Jun
26
2011

WWF – Der Pakt mit dem Panda

Ach ja, da geht sie dahin, die nächste Illusion… letzte Woche musste ich schon mal ein paar kritische Worte zur Bio-Landwirtschaftsindustrie loswerden, und diesmal ist es der World Wildlife Fund (WWF), bekannt aus Funk und Fernsehen und eigentlich seit Jahrzehnten im Dienste von Um- und Tierwelt unterwegs. Dachte ich bisher. Doch nun brachte die ARD eine Doku, die den WWF doch in ein gewisses Zwielicht rückt – „Der Pakt mit dem Panda“ zeigt, wie sich der WWF an Urwaldrodungen, Gensoja- und Palmölplantagen und der Vertreibung von indigenen Völkern beteiligt. Ich kann zwar nicht beurteilen, wie seriös diese Doku ist bzw. ob da einige wenige Einzelfälle zu einem Skandal aufgeblasen werden, aber dennoch ist das, was man da zu sehen bekommt, absolut schockierend.

Grenzenloses Vertrauen in WWF
Der WWF gilt als größte Umweltschutzorganisation der Welt. Fast grenzenlos ist das Vertrauen in seine grünen Projekte. Mit aufrüttelnden Kampagnen zielt der WWF direkt auf´s gute Gewissen der Spender – alle sollen sich beteiligen wenn aussterbende Arten geschützt und das Klima oder der Regenwald gerettet werden.

Die größte Umweltschutzorganisation der Welt
Vor 50 Jahren wurde der WWF gegründet – am 11. September 1961. Heute ist der WWF die einflussreichste Lobbyorganisation für die Umwelt – weltweit. Dank bester Kontakte zur Politik und zur Industrie. Eine ständige Gratwanderung zwischen Engagement und Käuflichkeit. Ein ganzes Jahr arbeitete der Dokumentarfilmer Wilfried Huismann an einem Film, der das grüne Bild des WWF entzaubern wird. Hinter der Öko-Fassade entdeckte der Autor während seiner Dreharbeiten weltweit Geschichten voller Sprengkraft.

Die andere Seite
Die Dokumentation will die Geheimnisse des WWF ergründen. Sie wird zur einer Reise ins Herz des grünen Empire und sie erschüttert den Glauben an den Panda.

Der WWF hat übrigens umgehend reagiert und weist die Vorwürfe auf news.de zurück – „Aufruhr an der Spendenfront“:

(…) Der WWF gab sich angesichts der Vorwürfe überrascht. «Wir haben kein Problem mit Kritik, wenn sie sachlich und faktisch korrekt ist. Aber der Film ist ungenau und fehlerhaft und polemisch, wie wir ganz klar beweisen können», sagte WWF-Pressesprecher Christian Plaep im Gespräch mit news.de.

(…) Eines der extremsten Unkrautbekämpfungsmittel von Monsanto ist demnach Roundup, eine Weiterentwicklung des Herbizids Agent Orange, mit dem die amerikanische Armee während des Vietnamkriegs südostasiatische Regenwälder zerstörte. Die genmanipulierten Sojapflanzen von Monsanto überleben Roundup – alle anderen Pflanzen im Umkreis der Plantage sterben jedoch ab. Trotz dieser extremen Art von Landwirtschaft arbeite der WWF mit Monsanto zusammen, behauptet Huismann in seiner Dokumentation, die Sie hier sehen können.

Es gibt Stimmen im WWF, die eine solche Kooperation richtig finden. Der amerikanische WWF-Vizepräsident Jason Clay gilt als Freund der Gentechnik. Er glaubt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen das Mittel zur umweltfreundlichen und nachhaltigen Landwirtschaft der Zukunft seien. Denn Gentechnik verspricht mehr Ertrag auf weniger Anbaufläche. Der WWF Deutschland distanziert dagegen von der Gentechnik. Das würde er jedoch nur machen, weil es in Europa große Vorbehalte gegenüber Gentechnik gebe, sagt Huismann in seinem Film.

Wie er inzwischen einräumte, steht der WWF als Mitglied am Runden Tisch für verantwortungsvolle Soja (RTRS) tatsächlich im Kontakt zu Monsanto. «Wir wollen mit solchen Konzernen zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen. Es ist der Weg des WWF, die Problemverursacher in den Prozess einzubinden. Nur so können wir etwas bewirken», erklärt Plaep. Grundsätzlich distanziert sich der WWF jedoch von der Gentechnik, so beobachte er auch die Mitgliedschaft von Monsanto im RTRS mit großer Sorge.

