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Telekolleg: Anarchie

Ich weiß ja nicht, wer sich noch an meine ausführliche Buchbesprechung des Werkes „Anarchie!“ von Horst Stowasser erinnert, in der ich vor über einem Jahr meine Sympathie für die dort geäußerten Gedanken und Ideen zum Ausdruck brachte (wer sich nicht mehr erinnern sollte oder erst jüngst auf meinen Blog gestoßen ist, kann seinem Gedächtnis HIER auf die Sprünge helfen). Auf jeden Fall hatte ich bereits damals darüber sinniert, dass der Begriff „Anarchie“ leider überwiegend negativ konnotiert ist und für viele Menschen primär mit Chaos und Gewalt verbunden ist, also das Gegenteil von Ruhe, Ordnung und einer anstrebenswerten Gesellschaftsordnung darstellt – würde man jetzt rausgehen und spontan einige Leute auf der Straße fragen, würde sich sicherlich ein entsprechend negatives Meinungsbild ergeben (behaupte ich mal einfach so forsch).

Auch in den Medien, zum Beispiel den bekannten Fernseh-Nachrichtensendungen, wird der Begriff „Anarchie“ als Synonym für marodierende Horden benutzt, die erst von der Staatsgewalt wieder „befriedet“ werden müssen, damit der brave Bürger wieder auf die Straße darf. Natürlich haben solche, beispielsweise von Extremisten der verschiedenen Lagern am Rande von Demonstrationen vom Zaume gebrochenen Auseinandersetzungen nichts mit Anarchie im ursprünglichen Sinne, also als Gesellschaftssystem, zu tun.

Dabei geht es bei der Anarchie bzw. dem Anarchismus eben gerade nicht um ein völlig unstrukturiertes, zu Gewaltexzessen und dem Faustrecht neigendes System, sondern vielmehr um ein herrschafts- bzw. hierarchieloses Miteinander, das mehr auf den Zusammenhalt und Solidarität setzt als die Ellenbogengesellschaft, in der das Recht des Stärkeren gilt und Eigennutz vor Gemeinsinn und Nachhaltigkeit geht. Allerdings ist Anarchismus nicht wirklich einfach zu verstehen und in der heutigen Zeit auch nicht einfach zu vermitteln – wie gut, dass es das Internet gibt! Denn im Blog Der Mensch, das faszinierende Wesen [1] von Martin Bartonitz fand ich dieses nette „Telekolleg: Anarchie“, in dem versucht wird, einige der Grundprinzipien allgemeinverständlich darzustellen (wie üblich beim aktuellen Trend von YT-Videos zur Welterklärung wird natürlich nicht in die Tiefe gegangen, sondern nur die Oberfläche angekratzt):


Dazu passt auch das Titelthema des nächsten Adbusters-Magazins [2]: „The Politics of Post Anarchism – How To Live Without Dead Time“.

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