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Manifest der eigenständigen Reparatur

Zu besagtem Manifest komme ich gleich – zunächst: bestimmt kennt so ziemlich jeder die Situation, die in dem nachfolgenden Beitrag der WDR-Sendung Markt geschildert wird – da geht etwas kaputt, ein Gerät läuft nicht mehr, und statt es zu reparieren, empfiehlt der Hersteller bzw. Service-Händler gleich den kompletten Austausch – sprich: das Verschrotten des Altgeräts und den Kauf eines neuen. „Reparaturen: Selbst ist der Kunde“:

In der guten alten Zeit, als das Reparieren noch geholfen hat, war nicht immer alles besser, aber vieles anders. Das musste auch ein markt-Zuschauer feststellen, der die Reparatur seines Blu-ray-Players schließlich selbst in die Hand nahm.

In unserer Wegwerfgesellschaft, in der Moden und Trends immer schneller kommen und gehen und die darauf angewiesen ist, dass die Menschen permanent konsumieren, scheint dies ein logisches Vorgehen: es „lohnt sich doch gar nicht“, etwas zur Reparatur zu bringen, wo man doch „für kleines Geld“ schon was Neues bekommt, was womöglich auch noch „viel moderner“ ist. Wie in obigem Beitrag – schließlich war das „Alt“gerät ja auch schon volle zwei Jahre alt und damit soooo 2009. Diese kranke Herangehensweise ist mitschuldig an der Versauung der Umwelt, an der Ressourcenverschwendung, den daraus resultiertenden Konflikten und den wachsenden Müllbergen.

Zum Glück gibt es aber auch gegenläufige Entwicklungen – der Deutschlandfunk berichtete vor einigen Tagen über den Trend, dass so langsam ein Umdenken einsetzt und wieder mehr instandgesetzt wird statt es sofort wegzuschmeißen. In „Lieber reparieren als wegwerfen. Über den Versuch, wieder eine Reparaturkultur in Deutschland zu etablieren [1]“ wird Erich Schönenberg, der Initiator der Website Deutschland repariert [2], interviewt:

(…) Schon beim Kunden bekommt Erich Schönenberg 99 Prozent der Waschmaschinen wieder flott, bei Spülmaschinen sind es immerhin noch 75 Prozent. Bevor der Kundendienst rausfährt, sollte der Kunde allerdings abschätzen, was er für die Reparatur auszugeben bereit ist:

„Hat das Gerät überhaupt die Chance, noch mal fünf Jahre zu laufen oder ist das Endalter schon bei fünf Jahren erreicht, dass man sagt, hier hat selbst eine Reparatur von 50 Euro keinen Sinn mehr? Bei Mittelklassehaushaltsgeräten: Reparaturen von 150 bis 250 Euro sind immer noch lohnenswert.“ (…)

(…) Für bis zu zehn Jahre alte Geräte sind Ersatzteile in der Regel gut zu bekommen. Allerdings gibt es Probleme bei Billig-Elektrogeräten vor allem vom Discounter: Da werde im Innern oft nicht mehr geschraubt, sondern nur genietet. Damit bedeute jeder Reparaturversuch auch das Zerstören intakter Gerätepartien. Anders das Bild bei typischen Reparaturen, etwa einem Lagerschaden bei einer Waschmaschinentrommel. Hans Krempl geht es dabei auch um den Umweltschutz:

„Carboran ist der Bottich, das was um die Waschmaschinentrommel herum ist. Quasi die Halterung. Dieses Gehäusebauteil ist ein Spezialkunststoff, kein Metall mehr, der auch in der Luftfahrttechnik eingesetzt wird. Dieser Spezialkunststoff wird eingeschmolzen und kann acht bis zehn mal wiederverwendet werden für wieder einen Sockel oder ein anderes Bauteil einer Waschmaschine.“ (…)

Besonders spannend finde ich das Manifest der eigenständigen Reparatur, das ich auf dem Kraichgau Conceptions-Blog [3] entdeckt habe und das im Zusammenhang mit der Internetplattform ifixit.com [4] kursiert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, vor allem auch im Elektrobereich weniger Schrott anfallen zu lassen und wieder mehr Geräte instandzusetzen. So wird dem permenenten Erneuerungswahn, den die Konzerne mithilfe ihrer Marketingabteilungen anheizen, passend entgegen getreten:

Reparieren ist besser als Recycling.
Die Lebensdauer unserer Dinge zu erhöhen ist effizienter und kostengünstiger als Rohmaterialien aus ihnen zurück zu gewinnen.

Reparieren rettet den Planeten
Die Erde hat begrenzte Ressourcen, so dass wir den linearen Herstellungsprozess nicht auf ewig beibehalten können. Der beste Weg effizient zu sein, ist das was wir bereits haben wieder zu verwenden.

Reparieren spart Dir Geld
Dinge zu reparieren ist häufig kostenlos, und zumeist günstiger als sie zu ersetzen. Die Reparatur selbst auszuführen kann ganz schön Knete sparen.

Reparieren lehrt Sachverständnis
Die beste Art herauszufinden wie etwas funktioniert, ist es auseinander zu nehmen.

Wenn Du es nicht reparieren kannst, gehört es Dir nicht
Reparieren verbindet Menschen und Geräte, schafft Verbindungen die den Konsum übersteigen. Eigenständige Reperatur ist nachhaltig.

  • Reparieren verbindet Dich mit deinen Dingen
  • Reparieren befähigt und ermutigt Einzelne
  • Reparieren transformiert Konsumenten zu Beitragenden
  • Reparieren schafft Stolz auf Besitz
  • Reparieren verleiht Seele und macht Dinge einzigartig
  • Reparieren bedeutet Unabhängigkeit
  • Reparieren verlangt Kreativität
  • Reparieren ist grün
  • Reparieren bringt Freude
  • Reparieren ist nötig um unsere Dinge zu verstehen
  • Reparieren spart Geld und Ressourcen

Wir haben das Recht:

  • unsere Geräte zu öffnen und zu reparieren – ohne die Garantie zu verlieren
  • auf Geräte, die geöffnet werden können
  • auf Fehlercodes und Schaltpläne
  • auf Troubleshooting Anleitungen und Ablaufdiagramme
  • auf eine Reparationsanleitung für alles
  • darauf unseren eigenen Techniker zu suchen
  • ‘nicht Entfernen’ Aufkleber zu entfernen
  • Sachen in unseren eigenen Häusern zu reparieren
  • alle Verbrauchsmaterialien selbst zu ersetzen
  • auf Hardware, die keine speziellen Werkzeuge zur Reparatur benötigt
  • auf verfügbare Ersatzteile zu einem vernünftigen Preis

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