Mrz
30
2011

Kahlschlag mit FSC-Siegel

Siegel sind ja eigentlich eine feine Sache – sie geben dem verwirrten Konsumenten Halt in einer Produktwelt, in der die Konzerne immer mehr herumtricksen und man sich kaum noch sicher sein kann, was etwas taugt und was der Umwelt schadet. Leider wird mit Siegeln auch Schindluder getrieben (ich erinnere an die grenzwertige Vorgehensweise vieler Discounter und Produzenten mit dem Stiftung Warentest-Aufkleber), und so darf es nicht verwundern, dass es in dieser grünen LOHAS-Welt, in der man sich sein gutes Gewissen kaufen zu können meint, nicht so einfach einkaufen lässt wie gewünscht.

Report Mainz berichtete beispielsweise über „Kahlschlag für Ökoholz – Trotz Umweltsiegel holzen Papierhersteller rücksichtslos ab“. Das FSC-Siegel ziert viele Papierprodukte und lässt einen vermuten oder doch zumindest hoffen, dass das Papier aus nachhaltiger Fortwirtschaft stammt und somit der Umwelt nur begrenzt schadet. Dies scheint aber leider nicht ganz der Realität zu entsprechen. Der beste Umweltschutz ist halt immer noch der verringerte Konsums und die Müllvermeidung…

Der weltgrößte Papierhersteller kommt aus Schweden und heißt Stora Enso. Er beliefert den deutschen Markt u.a. mit Papier, aus dem Zeitungen oder Verpackungsmaterial hergestellt wird. Diese Produkte sind FSC zertifiziert, soll heißen: Ein Umweltsiegel garantiert dem Verbraucher, dass Stora Enso kein Holz aus schützenswerten Wäldern einschlägt.

Dies aber ist falsch. Stora Enso fällt systematisch und flächendeckend in jahrhundertealten Wäldern. Schwedische Umweltschützer und Waldexperten kritisieren das großflächige Abholzen und verweisen zudem auf einen Interessenskonflikt. Der Zertifizierer werde von den Auftraggebern bezahlt; dies gehe zu Lasten der Unabhängigkeit im Zertifizierungsprozess. Die Kritiker fordern, dass es für solche Produkte kein Umweltschutzsiegel geben dürfe.

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8 Kommentare »

  • Mal abgesehen, daß es Report wohl in erster Linie um die Quote geht, wenn sie über solche Themen berichten, ist es doch gut, wenn auf diese Weise der Schleier von allen möglichen Gaunereien immer mal gelüftet wird. Wenn es auch nicht dazu führen wird, daß der Endverbraucher sich nun von solchen Produzenten abwendet, so hat er aber (hoffentlich) nun wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn er wieder eine dieser sinnlosen Werbezeitschriften aus dem Briefkasten holt. Zwar ist der Aufkleber “keine Werbung” auch kein echter Werbungsschutz, aber hin und wieder hat er schon funktioniert.

    Comment | 30. März 2011
  • Laut Auskunft eines WWF-Sprechers vor ca. zwei Wochen (der TV-Bericht ist ca. sechs Wochen her), ist Report Mainz zu keiner weiteren Stellungnahme bereit. Zum Beispiel _wo_ sich die gezeigten Wälder befinden. Ebenfalls bezweifelt wird die Aussage des ehemaligen Stora Enso-Mitarbeiters. Bei Stora Enso kennt den nämlich niemand…

    Comment | 30. März 2011
  • hallo,
    da ich verantwortlich für den Inhalt dieser Report Mainz Sendung bin: Ich habe mehrere gleichgeartete Flächen an den FSC als Beschwerde gesendet, feinstens Dokumentiert. Reaktion; Null, zero. Ich habe insgesamt mehrere Jahre recherchiert und kann mehr oder minder beliebige Flächen und Skandale (inkl Korruption)nachweisen, wo der FSC einfach Mist baut. Wenn der WWF es wirklich wollte, könnten sie binnen Stunden die Flächen herausbekommen (habe es probieren lassen). Das wollen sie aber gar nicht, denn sie sind viel zu dicht mit dem FSC in Personalunion und finanziell verwoben. Sie können sicher sein, dieses Stück ist absolut rechtssicher recherchiert und begutachtet! Wenn man 1,9 Millionen Hektar in 7 Arbeitstagen zertifizert, kann da schon was schiefgehen…
    Weiteres auf meinem Blog: Fragen-an-den-FSC.de
    Und noch etwas: Jeder kann den Herren dort mit leichtigkeit recherchieren, wenn er denn will. Er ist sehr wohl bei Stora bekannt, welch ein Unsinn. genauso ist er auch beim Land beschäftigt, was FSC bestreitet. Unsinnge Nebelwerfer. Die Handlungen sind sehr wohlüberlegt, man muss sich aber ein ganz klein bischen Mühe geben und nicht nur Klappern.

    Comment | 30. März 2011
  • Vielen Dank für deine Ausführungen, Gerriet. Ich lerne immer gerne dazu. Die Aussage des WWF-Sprechers fiel am Rande einer Veranstaltung in Leipzig. Ich werde ihn gleich mal auf deine Seite lenken.

    Comment | 30. März 2011
  • Chrisly

    dabei gibt es eine umweltfreundliche und wälderschonende Alternative um Papier herzustellen.

    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/05/warum-die-wunderpflanze-hanf-verboten.html

    Comment | 1. April 2011
  • [...] Fortwirtschaft stammt und der Umwelt nicht zu sehr schadet. Stimmt aber leider nicht immer, wie konsumsupf berichtet. Im Report Mainz “Kahlschlag für Ökoholz” sieht man, wie auch vermeintlich [...]

    Pingback | 2. April 2011
  • Der Grimm

    Filmtipp zum Konsumterror

    http://www.youtube.com/watch?v=tI798T2tRrQ&feature=player_embedded#at=4465

    Comment | 4. April 2011
  • wholemess

    “Der beste Umweltschutz ist halt immer noch der verringerte Konsums und die Müllvermeidung…”

    Hin und wieder hat man aber keine Wahl. Verringern heißt nicht abschaffen und dann ist es gut, Siegel zu haben, die mir durch den SUMPF helfen. Aber wenn man auf die nicht bauen kann, weil einige Leute in der Industrie beim Thema Ethik: Diskursethik: Habermas im Unterricht gepennt haben ist es einfach nur zum Kotzen. Da verzweifle ich dann an meinen Mitmenschen.

    Comment | 5. April 2011

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