Okt
18
2011
6

Suchanfragen des Monats: Irreführende Werbung, Weltuntergang, Privatfernsehen, Angst

Heute möchte ich mal wieder ein paar Suchanfragen abarbeiten, durch die Webuser via Google auf meinen Blog gekommen sind – sind wieder interessante Sachen dabei, wie ich finde.

„irreführende werbung beispiele“

Also, das ist ganz einfach – nimm irgendeine x-beliebige Zeitschrift, schalte irgendeinen Fernsehsender an, lauf durch die Straßen und schau auf die Reklameplakate, und schon hast Du irreführende Werbung. Sind Autos umweltschonend, nur weil die Marketingleute sie in den Spots durch unberührte Natur brausen lassen? Ist McDoof-Fastfood gesund, bloß weil ein Model dafür wirbt und knackige Salate gezeigt werden? Sehen wir den Tatsachen ins ungeschminkte Auge: Werbung ist per se so gut wie immer auf die eine oder andere Weise irreführend, vor allem dann, wenn es sich um großangelegte Kampagnen der „big player“ handelt.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
17
2011
3

Schleichwerbung macht sich breit

Tierbilder sind im Internet ja besonders beliebt!

Dass ich von Reklame und sonstiger Kaufpropaganda herzlich wenig halte, dürfte regelmäßigen Lesern meines Blogs bekannt sein. Zu sehr greift das Marketing inzwischen in alle Lebensbereiche ein und versucht, jeden Fitzel Privatheit zu einem Konsumevent zu machen, als dass man der Werbebranche noch irgendwie auch nur ansatzweise positiv gegenüber stehen könnte. Aber wenigstens findet „klassische“ Werbung wie Plakatwände oder Spots im Fernsehen noch mit einer Art offenem Visier statt, denn jeder weiß, dass es sich hier um Reklame und also um das Verkaufenwollen von Produkten und Anpreisen von Unternehmen geht. Längst ist die Werbezunft aber über diese Formen der „Verbraucher(des)information“ hinaus, denn sie hat natürlich längst erkannt, dass offene Reklame auf wenig Gegenliebe stört, oft sogar direkt abgelehnt wird und nur noch mäßige Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit genießt. Was liegt da näher, als die Konsumbotschaften verstärkt auf Umwegen in die Köpfe der Konsumenten zu bringen?

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
16
2011
13

RTL und die asoziale „Super Nanny“

„Mein Mülleimer”

Ich will mal stark annehmen (oder doch zumindest hoffen), dass nur die wenigsten meiner Stammleser sich den Quatsch anschauen, den Sender wie RTL tagtäglich in die Welt rotzen – vor allem die ganzen „Doku“-Formate, in denen manipuliert und getrickst wird, um die erwünschten Aufreger zu produzieren, sind seit jeher unter aller Kanone. Gerne wird da unter dem Deckmäntelchen der vermeintlichen Hilfe für in Not geratene Zuschauer und Familien mit gefaketen Inhalten Quote gemacht, ohne Rücksichtnahme auf die Würde der Beteiligten. Von daher ist die Aussage „Scheiß RTL“ nach wie vor unumstößlich gültig. Ich selbst schaue seit längerem kein Privatfernsehen mehr, da ich von dem bunten, kommerzdurchsetzten Geblubber nur Pickel kriege. Mein einziges Fenster in diese Abgründe ist deshalb (wie ich auch schond es öfteren hier schrieb) Holger Kreymeiers fernsehkritik.tv, ein Video-Podcast mit einem kritischen Auge auf den Blödsinn, der den Leuten tagein, tagaus als televisionärer Abraum in die Wohnzimmer gebeamt wird.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
14
2011
2

Weltweiter Aktionstag am 15. Oktober – auch in Kiel

Ich weiß nicht, wie viele meiner Leser so aus Kiel und Umgebung stammen (vermutlich nicht gar zu viele), aber diejenigen dürfte es vielleicht interessieren, dass Attac nun für den morgigen 15. Oktober auch zu einer Veranstaltung in Kiel aufruft:

Weltweiter Aktionstag am 15. Oktober – auch in Kiel.
Empört Euch!    Organisiert Euch!    Rebellion ist gerechtfertigt!

