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Der genmanipulierte Mensch

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© 123dan321, stock.xchng

Nicht zuletzt Thilo Sarrazin hat sie mit seinem „Sachbuch“bestseller wieder auf die Tagesordnung gebracht – die Einteilung in nützliche und unnütze Menschen, die Überlegungen zur Eugenik und zur Formung möglichst „hochwertiger“ Menschen durch wissenschaftliche Forschung. Seit ewigen Zeiten schließlich schon träumen Forscher davon, den perfekten Menschen zu erschaffen und so dem Zufall und den Unwägbarkeiten der Natur ein Schnippchen zu schlagen. Das fängt bei vermeintlich harmlosen Überlegungen an, wie man vielleicht schwere Krankheiten, die man im Ergbut entdeckt, frühzeitig ausmerzen kann (das erscheint als ein durchaus sinnvoller Eingriff, der vermutlich primär Vorteile für die Betroffenen mit sich bringt), und endet dabei, dass man Neugeborene so züchten möchte, dass sie es in der heutigen Gesellschaft möglichst leicht haben und sie weit nach oben kommen können. Also quasi Hochleistungssportlermodels mit einem IQ von 180. Schon in den 1940ern beschrieb Aldous Huxley in seinem Klassiker „Brave New World (Schöne Neue Welt) [2]“, wie eine solche Gesellschaft, die auf der Selektion gewisser Menschen basiert, aussieht – es ist ein totalitärer Staat, der in die Selbstbestimmung der Menschen hineinregiert und festlegt, wie der „richtige“ Bürger auszusehen hat.

Das österreichische Fernsehen befasste sich unlängst auch mit diesem Thema, wie weit Genforschung gehen sollte und vor allem welche Folgen es für die Gesellschaft haben kann, wenn alles, was möglich ist, auch gemacht wird. Ich finde es ja besonders bedrohlich, dass sich in diesr Zukunft letztlich nur diejenigen leisten können, ihre Kinder „zu tunen“, die das Geld haben, so dass also auf längere Sicht die Bevölkerungsschichten, die sowieso schon viel haben – die sog. Eliten –, durch Erbgutselektion ihren (materiellen, kulturellen) Vorsprung vor dem „gemeinen Volk“ weiter sichern können. Eine unbehagliche und bedrückende Vorstellung.


Dazu passt auch der Artikel von Michael Kuyumcu auf Noemanetz „Klonen muss sich wieder lohnen! [3]“, der sich (in zum Teil leicht ironischem Ton) mit Gefahren und Möglichkeiten der Genmanipulation am Menschen beschäftigt:

Für unseren heutigen allgegenwärtigen Massenmarkt brauchen die Wirtschaftsunternehmen in erster Linie Kunden, also Menschen. Viele Menschen. Sehr viele. Viel mehr als wir heute haben. Wer sonst soll all die massenweise identisch hergestellten Bücher, Cassetten, Computerprogramme, die gleichförmigen Dienstleistungen und sonstigen Sachen kaufen? Wer sonst all die uniform gebauten Waffen verbrauchen, die massenweise auf den Markt geworfenen Medikamente einnehmen, die Einheitsformat-Sendungen im Fernsehen konsumieren – wenn nicht Menschen. Je mehr Menschen, desto mehr Verbraucher, desto mehr Nachfrage, desto rarer werden aber auch natürliche »Lebensmittel« wie Wasser und Luft. Und rarer heißt: teurer.

Wo sollen jetzt aber all diese vielen wirtschaftsförderlichen Menschen herkommen? Natürlich frisch auf den Tisch aus dem Genlabor! Denn nirgens sonst lassen sich die Produktionsbedingungen für humanoide Konsumenten besser kontrollieren als in einem keimfreien Labor unter wissenschaftlicher Aufsicht. (…)

(…) Wobei die religiösen Bedenken wohl die unwichtigsten sind, denn die christliche katholische Kirche beispielsweise hielt jahrhundertelang das Weltbild des Kopernikus für Teufelswerk, den Papst für unfehlbar, Andersgläubige für tötenswert, Hexen für wirklich – und sich selbst für eine gute Sache. Dabei hat die Kirche wohl selbst mit dem Klonen angefangen – es waren ja wohl Mönche, die die Bibel wieder und wieder kopierten und die Schrift dabei mit gewissermaßen ungewollten bunten Mutationen anreicherten. Und das alles nur, damit eine genormte Uniformität des Denkens einkehre, wo auch individuelle Erkenntnis oder ebenso erleuchtende Nichterkenntnis stehen könnten. (…)

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