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Lesetipps: Worte zum Karfreitag | Der GAU für den Garten | Spam, Spam, Spam | Musikpiraten | Libyen

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© alexbruda, stock.xchng

Zwei Tage zu spät, aber immerhin noch im Bereich des ganzen Ostergedöns stieß ich auf den Artikel der Ruhrbarone zu eben diesem Feiertag, „Liebe Christen oder – die Karfreitagsansprache eines Ungläubigen [2]“, in dem Autor Arnold Voss sich so seine Gedanken zu Sinn und Unsinn des Tanzverbots macht und den Gedanken nachgeht, wie es wohl wäre, wenn es umgekehrt einen entsprechenden Feiertag der Ungläubigen gäbe, der genauso staatlich sanktioniert ein Betverbot beinhaltete (eine Idee, auf die zeitgleich übrigens auch der cimddwc-Blog [3] kam):

(…) Da ist man als Christ auch schon mal verlockt, dem Staat etwas nachzuhelfen, denn die Polizei kann ja nicht immer überall sein. Da muss man sie zur besonderen Aufmerksamkeit auffordern und wenn das nicht hilft, auch mal selber zum Telefon greifen und sie herbeiholen. Als Bürgerpflicht sozusagen. Was ist denn so ein Feiertag, wenn nicht alle mitspielen? Wenn nicht alle, d.h. wirklich alle, die Regeln befolgen? Überall! In einem Rechtsstaat darf es nun mal keine rechtsfreien Räume geben. Auch dann nicht, wenn die Gesetze einem selbst vielleicht fragwürdig erscheinen, oder?

Also nochmal vielen Dank liebe Christen. Es gibt Länder und Religionen, da wird man einfach erschlagen, wenn man sich den Regeln der Gläubigen nicht beugt. Auf offener Straße, und niemand wird dafür zur Rechenschaft gezogen. Hier bei uns darf das kein Gläubiger machen. Zumindest nicht ohne das er bestraft wird. Er kann nicht einfach sagen, dass Gott ihm das befohlen hat. Dass er aus tiefster Überzeugung gehandelt hat, oder aus Tradition. Hier darf niemand beleidigt sein, wenn ich heute Fahrrad fahre. Zumindest nicht offiziell. Nur wenn ich heute Abend auch noch Tanzen gehe. Dann allerdings schon. (…)

(…) Trotzdem verbieten sie mir das heute Abend, liebe Christen. Und sie finden das auch nicht schlimm, weil es doch nur für den heutigen Tag ist. Nach dem Motto, die können doch mal einen Tag Pause einlegen mit ihrer öffentlichen Tanzerei. Schön, dass sie so großzügig sind, mir meine Lieblingsbeschäftigung nur einen oder zwei Tage im Jahr verbieten zu lassen. Die Taliban machen das das ganze Jahr. Da kann man schon froh sein, dass man mit Christen Tür an Tür lebt. Aber das Prinzip ist doch letztlich das gleiche, oder? Ich verbiete ihnen nichts, sie aber verbieten mir etwas, dass niemandem weh tut und mir gut. Sie bestimmen mein Leben durch ihren Glauben, obwohl ich diesem gar nicht angehöre.

Wie fänden sie das umgekehrt, liebe Christen? Stellen sie sich vor, die Ungläubigen wären in der Mehrheit und würden ähnlich der CDU eine Partei der Ungläubigen, z.B.  die UDU gründen. Ich weiß, dass ihnen die Vorstellung schwer fällt, aber das Christentum gibt es erste ein paar Tausend Jahre, die Menschheit allerdings schon ein paar Millionen. Und ich hoffe sie wird es auch noch ein paar weitere Millionen geben. Obwohl sie konsequent am Gegenteil arbeitet. Also stellen sie sich vor, sie seien hier in diesem unseren Lande in der Minderheit. Das ist auch eine gute Übung zur Solidarität mit den Menschen ihres Glaubens die es in anderen Ländern schon lange sind oder immer schon waren. (…)

Der Objects in the rear view mirror [4]-Blog findet dabei eine Umgestaltung vom kirchlich geprägten Oster- zum gesellschaftlich breit akzeptierten und nicht ideologisch gestalteten Hasenfest sehr verlockend:

(…) Ich hätte eine neue Tradition “Hasenfest” eigentlich ganz schön gefunden. Sie hätte allen Religionsgruppen und auch den Nichtgläubigen in Deutschland ein gemeinsames, verbindendes Fest geschenkt. Eines, dessen Anlaß (Frühling, es wird wieder warm, Jungtiere werden geboren, alles blüht – einfach schön!) keinen Glauben erfordert und bei dem es niemand übel nimmt, wenn man vielleicht doch nicht mitfeiern möchte. (…)