Versammelt Euch zum Aktionstag
am Samstag, 15.Oktober 2011,
ab 11 Uhr Europaplatz zwischen Cafe-Fiedler und WMF

Bringt Trillerpfeifen, Töpfe und Trommeln mit!
Malt Transparente! Singt Lieder! Sprecht Gedichte!
Werdet störrisch! Bleibt gewaltfrei!

Vor über drei Jahren kam es in der Folge einer weltweiten Rezession zur größten Finanzkrise seit der großen Depression. Seither besteht der wichtigste Betriebsstoff der Banken aus Steuermitteln. In der Folge sind die Schulden der Industriestaaten weltweit explodiert.

Das muss ein Ende haben!!!

Vor über zwei Jahren haben die Staaten begonnen den Finanzsektor zu reformieren. Außer kosmetischen Kleinstarbeiten ist Nichts geschehen. Gesetzesvorlagen wurden von Bankvorständen formuliert. Größere Vorhaben wurden torpediert. Es wird gesagt, die Märkte sollen es richten. Dabei funktioniert der Finanzmarkt grottenschlecht und je schlechter desto mehr Geld auf dem Spiel steht.

Jetzt ist die Zeit für gründliche Maßnahmen gekommen!!!

Vor über einem Jahr haben die europäischen Staaten begonnen zu „sparen“. Das Geld, welches in den Finanzsektor gepumpt wurde, sollte nun aus den Taschen der Bürger wieder beschafft werden. Die ersten Opfer waren Jugendliche, die keine Arbeit mehr finden. Man macht die Leute glauben, sie hätten seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt.

Das ist eine schreiende Lüge!!!

Wir fordern:
Sofortige Stilllegung des Finanzsektors.
Verstaatlichung aller Großbanken.
Verkleinerung der Banken bis zur Insolvenzfähigkeit.
Finanztransaktionssteuer.
Die Schulden sollen die bezahlen, die für sie verantwortlich sind.

In Schleswig-Holstein haben die Finanzminister Stegner (SPD) und Wiegard (CDU) die HSH Nordbank mit ihrer Privatisierungspolitik vor die Wand gefahren. Allein in den Jahren 2007 bis 2009 sind sie als ehemalige Aufsichtsräte für einen Wertverlust in Höhe von 1,7 Milliarden Euro bei der Beteiligung des Landes an der HSH Nordbank verantwortlich. Nicht die öffentlichen Banken sind besonders unfähig, sondern eine Clique von Politikern die ihre Privatisierung betrieben haben.

Was hat der Landtag dann getan? Er hat eine Schuldenbremse in die Verfassung aufgenommen. Und er hat die Absicht bekundet die HSH Nordbank zu privatisieren.
Was hat die Landesregierung dann getan? Sie hat ein Kürzungsprogramm vorgelegt, das Blindengeld halbiert, das kostenfreie Kita-Jahr abgeschafft, die Schülerbeförderung abgeschafft, den jungen Leuten tausende von Einstiegsstellen im öffentlichen Dienst weggenommen, Frauenhäuser geschlossen und versucht eine Universität zu schließen. Und so will die Regierung weiter kürzen.

Wir fordern ein Ende der Kürzungspolitik im Land und eine vernünftige Finanzierung der öffentlichen Haushalte!!! Besteuert die Reichen!!!

Die Umverteilung muss ein Ende haben. In den Industrienationen wird seit über einer Generation ein immer höherer Anteil der wirtschaftlichen Wertschöpfung in die Taschen der Vermögenden geleitet. Diese politisch und nicht etwa nur wirtschaftlich herbeigeführte wachsende Ungleichheit ist die Wurzel der vielen Krisen, die sich zu einer großen Krise verdichten. Das Geld fällt nicht von allein nach oben! In Deutschland wurde die Umverteilung von unten nach oben mit der Agenda 2010 durchgesetzt. Wir fordern, die Agenda 2010 abzuwickeln.

Deutschland braucht jetzt eine Politik der entschiedenen Erhöhung der Anteile der Arbeitenden an der wirtschaftlichen Wertschöpfung des Landes. Um das zu erreichen sind Mindestlöhne, Rentenverbesserung, Arbeitszeitverkürzungen und energische Lohnsteigerungen die richtigen Instrumente.

