Dez
16
2010

Die Rückkehr zu goldgedeckten Währungen?

Sicherlich wird sich kaum jemand meiner Leser, mich eingeschlossen, noch an die Zeiten erinnern können, in denen es feste Wechselkurse gab und Währungen noch nicht zum Spekulationsobjekt taugten. Gerade in den aktuellen Krisenzeiten, wo Staaten Abermilliarden an Geld aus dem Nichts, übers Schuldenmachen, erschaffen, scheint der Gedanke wunderlich, dass diese neuen Geldmengen tatsächlich an reale Gegenwerte gekoppelt sein sollten. Eine so immense Geldvermehrung wie momentan wäre anders ja auch kaum möglich. Die WDR-Sendung markt befasste sich neulich aber mit der Frage, wie ehedem goldgedeckte Währungen funktionierten und welche Vorteile sie boten – „Goldstandard – Mittel gegen Inflationen?“. (Erstaunlich, dass solch sperrige Themen zur besten Sendezeit in einem Verbraucherschutzmagazin behandelt werden! Hut ab.)

Immer mehr Länder versuchen, ihre Schulden durch Aufblähen der Geldmenge in den Griff zu bekommen. Ökonomen fordern mittlerweile die Rückkehr zum Goldstandard. Danach darf nur so viel Geld in Umlauf gebracht werden, wie durch Goldreserven gedeckt ist. Eine realistische Option? (…)

(…) Im Moment wirkt es tatsächlich so, als ob sich die Notenbanken der Welt wie ein hoffnungslos überschuldeter Privatmann verhalten, der versucht, seine Schulden mit immer neuen Schulden zu bezahlen und dabei immer tiefer in die Schuldenfalle gerät. Ein Verhalten, das bei Privatpersonen meist in der Insolvenz endet. Um diese Spirale jedoch durch ein neues Bretton Woods, einen geplanten Neustart des weltweiten Finanzsystems zu durchbrechen, wäre nicht nur Einigkeit unter vielen Staaten, sondern auch viel politischer Mut nötig. Oder eine noch viel tief greifendere Krise.

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5 Comments

  • Mr.Chainsaw

    Also eine Geldbindung an Gold ändert leider nichts an dem eigentlichen Fehler des Geldsystems. Es gab früher schon oft einen ‚Goldstandard‘, allerdings wurde dieser mit steigender Geldmenge immer wieder aufgehoben.
    Dies liegt einfach an unserem auf Kredit basierenden Geldsystem. Woher kommt das Geld? Ist Geld einfach so da?
    Nein, jedes Geld was ‚geschaffen‘ wird ist ein Kredit. Das wiederum bedeutet es gibt auf der anderen Seite Schulden. Würden alle Kredite zurückbezahlt werden gäbe es auch kein Geld mehr im Umlauf.
    Durch die Zinsen kommt es außerdem zu einem exponentiellen Wachstum der Schulden, so dass diese niemals wieder zurück gezahlt werden können. Nur durch aufnahme neuer Kredite. Das vergrößert die Geldmenge ebenfalls exponentiell und nun sieht man das eigentliche Problem.
    Ist das Geld für eine gewisse Zeit von Gold gedeckt, so wird die Goldmenge früher oder später nicht mehr ausreichen, da niemals eine exponentiell steigende Menge an Gold gefördert werden kann.

    Nötig ist also eine Änderung des Geldsystems. Wenn dieses gut durchdacht geschieht wird eine Bindung an Gold garnicht nötig sein, da die Geldmenge z.B. an die Menge aller erwerbbaren Waren angepasst werden könnte was natürlich konstante Preise bedeuten würde.

    Comment | 16. Dezember 2010
  • Trauma

    Der Goldstandard ist KEINE Lösung! Im Gegenteil: Damit verschärft man die Situation der Schuldner, denn wer kann sich denn Geld leisten, welches an Gold gebundn ist? Wem schadet denn eigentlich eine Inflation und Hyperinflation? Denjenigen, die das Geld besitzen. Folglich bedeutet die Inflaion die einzige Chance in unserem Geldsystem, die Schulden zu „bereinigen“. Also Schulden und den gegenübersthenden Geldguthaben praktisch zu entwerten. Allein in Deutschland liegen 6 Billionen Geldguthaben auf den Banken, die mit Zinsen bedient werden wollen. Wie sollen die mit einem Goldstandard bezahlt werden?
    Es gibt nur eine Lösung unserer Situation: Ein neues Geldsystem auf den Grundlagen Silvio Gesells Freigeld! Unser Geldsystem ist die Basis der Wirtschaft, die Wirtschaft die Basis unserer Gesellschaft und die Gesellschaft die Basis unserer Demokratie. Sollten wir unser Geldsystem nicht ändern, bedeutet das faktisch die Abschaffung unseres Gesellschaftssystems. Das können wir ja im Moment zu genüge beobachten. Es ist fast müßig die ganzen Demotagen unserer Werte aufzuzählen…

    Comment | 16. Dezember 2010
  • Oller

    Gold kann man ebenso wenig essen wie Geld. Letztendlich haben wir wahrscheinlich ohnehin eher eine „waffengedeckte“ Währung! Wieso sollte einer seinen letzten Rest Eßbares gegen Gold oder Geld eintauschen, wenn nicht sicher ist, ob er morgen auch noch was Eßbares auftreiben kann bzw. für dieses Gold/Geld bekommt? Dann wird man ihm vielleicht eher eine Waffe an den Kopf halten, als mit Geldscheinen oder Goldstücken zu locken. Die Apologeten eines „Goldstandards“ haben meiner Ansicht nach nicht begriffen, welcher Art die kommenden „Krisen“ sein werden.

    Comment | 16. Dezember 2010
  • thomas

    Gesagt wurde bereits alles. Lediglich zu Bretton Woods möchte ich auf folgenden Artikel verweisen (http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/bretton-woods-der-jahrhundertbetrug.html) und hoffe der Admin genehmigt dies.

    Danke.

    Comment | 16. Dezember 2010
  • Klar, wieso sollte ich das nicht genehmigen? :-) Da wird ja keine extremistische Seite verlinkt. Ich selbst bin auch kein Anhänger der in dem Beitrag erwähnten Golddeckung, fand es aber interessant, dass selbst in einem „normalen Verbrauchermagazin“ solch grundlegenden Überlegungen angestellt werden.

    Comment | 16. Dezember 2010

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