Apropos Frühling – endlich grünt und blüht es auch in Kiel, und viele Menschen beginnen, ihrem Garten vermehrt Pflege und Aufmerksamkeit zu schenken. In Zeiten voN gentechnik und Pestiziden ist es nur ein logischer Schritt, dass das Diktat eines maximalen Ertrags auch hier gelten soll und die chemische Industrie dem Gärtner von nebenan als Kunden gewinnen will. Ich war dennoch geschockt, als ich neulich in der Werbepause in der ZDF-Sendung WISO plötzlich einen Spot für Roundup sah. Roundup, was ist das? Nun, wer den Vortrag über Gensoja, den ich vor einer Weile im Blog hatte, verfolgt hat, wird wissen, dass dies Monsantos „Pflanzenschutzmittel“ (also Gift basierend auf Glyphosat) entspricht, auf das der Konzern seine Genpflanzen hin zu optimieren versucht. Davon wird in der Reklame natürlich nichts gesagt, nicht einmal der Firmenname ist zu erkennen. Klaus Baum bemerkt in seinen Notizen aus der Unterwelt – „Wer nicht auf den ersten Super-Gau in Deutschland warten will, wer nicht warten will, bis er einen verstrahlten Garten geniessen kann, sollte in the meantime ROUNDUP von Monsanto verwenden … [5]“:

(…) Mit einer groß angelegten TV-Kampagne soll der Absatz des Pflanzengifts „Roundup unkrautfrei“ derzeit gestärkt werden. Handelshäuser wie GLOBUS greifen die Propaganda auf und werben in eigenen Angeboten energisch mit.

Doch die Roundup-Produkte für den Haus- und Kleingartenbereich sind nicht unbedenklich. Sie enthalten denselben Wirkstoff Glyphosat wie das umstrittene Roundup für die landwirtschaftliche Anwendung des Agrarkonzerns Monsanto. Das Pflanzengift vernichtet bei Blattkontakt alle Pflanzen, die nicht durch Genmanipulation angepasst wurden. Unabhängige Forschungsergebnisse und gravierende Vergiftungsfälle in Lateinamerika in Zusammenhang mit der Glyphosat-Ausbringung sind eindeutige Indizien für dessen Giftigkeit. Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Glyphosat konnten schon bei weit geringeren Konzentrationen als üblicherweise angewendet, beobachtet werden. Dokumentiert sind Schädigungen der menschlichen Zellen bis hin zu Krebserkrankungen. (…)

Ein Schädling ganz anderer Natur ist Spam, der Pest des digitalen Zeitalters. Der Spiegel widmete sich vor einiger Zeit in einem ausführlichen, sehr lesenswerten Artikel diesem Ärgernis – „Spam, Spam, Spam – Das steckt hinter dem Müll-Mail-Schwachsinn [6]“ und schildert die Hintergründe einiger Begleitumstände der Maschen, Leute abzuzocken und zu betrügen, wie Phshing, Direktmarketing und Botnetzen:

Deutlich mehr als 80 Prozent aller weltweit verschickten E-Mails sind reiner Müll. Lästiger Werbe-Trash, betrügerische Angebote, virtuelle Tretminen – Spam eben. Vom Nigeria-Scam bis zur Phishing-Falle: Wir haben uns angesehen, was da im Postfach lauert – und wie es funktioniert. (…)

Wie kann das sein, fragt sich da jeder halbwegs Zurechnungsfähige, dass sich das für diese Spammer lohnt? Wie machen die Geld mit diesen Bagger-Mails, diesen so offensichtlich falschen Mahnungen, Warnungen, Offerten und Lock-Mails? Warum hört das nicht auf? Warum werden die Trickbetrugs-E-Mails nicht zumindest besser? Müsste sich das nicht ausmendeln, müssten miese Abzock-Mailings sich per Erfolglosigkeit nicht selbst erledigen und am Ende nur die Maschen übrigbleiben, die halbwegs überzeugend wirken?

Offenbar nicht, bei Spam macht es die Masse, nicht die Klasse. Das Gros der Werbemüll-, Trickbetrugs- und Virenträger-Zuschriften, die noch immer mehr als 80 Prozent des weltweiten Mail-Aufkommens ausmachen, wird heute zum Glück ausgefiltert. Was dann noch durchkommt, ist für die Versender offenbar immer noch lohnend genug. (…)

Vielleicht erinnern sich einige von Euch noch an den Aufschrei, der durchs Land ging, als die Gema Gebühren von Kindergärten abkassieren wollte, die es gewagt hatten, geschützte Noten für die Kinder zu kopieren. Als Reaktion darauf wurde die Initiative „Musikpiraten – Klarmachen zum Ändern [7]“ ins Leben gerufen, die einen anderen Ansatz für die Musik verfolgt als den der Monetarisierung, nämlich den Druck von über 50.000 Büchern mit gemeinfreien Kinderliedern:

Der als gemeinnützig anerkannte Musikpiraten e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen 50.299 (Quelle: Regionaldatenbank [8]) Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland ein Liederbuch mit gemeinfreien Kinderliedern zur Verfügung zu stellen. So soll ein einfacher Zugang zu dem teilweise jahrhundertealten Kulturgut gewährleistet werden. (…)

Seit einigen Monaten geht wieder ein Gespenst in Deutschland um. Ein Gespenst namens GEMA. Im Auftrag der VG Musikedition hatte der Verein deutschlandweit Kindertagessstätten angeschrieben. In dem Schreiben machte die GEMA darauf aufmerksam, dass das Anfertigen von Kopien von Notenblättern einer Genehmigung der Rechteinhaber bedarf. Auch ein Angebot war gleich parat: 56€ plus Mehrwertsteuer für 500 Kopien. Für die Kinderbetreuungseinrichtungen stellt dabei weniger das Geld ein Problem dar, als mehr der Verwaltungsaufwand, der notwendig wird. Jede einzelne Kopie muss an die GEMA gemeldet werden, damit diese mit der VG Musikedition korrekt abrechnen kann.

Dies ist allerdings nur notwendig, wenn die Kopien von Noten angefertigt werden, die noch urheberrechtlich geschützt sind. In Deutschland erlischt dieser Schutz 70 Jahre nach dem Tod der Urheber. „Damit sich die Erzieher und Erzieherinnen nicht noch aufwändig um die Recherche kümmern müssen, ob nun ein Lied gemeinfrei ist oder nicht, werden wir ein Liederbuch mit ausschliesslich gemeinfreien Kinderliedern erstellen.“ erklärt Christian Hufgard, 1. Vorsitzender des Musikpiraten e.V. „Unser Ziel ist, allen 50.299 Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland mindestens ein Liederbuch zukommen zu lassen – und zwar kostenlos.“ (…)

Eine sehr schöne Aktion! Sich von großen Konzernen und ihren Krakenstrukturen zu befreien finde ich ja seit jeher unterstützenswert, von daher stießt auch der Artikel aus dem Spiegel über dien neuen Trend zur Selbstvermarktung von E-Books auf mein Interesse – „Verleg dich selbst – und mach Millionen! [9]“:

(…) Über Jahrzehnte galt der Selbstverlag als letzter Ausweg, wenn man keinen Verlag finden konnte, selbst Hocking schildert das ähnlich [10]. Die bei Zuschussverlagen, bei denen man den Druck selbst zahlt, oder im On-Demand-Digitaldruck veröffentlichten Bücher kamen aber nie in den Buchhandel. Genau da liegt der Vorteil des Geschäftsmodell E-Book: Im virtuellen Bücherregal ist ein Verlagsbuch von einem Selbstverlegten nicht mehr zu unterscheiden – und weltweit zu haben.

Zumindest außerhalb Deutschlands entsteht so gerade ein zweiter, alternativer Buchmarkt. Anfang Februar gab der weltweit größte Buchhändler Amazon bekannt, dass die Zahl der Kindle-E-Book-Verkäufe bei ihm nun auch die Zahl der Taschenbuchverkäufe überholt habe. (…)

Ich hatte ja vor einer Weile schon mal etwas kritisch die einseitige Berichterstattung in deutschen Medien in Bezug auf das Geschehen in Libyen berichtet (wofür ich dann in einigen Kommentaren scharf kritisiert wurde). Nun, ich scheine nicht der einzige zu sein, dem die blinden Flecken hiesiger Presse aufgefallen sind – Martin Bartonitz vom Der Mensch, das faszinierende Wesen-Blog macht sich in „Wer sind die Rebellen in Libyen? Warum wird so wenig darüber berichtet? [11]“ auch entsprechende Gedanken und zitiert weitere Quellen:

Sind unsere Medien nicht mehr frei? Warum beschleicht mich seit Wochen das Gefühl, dass mit Libyen etwas nicht stimmt. Dass wir hier desinformiert werden. Informationen Häppchen-weise erhalten, die sich immer etwas schlimmer anhören, so als wolle man uns auf den endgültigen Krieg mit Bodentruppen vorbereiten? So Häppchen-weise, dass wir nichts bemerken, so wie es einem Frosch geht, der im kalten Wasser sitzt, das langsam erhitzt wird und er erst was merkt, wenn es zu Ende ist. (…)

(…) Also habe ich  mich mal wieder im Netz auf die Suche gemacht und habe einige Quellen gefunden, die doch etwas mehr Informationen bieten, als die paar wenigen seichten Worte, die uns in den klassischen Fernsehabendnachrichten geboten werden. (…)

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