Das führt auch zu einem Ende der Staatsschuldenkrise, weil dann mehr Menschen in der Lage sind, wieder vernünftige Lasten zu tragen und nicht mehr für die Rettung der Banken zu bluten haben.

V.i.S.d.P.: Thomas Herrmann, Kirchhofallee 14, 24103 Kiel

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
14
2011
0

Ausbeutung von Waldarbeitern in Tschechien

Wenn man an Ausbeutung in der globalisierten Welt denkt, fallen einem vermutlich zuerst H&M- oder Nike-Fabriken in Bangladesh oder Technikfirmen wie die chinesischen Foxconn (Zulieferer von Apple & Co.) ein, in denen miese Bezahlung und Missachtung der Menschenrechte eher die Normalität als die Ausnahme zu sein scheinen. Dass es aber auch mitten in Europa solch schlimme Zustände gibt, macht man sich her nicht klar. Im WDR-Markencheck, in dem es um Ferrero ging, wurde schon über die Kinderarbeit in der Türkei bei der Haselnussernte für diesen Konzern berichtet. Und nun wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass in Tschechien ausländische Arbeiter mit falschen Versprechen angelockt werden und dann mit Hilfe obskurer Verträge um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Auch einige größere Medien berichteten schon über diese skandalösen Vorgänge, bei denen der Profit eines Holzkonzerns wichtiger ist als die Menschenwürde der Arbeiter.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
13
2011
3

Nimm2 ist nicht für Kinder und Danones Verpackungsschwindel

Foodwatch und abgespeist.de vergeben ja alljährlich den „Goldenen Windbeutel“ für die Werbelüge des Jahres. 2011 hat diesen Preis Ferrero für die Milchschnitte „gewonnen“. Sehr schön war dabei auch der Beitrag über Nimm2, die ebenfalls nominiert waren, und den ich Euch nicht vorenthalten möchte, weil die Kackdreistigkeit des Herstellers, der sein verlogenes Marketing hier zu verteidigen sucht, schon beachtlich ist. Dementsprechend süffisant wird Storck von Foodwatch mit der Realität konfrontiert.

Auch sonst wird es den Leuten von abgespeist.de so schnell nicht langweilig, da die Reklamefritzen der Konzerne nicht müde werden, den Konsumenten in spé einen vom Pferd zu erzählen und mit teils hanebüchenen Geschichten zum Kauf zu animieren. Danone tut sich da mal wieder hervor – nachdem ihr Actimel sich als genauso gesund oder ungesund wie normaler Joghurt erwiesen hat (nur dass Actimel eben viel teurer ist), versucht sich die Firma nun ein grünes Mäntelchen umzuhängen und bewirbt ihren neuen Activia-Joghurtbecher als „umweltfreundlich“. Von wegen!

Der Becher fällt nicht weit vom Stamm
Spätestens seit Actimel und Activia wissen wir, wie die Damen und Herren von Danone mithilfe wissen-schaftlicher Studien Marketing machen: Minimale messbare Effekte werden in der Werbung maximal aufgeblasen, um Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der jüngste Clou: Activia gibt’s neuerdings im vermeintlich „umweltfreundlicheren“ Becher aus Mais-stärke (PLA). Blöd nur, dass der neue Becher gar nicht wirklich „umweltfreundlicher“ ist als der alte, wenn man die Ökobilanz-Maßstäbe vom staatlichen Umweltbundesamt ansetzt. Unser Fazit: Wie der Joghurt, so der Becher – ein dreister Schwindel.

Activia activiert Unterlassungserklärung
Die Marketing-Menschen bei Danone haben Phantasie, das muss man ihnen lassen. Immer wieder kommen sie mit neuen Ideen daher, wie sie aus schnöden Joghurts angeblich ganz besondere Produkte kreieren können – erst mit Gesundheitsversprechen, jetzt mit dem vermeintlichen Ökobecher. Nur haben die Danones die Rechnung dieses Mal ohne die Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe gemacht. Die hat den Konzern nämlich schon abgemahnt und nun eine Klage angekündigt – Danone soll die irreführenden Öko-Aussagen zum neuen Becher unterlassen. Doch der Konzern weigert sich zu unterzeichnen.

