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Wie entsteht Geld – Das Füllhorn der Banken

Brieftasche Geld [1]

@ mzacha, stock.xchng

Immer wieder weisen Leser meines Blogs darauf hin, dass das vielleicht wichtigste Problem, das heutzutage gelöst werden muss, um die Zerstörung durch unser aktuelles System aufzuhalten, mit dem Geldwesen zu tun hat. Auch ich habe das ja im Laufe der Jahre immer mal wieder thematisiert – ein Geldsystem, bei dem „Werte“ durch die Banken quasi aus dem Nichts geschaffen werden können und das durch die von ihnen ausgelösten Schulden und vor allem Zinsen dazu führt, dass massive Umverteilungen automatisch stattfinden und zudem die Wirtschaft immer wachsen muss, ist nicht nachhaltig und untergräbt unausweichlich Gesellschaften und Staaten. Erstaunlicher Weise ist dieses eminent wichtige Thema aber selbst bei kritischen Medien oder Blogs (NachDenkSeiten etc.) kaum je auf der Tagesordnung und wird auch (meines Wissens nach) von keiner der größeren Parteien irgendwie verfolgt. Dabei ist es gerade in den Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise dräuender denn je, selbst wenn die Geldthematik so manchen wegen der vermeintlichen Sperrigkeit und Abstraktheit abschrecken dürfte.

Darauf weist auch der Block Das Narrenschiff in seinem Beitrag „Das Füllhorn der Banken – Wie Geld entsteht [2]“ hin, der u.a. der Frage nachgeht, inwieweit die Bevölkerung durch Medien & Politik vielleicht gar bewusst falsch oder gar nicht darüber informiert wird, wie dieser für uns alle so wichtige Bereich des Lebens eigentlich funktioniert:

(…) Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Medien über diese Sachverhalte nicht oder nur falsch informieren. Die Geld-„Elite“ hat kein Interesse daran, dass ihr Füllhorn in Frage gestellt wird – obwohl das System über kurz oder lang zum Kollaps führen muss – Grundkenntnisse in Mathematik reichen aus, um sich das auszurechnen. Wahrscheinlich setzen diese Leute ihre Hoffnungen darauf, dass sie bis dahin genügend Sachwerte (Immobilien, Land, Industriebetriebe, Gold, Schmuck, nicht zuletzt Patente auf alles mögliche etc.) angehäuft haben, damit sie auch nach dem Zusammenbruch des Geldsystems wieder zur „Elite“ gehören – was ja in der Vergangenheit auch prima geklappt hat. Auch nach dem Zusammenbruch 1945 waren es dieselben Leute, die wieder Drahtzieher waren.

Das war schon öfter Thema in diesem Blog, und es bleibt dabei: Ohne eine grundlegende Neuausrichtung des Geldsystems ist alles andere nur Makulatur. Es ist sinnlos, zum Beispiel über alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsformen (die freilich auch dringend notwendig sind) nachzudenken, wenn nicht zeitgleich den Banken und damit der selbsternannten „Elite“ ihr Füllhorn genommen wird. Sonst bleibt die Menschheit im ewigen Kreislauf von Wachstumszwang und logischem Zusammenbruch gefangen, bis die Erde zerstört ist oder sich eine dauerhafte Orwell’sche Alptraum-Diktatur durchgesetzt hat. (…)

Er bezieht sich dabei auch auf den hochinteressanten Beitrag „Beim Geld geht es um die Wurst [3]“ des ntv-Moderators Reimund Brichta, der schon seit langem (zusammen mit Michael Mross) zu den wenigen Menschen im den Mainstreammedien gehört, die das von den meisten Menschen als gottgegeben hingenommene Konstrukt Geld kritisch beleuchten und hinterfragen. Seinen Artikel kann ich nur wärmstens empfehlen, gibt er doch eine gute Einführung in die gesamte Problematik – es wäre zu hoffen, dass auch der normale ntv-Zuschauer diese Gedanken mitbekommt…

Die wenigsten Leute haben schon einmal dabei zugesehen, wie Wurst gemacht wird. Und das ist auch gut so. Denn wer es einmal beobachtet hat, kann leicht den Appetit verlieren. Beim Geld ist es ähnlich: Jeder hat es im Portmonee und auf dem Konto, aber im Prinzip weiß kaum jemand, wie es gemacht wird oder wo es herkommt. Und auch das ist gut so. Denn je mehr man übers Geld erfährt, desto eher kann man das Vertrauen in es verlieren. Dabei ist Vertrauen beim Geld mindestens so wichtig wie Appetit bei der Wurst. Im Prinzip ist Vertrauen sogar das Einzige, aus dem Geld besteht.

Wie bitte? Geld soll nur aus Vertrauen bestehen? Aus sonst nichts? Gibt es denn keinen materiellen Wert, der es wertvoll macht? Schließlich kann man sich doch fast alles dafür kaufen, was man will! Das stimmt zwar, und deswegen glauben viele auch, hinter Geld stecke eine Art Garantie. Zum Beispiel, dass man es notfalls in etwas wahrhaft Werthaltiges eintauschen kann, etwa in Gold. Mitnichten. Wer diesen Traum weiter träumen will, sollte jetzt lieber aufhören zu lesen … (…)

Seit jeher ist auch Egon W. Kreutzer ein scharfzünginger Beobachter dessen, was auf den Finanzmärkten und der Politik so geschieht. In einem seiner letzten Paukenschläge befasst er sich auch eingehend mit dem Wesen des Geldes und den Klimmzügen, die unternommen werden, um es in der jetzigen Form zu bewahren – „Rettung einer Illusion [4]“.

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