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Discounter: Reibach auf dem Rücken der Menschen – Beispiel Netto

Soweit ich mich erinnern kann war ich noch nie in einem Netto-Discounter. Und obwohl ich hier im Blog ja schon des öfteren was zu den anderen Billigbuden wie Aldi, Lidl oder Schlecker geschrieben habe, ist diese Kette bisher im Konsumpf ungeschoren davon gekommen – das geht natürlich nicht an, denn Netto gehört zu den besonders Schlimmen der Branche. Anlass dazu war ein Beitrag der NDR-Sendung Markt, in dem es um das besonders rücksichtslose Gebaren dieser Handelskette geht – „Hungerlöhne bei Netto [1]“.

Kleine Bemerkung am Rande: So erfreulich es auch ist, dass das Treiben der Discounter von den Medien durchaus des öfteren kritisch hinterfragt wird, so traurig finde ich es, dass bei solchen Berichten meist sehr eindimensional ausschließlich auf die Arbeitssituation der dort in den Läden angestellten Mitarbeiter eingegangen wird. Dies ist natürlich auch sehr wichtig, aber in der Regel unterbleibt jeglicher Blick über den Tellerrand, also das, was das Billigsystem in der Gesellschaft und weltweit anrichtet (siehe dazu meine Grundsatzartikel „Lidl/Aldi – Profite auf Kosten der Allgemeinheit, oder: die Spirale abwärts [2]“). Kurz gesagt fehlt auch bei durchaus investigativ gemeinten Sendungen der Blick auf das große Ganze, auf den Zusammenhang, also dass der Preis- und Kostendruck durch die Discounter eben auch zu Rationalisierungen, Einsparungen und Ausbeutung bei den Lieferanten, Zulieferern, Zwischenhändlern und Produzenten führt und sich somit in viele Teile der Wirtschaft hineingefressen hat. (An dieser Stelle mein Hinweis auf die löbliche Recherche von Günter Wallraff bei einer Billigbackfabrik, die für Lidl produziert – „Unser täglich Brötchen [3]“.) Außerdem bedeutet die Discounterschwemme sinkende Standards bei den Produktionen auch im Ausland, absinkende Sozialstandards und Umweltverschmutzung. Anders formuliert – auch ein Mindestlohn in der Einzelhandelsbranche würde viele Auswüchse der Billigheimer mitnichten beheben.

Mit seinen „kleinen Preisen“ (Eigen-Werbung) hat Netto 2009 etwa elf Milliarden Euro Umsatz erzielt – wohl auch auf dem Rücken der Beschäftigten. Nun häufen sich die Beschwerden.

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