Das Blaue vom Recycling-Himmel
„Den Becher bitte in den gelben Sack entsorgen, damit dieser optimal verwertet bzw. recycelt werden kann.“, so der Werbetext auf der Packung des vermeintlichen Verdauungswunders. Der Haken: Der Activia-Becher wird momentan nicht recycelt, sondern in der Regel verbrannt. Er wird von den Recycling-Anlagen nämlich gar nicht aussortiert. Ein sogenannter geschlossener Kreislauf sei laut Danone zwar geplant, doch das ist – wenn überhaupt – Zukunftsmusik. Trotzdem verspricht der Konzern auf der Verpackung das Blaue vom Recycling-Himmel.

Wählerisch wie eine Diva beim Dorftanz
Eine von Danone finanzierte Studie des IFEU-Instituts kommt zu dem klaren Ergebnis: Der neue Becher ist insgesamt nicht besser für die Umwelt als der alte. Wählerisch, wie die Danones sind, picken sie sich einzelne Aspekte aus der Studie raus, bei denen der Neue besser abschneidet: Treibhausgase und fossiler Ressourcenverbrauch. Bei Auswirkungen der Herstellung auf z.B. Böden und Gewässer ist der neue Becher aber schlechter als der alte. Darum empfiehlt das Institut, stets auch die Nachteile zu nennen. Das ignoriert Danone gnadenlos, wenn man die Werbetexte auf der Verpackung liest.

Zertifiziert naturferne Intensivlandwirtschaft
Auf der Packung fabulieren Danones Werbetexter von nachhaltigem Mais, aus dem der Becher hergestellt werde. Wer sich da einen idyllischen Bio-Bauernhof im Alpenvorland vorstellt, hat weit gefehlt. Für den Maisanbau sind unter anderem Pestizide und Mineraldünger erlaubt. Das führt zu Belastung von Böden und Gewässern – Intensivlandwirtschaft eben. Mit dem, was der Verbraucher unter „nachhaltig“ versteht, hat es also wenig gemein.

Drei Schritte voraus
Danone weiß sogar selbst, dass der neue Becher nicht der große Wurf ist. Unter anderem, weil er derzeit überhaupt nicht aussortiert und recycelt, sondern in der Regel verbrannt wird. Der Konzern argumentiert damit, dass irgendwann genug PLA-Becher im Umlauf sein sollen, um ein Recycling zu ermöglichen. Dabei ist noch völlig unklar, welche Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sich am besten eignen und am umweltfreundlichsten sind. Im Werbetext auf der Becher-Banderole suggeriert Danone trotzdem schon mal, der Neue sei ein Verpackungswunder, weil „umweltfreundlicher“ als der alte. Das ist schlichtweg gelogen!

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
12
2011
8

Der 15. Oktober – Aufruf zum Widerstand gegen das Banken- und Finanzsystem

Seit mehreren Wochen schon läuft nun die ursprünglich von Adbusters ausgerufene #occupywallstreet-Aktion in den USA. Ganz zu Beginn waren es einige tausend Aktivisten und Empörte, die auf der Wall Street protestierten und sogar übernachteten; in den darauffolgenden Tagen sank die Zahl der Ausharrenden zunächst, was einige konservative Medien und auch Blogs dazu bewegte, hämisch vom Misserfolg der „versprengten Kommunisten/Ökos/Hippies“ zu sprechen. Womit aber kaum jemand, vielleicht noch nicht mal die Initiatoren, gerechnet haben: mittlerweile schwillt der Protest zu einer landesweiten Welle an und ergreift immer mehr Städte in den USA. Je deutlicher es wird, wie viel Schaden unser Finanzsystem und allen voran die Banken anrichten, desto größer wird offenbar auch der Widerstand und die Wut gegen diesen Wahnsinn, in dem Banken mit Steuergeldern gerettet werden, damit diese weiterhin ihre Renditen erwirtschaften können.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
10
2011
5

