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Grillen mit Tropenholz

Na, schon schön angegrillt in diesem Sommer? Ich weiß, dass ich mich damit zum spaßbremsigen denaturierten Miesepeter mache, wenn ich an dieser Stelle eingestehe, dass sich mir die Faszination des Grillens nicht wirklich erschließt. Nicht nur wegen der Röstung toten Tiers (es gibt ja auch vegetarisches Grillgut), sondern, ja, weiß auch nicht. Vielleicht missfällt mir dieser fast schon wie ein Zwang anmutende Hang vieler Leute, bei den ersten Sonnenstrahlen sofort den Grill anzuschmeißen. Oder der Gestank der Kohle. Aber egal, das sind natürlich nur meine ganz persönlichen Defekte, die ich mit herumschleppe, und diese wären sicherlich als Thema für einen Blogbeitrag etwas arg nichtig und unspannend. (Wer meinen Artikel bis hierher gelesen hat, wird vermutlich zustimmend mit dem Kopf nicken. Alle anderen, die schon nach dem ersten Satz die Lektüre abgebrochen haben, sind eh dieser Meinung.)

Es gibt allerdings auch handfeste Gründe, die eigenen Grillgewohnheiten zumindest mal auf den kritischen Prüfstand zu stellen. Das beginnt bereits bei der verwendeten Kohle – diese stammt oft genug aus Regenwaldgebieten bzw. wurde unter sehr negativen Bedingungen für die Umwelt hergestellt. Teilweise schützt einen noch nicht einmal ein Gütesiegel davor, Kohle zu kaufen, für die Tropenwald dran glauben musste und für die Menschen in armen Ländern unter miesen Bedingungen arbeiten mussten, weil die Firmen wissentlich oder unwissentlich irreführende Aufdrucke auf ihre Produkte schreiben. Die WDR-Sendung markt berichtete über diese Missstände bereits letztes Jahr im „markt-Scanner Grillkohle [1]:

(…) Bei Holzkohle aus Südamerika, Asien und Afrika liegt der Gedanke an Tropenholz nahe. Und während manche Hersteller konkret mit heimischen Hölzern werben, schreiben andere gerne „kein Tropenholz“ auf die Verpackung. Wir ließen Experten vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung die Kohlen genau unter die Lupe nehmen. Die Maserung des Holzes bleibt auch in den Kohlen erhalten und verrät, ob es sich um heimische Hölzer oder um solche aus tropischen und subtropischen Regionen handelt. Dabei stellte sich heraus: Zehn von 16 Holzkohlesorten stammten aus tropischen Regionen, wobei eine genaue Bestimmung der Holzart leider nicht möglich war.

Klar ist jedoch: Holz der klassischen Urwaldriesen (z.B. Teakholz) ist viel zu wertvoll zur Verkohlung. Aber auch das Fällen eher kleinerer Tropenbäume ist häufig ein wahrer Umweltfrevel. In Südamerika ist es weit verbreitet, starke Stahlketten zwischen zwei Bulldozer zu spannen, diese nebeneinander fahren zu lassen und dabei auf einen Schlag gleich hektarweise alle Bäume und Büsche umzureißen und zu entwurzeln. Natürlich gibt es auch in den Subtropen nachhaltige Forstwirtschaft. Und viele Hersteller erklärten auf Nachfrage, ihre Ware käme aus „ordentlichen“ Betrieben. Nachprüfen kann das leider niemand.

Mit dem weltweit anerkannten FSC-Siegel wäre das möglich. Es garantiert Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Doch keine der aus tropischen Regionen stammenden Kohlesorten hatte so ein Siegel. Laut Hersteller können sich die für Entwicklungsländer typischen Kleinbetriebe die teure Zertifizierung nicht leisten. Manch einer weist auch darauf hin, dass das Siegel vor allem von Konzernen (z.B. in der Möbelindustrie) genutzt wird, die auf gerodeten Regenwaldflächen riesige Plantagen mit schnell wachsenden Bäumen anlegen, die wiederum wenig mit natürlichem Wald zu tun haben.

Kinder als Köhler?
Ob man also Ware aus diesen Regionen nutzt und darauf vertraut, sie werde schon irgendwie umweltfreundlich erzeugt, ist eine Gewissensfrage. Zumal auch die Arbeitsbedingungen gerade in den besonders armen Ländern oft erbärmlich sind.

Die Köhlerei wird in Südamerika und Afrika bis heute in traditionell gemauerten Meilern betrieben. Dabei frei werdende flüssige Bestandteile des Holzes wie Teer und Säuren gehen direkt in den Erdboden. Die Arbeit dort ist hart und meist den Ärmsten der Armen vorbehalten. Vor allem in Brasilien und afrikanischen Ländern sind die Holzkohlearbeiter so arm, dass oft auch ihre Kinder mitarbeiten müssen. Es gibt immer wieder Berichte von Zehnjährigen, die Holz in die Meiler ein- und Kohle ausräumen – ohne Chance auf eine Schulbildung und in rauchgeschwängerter Luft. (…)

Ein weiterer bedenkenswerter Punkt ist natürlich das, was man auf den Grillrost legt – in der Regel ja Fleisch. Wer Produkte aus konventioneller Haltung kauft und grillt, macht sich direkt mitschuldig an der Massentierhaltung und ihren vielen negativen Konsequenzen (siehe auch meinen Beitrag von gestern über die Antibiotika in Gemüse [2]). Vom Tierleid und den damit verbundenen ethischen Implikationen wollen wir hier mal gar nicht erst anfangen. Der Verein Rettet den Regenwald hat nun ein aktuelle Aktion gestartet, in der es darum geht, auf genau diese beiden Punkte beim Grillen hinzuweisen:

Grillen ist ein beliebtes Freizeitvergnügen, aber leider sehr schädlich für den Tropenwald. Die Holzkohle wird überwiegend aus Paraguay und Argentinien sowie Nigeria und Indonesien importiert. Auch viele Rindersteaks und der Sojaschrot zur Fütterung der Rinder, Schweine, Hühner und Puten stammt aus Südamerika.

Das brasilianische Parlament verabschiedete diese Woche eine Änderung des Waldgesetzes. Die Rodung großer Flächen Regenwald wird damit besiegelt. Allein zwischen August 2010 und April 2011 stieg die Abholzungsrate in Brasilien um unfassbare 400 Prozent. Nur der Senat und die neue Präsidentin Dilma Rousseff können dieses Gesetz noch stoppen.

Bitte unterstützen Sie die beiden Aktionen auf unserer Webseite: http://www.regenwald.org [3]

Wo kommt unsere Grillkohle her? TV Bericht in der Sendung Was! des rbb  Montag 30. Mai,  20.15 Uhr

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