Weitere Reaktionen und Kommentare dazu bei Robert Basic, Wirres.net und Indiskretion Ehrensache.

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13 Kommentare »

  • susi scharf

    eine kritische linkliste zu weiteren machenschaften des wwf:

    http://tierschutznews.ch/2011/kunterbunt/trenn/medien/1659-der-pakt-mit-dem-panda-was-uns-der-wwf-verschweigt.html

    Comment | 26. Juni 2011
  • Dirk

    Also ich halte diese Dokumentation für großen Käse und journalistisch äußerst unsauber. Da wollte jemand einen Skandal produzieren und hat dabei alle Fakten so gedreht, wie es ihm passt. Die Fakten vom WWF (http://www.wwf.de/themen/huismann-kritik-pakt-mit-dem-panda-faktencheck/) finde ich weitaus stichhaltiger.

    Alleine schon manche Kommentare in der Doku: Es wird erwähnt, warum die Ureinwohner umgesiedelt werden, sie tun doch nur gutes für den Wald und die Tiger (sinngemäß). Das ist doch hanebüchener Unsinn. Nur weil man Ureinwohner ist, heißt das noch lange nicht dass man die Natur verschont. Viele Ureinwohner haben Raubbau an ihren eigenen Wäldern getrieben (z.B. die Engländer, die sind ja auch Ureinwohner – in England halt). Und dass die lokale Bevölkerung da mächtig mitverdient bei den Touris ist doch logisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da viele ein Problem mit den Touris haben. Weil leider sind die Menschen dort sehr arm und auf dieses Geld angewiesen.
    Dass der runde Tisch mit Monsanto kritisiert wird, finde ich geradezu absurd. ich finde es löblich, dass der WWF sich auch mit Organisationen unterhält, die gegenläufige Ziele haben. Wie will man die Welt verändern, wenn man eh nur mit denen spricht, die die eigene Meinung schon teilen?

    Comment | 26. Juni 2011
  • hehe – da war konsumpf wieder schneller ;)
    hatten uns von mikrofairkel schon länger die Augen zum WWF verdreht … fanden diesen Runden Tisch zum Palmöl z.B. immer suspekt … umso besser, dass die Doku da mal (intensiver recherchiert) Licht drauf wirft … dieses Interview mit Frau Bieler ist mehr als peinlich … der Imageschaden für den WWF wird wohl immens sein.
    Ich hoffe mal, dass andere Naturschutzorganisationen dessen Stelle einnehmen können und offen mit der Wirtschaft verhandeln werden.
    Was ist eig. aus Greenpeace und IKEA geworden? Wieviel Wahrheit steckte eig. in den Vorwürfen von Herrn Stenebo? Gab’s da mittlerweile mal nen objektiven Nachtrag?
    Grüße

    Comment | 26. Juni 2011
  • Alex

    Hi, ich bin selbst bei Greenpeace jahrelang aktiv und dort wird natürlich mit Unternehmen gesprochen. Auch mit Politikern. In jeder Kampagne wird nicht einfach nur protestiert und auf Dächer geklettert, dort spielt von Anfang an die Kommunikation der Forderungen von Greenpeace an das Unternehmen oder die Politiker eine wichtige Rolle. Der große Unterschied zwischen Greenpeace und dem WWF ist, dass der WWF auch Gelder aus Wirtschaft und Politik annimmt. Damit ist für mich die Glaubwürdigkeit dahin, dass tatsächlich nicht auch die Interessen damit verkauft werden. Bei Greenpeace bin ich mir sicher, dass dort die Forderungen zu 100% gestellt werden und man nicht käuflich ist. Allerdings stört mich manchmal, dass zu oft auch Unternehmen für Teile ihrer Firmenpolitik gelobt werden (siehe z.B. Gentechnik-Ratgeber). Nur weil Landliebe jetzt ohne Gentechnik produziert, heißt das nicht, dass ich deshalb jetzt z.B. Landliebe Joghurt überall empfehlen würde. Ob diese PositivKommunikation immer richtig ist, bezweifel ich manchmal..

