökologische Aspekte sind Thema der Reihe. Der „Ferrero-Check“ (8.8.) zeigt, dass in der Türkei, aus der Ferrero den Großteil seiner Haselnüsse bezieht, Kinderarbeit sehr verbreitet ist. Kann Ferrero garantieren, dass für „Nutella“ oder „Hanuta“ keine Kinder schuften müssen? Auch der Druck auf Aldi-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sowie die Frage, was Aral-Mutterkonzern BP aus Öl-Katastrophen wie der vor Mexiko gelernt hat, werden beleuchtet.

Gerade bei Aral und Aldi dürfte es schwierig werden, hier wirklich angemessen die ganzen notwendigen Kritikpunkte darzustellen, vor allem, wenn die Hälfte der Sendezeit mit Produktanalysen und -tests verschwendet wird. Dass Aral nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben kann, sollte eigentlich jedem klar sein – kein Ölkonzern ist hier von der Mitschuld an der Zerstörung der Erde freizusprechen. BP schon gar nicht. Und über Aldi muss ich ja wohl nichts weiter sagen – das Discountprinzip ist generell, ganz egal, welche Güte einzelne angebotene Produkte auch haben mögen, das Gegenteil von Nachhaltigkeit und in keinster Weise zu unterstützen. Aber mal schauen, was der „Markencheck“ hier zutage fördert – ich bezweifle aber, dass man die Konzerne angemessen in die Zange nimmt. Die Ankündigung bei Aldi klingt ja schon mal so, als wenn man, wie leider in der Regel in den Medien üblich, ausschließlich die Arbeitsbedingungen in den Discountbuden selbst betrachtet und nicht die ganzen Ausstrahleffekte [3] auf die restliche Wirtschaft…

Immerhin, die erste Sendung, der „Ikea-Check [4]“, der letzten Montag lief und HIER [5] noch online zu sehen ist. Ich selbst habe ihn noch nicht gesehen, aber die Reaktionen auf der Markt-Facebookseite [6] zeigen, dass einige Zuschauer erschrocken sind über das, was da zutage gefördert wurde, und Ikea in ihrem Ansehen gesunken ist. Dafür Daumen hoch!

(…) Fest steht: IKEA bewegt sich auf dünnem Eis. In seinem Nachhaltigkeitsbericht schreibt IKEA: „Um unsere niedrigen Preise anbieten zu können, müssen wir weltweit Holz einkaufen. Das bedeutet auch, dass wir Holz aus Regionen beziehen, in denen illegal gefällt wird und andere nicht nachhaltige Forstwirtschaftspraktiken herrschen.“ Und Anders Hildemann ergänzt: „Unsere Aufgabe ist es, erschwingliche Möbel für die Menschen herzustellen. Und um sie erschwinglich zu machen, müssen wir die Kosten niedrig halten.“

Forstexperte Professor Andreas Schulte meint dazu: „99 Euro für einen massiven Kieferntisch mit vier Stühlen ist nur schwer in Einklang zu bringen mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Das muss der Verbraucher verstehen, wenn er den Tisch kauft.“ (…)

(…) Johan Stenebos Erfahrung kennt den Markt: „Wenn man in diesem Markt ist, muss man in Ländern produzieren, die billigere Arbeitskosten als andere haben. Seit dem Anfang von IKEA ist das ganz oben auf der Agenda. Die Menschen in diesen Ländern sind arm. Sie machen jeden Job, den sie bekommen können, egal zu welchen Arbeitsbedingungen. Aber das ist, was ich sage: Einer muss den Preis bezahlen für die billigen Preise. Das hat IKEA die ganze Zeit nicht berücksichtigt. Arbeitsbedingungen sind auf der Agenda, aber eben nicht genug. Sie sollten sich kümmern, auch um die, die ganz weit unten in der Produktionspyramide arbeiten.“ (…)

Die Sendetermine im WDR Fernsehen im Überblick:

1.8.2011, 21.00 bis 21.45 Uhr: Der Ikea-Check
8.8.2011, 21.00 bis 21.45 Uhr: Der Ferrero-Check
15.8.2011, 21.00 bis 21.45 Uhr: Der Aral-Check
22.8.2011, 21.00 bis 21.45 Uhr: Der Aldi-Check

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