    Zu IKEA
    http://www.greenpeace.de/ueber_uns/nachrichten_ueber_uns/artikel/stellungnahme_zum_buch_qdie_wahrheit_ueber_ikeaq_von_johan_stenebo/

    Comment | 26. Juni 2011
  • carlos

    Habe von dieser Doku zufälligerweise gestern in einem halbstündigen Podcast gehört: SWR1 Leute vom 8. Juni 2011 mit dem Autor dieser Sendung, Wilfried Huismann:
    “…und er beschäftigt sich in seinem neuen Film, der demnächst in der ARD gezeigt wird, mit dem WWF. Der WWF ist die größte Umweltschutzorganisation der Welt, und hinter der heilen Öko-Fassade entdeckte Huismann Geschichten von vertriebenen Völkern und abgeholzten Regenwäldern.”
    Num Nachhören: http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=8082726/11ri3mi/index.html
    Gibt mittlerweile auch einen Wikipedia-Artikel zu diesem Film mit diversen Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Pakt_mit_dem_Panda:_Was_uns_der_WWF_verschweigt

    Hab mich noch nicht näher mit diesem Film beschäftigt. Egal, ob wahr oder unwahr: als “monatlicher WWF-Spender” (immer diese Bahnhofs-Aufenthalte…) fühlt man sich ja fast schon automatisch mitschuldig…

    Comment | 26. Juni 2011
  • Der Vollständigkeit halber,
    hier die Stellungnahme des WWF: http://www.wwf.de/themen/huismann-kritik-pakt-mit-dem-panda-faktencheck/

    Und hier eine erneute Antwort des Regisseurs und wiki zum Thema: http://de.wwfdoku.wikia.com/wiki/WWF,_Gentech-Soja_und_der_%22Runde_Tisch_f%C3%BCr_verantwortungsbewusste_Soja%22_RTRS

    Comment | 29. Juni 2011
  • Die Wirtschaftskooperationen des WWF sollten durchaus kritisch betrachtet werden. Dies bedingt aber, dass man auch analysiert, weshalb der WWF überhaupt diese Kooperationen eingeht. Was seine Ziele dabei sind. Wieso er solche Kompromisse eingeht. Ob ein Weichspühllabel wie RSPO nicht vielleicht doch ein wenig besser ist, als gar kein Label (zumindest ganz zu Beginn). Bevor ich mir ein Urteil erlaubte, würde ich zumindest in einem Film beide Seiten beleuchten. Huismann hat dies unterlassen. Mit Absicht. Auf unserem Blog haben wir versucht beide Seiten zu betrachten:

    http://montagsmailer.ch/2011/06/28/seine-wirtschaftsnahe-macht-den-wwf-angreifbar/

    Comment | 30. Juni 2011
  • Dirk

    Noch ein Link mit einem Interview mit dem WWF: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/niemand_beim_wwf_will_ein_feigenblatt_sein_1.11087668.html

    Wie schon oben bin ich weitehrin der Meinung, dass die Argumente vom WWF deutlich besser sind. Den Skandal sehe ich hier eher bei der ARD, der eine solch tendenziöse Dokumentation ausstrahlt. Ausgewogenheit ist anders.

    Comment | 30. Juni 2011
  • Rene

    Ausgewogenheit? Wenn du davon mehr willst, sollte der Film vielleicht noch mehr auf die Interessengruppen eingehen, die den WWF gegründet haben und erhalten. Die Hochfinanz, Eugeniker Gruppen usw. – von welcher Ausgewogenheit sprichst du? Ich bleibe nachhaltig verstört.

    Comment | 4. Juli 2011
  • Beispielsweise unterstützt der wwf auch danone mit ihrem
    „Ökobecher“ (normaler Plastikbecher mit aufgeklebtem papier) und die behaupten der besteht zu 93 % aus „nachwachsenden rohstoffen“ (da zählen wohl ölquellen neuerdings auch dazu ^^) … wenn ihr einer seriösen naturschuzgesellschaft unter die arme greifen wollt
    ist wohl die einzige noch seriöse de.seashepherd.org
    leider machen die nichts auf dem land aber die tretten wenigstens ärsch anstatt nur blabla zu machen

    Comment | 26. September 2011
  • Danke für den Hinweis, die Sea Shepherd-Organisation kannte ich noch gar nicht!

    Comment | 26. September 2011
  • hhonig

    http://www.wwf.de/wwfinformiert/
    falschaussagen sind gerichtlich bestätigt.

    Comment | 19. Dezember 2013
  • Linda

    Die Doku ist viel glaubwürdiger als der WWF! Ist ja erschreckend, was abgeht. Ich bete dafür, dass die Menschen anfangen, das Wohl für Mensch und Natur an erste Stelle zu setzen. Was nützt einem Geld, wenn man dafür in einer verpesteten und zerstörten Welt leben muss? Wenn wir zusammenhalten und uns für das Gute einsetzten, dann kann es wachsen und sich auf der ganzen Welt verbreiten! Und vielleicht letztendlich auch die kalten und habgierigen Herzen berühren,sie wieder Liebe spüren und sich zum Guten zurückbekennen lassen.

    Comment | 30. März 2015

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