Der Fall Coca-Cola

Das Internet ist schon nen dolles Ding. Früher wären kritische Informationen kaum verbreitungsfähig gewesen und Dokumentationen, die Großkonzernen auf den Zahn fühlen und ihr Treiben bloßstellen, nur in entlegenen Programmkinos ein Thema. Doch Dank YouTube & Co. können wir uns heutzutage z.B. „The Coca-Cola Case“ im Netz auch auf Deutsch anschauen, wann immer wir wollen. Der Film aus dem Jahr 2010 geht, wie man an dem Titel schon ablesen kann, schonungslos mit Coca-Cola ins Gericht, und zeigt u.a. am Beispiel der Unterdrückung der Gewerkschaften in Mittel- und Südamerika, womit sich diese Firma nahtlos einreiht in die lange Liste der schwarzen Schafe des globalen Business.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
09
2011
15

Lesetipps: Fußball-Verschwörung | Weniger Demokratie wagen | Landwirtschaft | FDP

Das Phänomen kennt sicherlich jeder – in Umfragen schätzen die Menschen ihr eigenes (Konsum-)Verhalten überwiegend positiv ein, sprich, für die Befragten sei es wichtig, auf ökologische und soziale Standards zu achten, auf gesunde Ernährung usw. usf. Nur leider kommt davon in der Realität kaum etwas an. Das meine-landwirtschaft.de-Projekt hatte seine User gefragt, wie sie 100€ aufteilen würden, also welche Bereiche damit gefördert werden sollten. Dies ist das (eigentlich wenig überraschende) Ergebnis:

Es wäre schön, wenn die Leute solche Antworten nicht nur bei virtuellen Umfragen geben würden, sondern auch tagtäglich beim eigenen Einkauf, denn man beeinflusst gewisse Strukturen in Landwirtschaft, Produktion und Handel schließlich jeden Tag aufs Neue auch durch das eigene Geld. Und da zeigt sich viel zu häufig, dass es am Ende doch oft nur darum geht, etwas möglichst billig zu bekommen, oder weil es „cool“ ist (von der Reklame entsprechend beworben) etc.

Verschwörungstheorien sind ja so eine Sache. Denn gerne mal werden vielleicht durchaus berechtigte Zweifel an offiziellen Versionen von Ereignissen oder Plänen von manchen Leuten lapidar als „Verschwörungstheorie“ abgetan, um damit weitere Diskussionen im Keim zu ersticken. In den Medien präsentierte „Fakten“ kritisch zu hinterfragen und mit einer gewissen Skepsis zu lesen, erscheint mir jedoch generell eine sehr gute Idee zu sein. Von daher ist die Grenze zwischen normalen Zweifeln und einer sog. „Verschwörungstheorie“ fließend. Aber richtige Verschwörungstheoretiker erkennt man an ihrer fast schon fanatischen Hingabe an eine Sache und daran, dass sie vollkommen von ihrer Sicht der Dinge überzeugt sind. Wenn sich Leute schon „truther“ nennen (wie die „9/11“-Skeptiker), also für sich in Anspruch nehmen, die Wahrheit gepachtet zu haben, ist mir so etwas grundsätzlich schon mal sehr suspekt. Und wenn man dann noch sieht, wie sektiererisch, mit religiös anmutendem Eifer VT’ler argumentieren und missionieren, hört bei mir dann das Verständnis auch irgendwann auf. Es ist – wie bei jedem Fanatiker – auch schwierig, mit Gegenargumenten zu kommen, weil alles, was man dagegen vorbringen könnte, erst recht als Bestätigung aufgefasst wird, so nach dem Motto „Du bist wohl auch einer von denen!“ (sprich: den Verfechtern einer New World Order, verlängerter Arm der Bilderberger usw. usf.) Der Geistig befreit-Blog, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen kritischen Blick auf die VT-Szene zu werfen und Kuriositäten zu dokumentieren, hat dieses Argumentationsmuster neulich am Beispiel eines Fußballspiels sehr schön auf den Punkt gebracht – „Verschwörungsdeppen goes Fußball“:

Allmystery-User “Bakterius” wird die seit zehn Jahren anhaltende – und teilweise zum Großteil an Dummheit nicht zu überbietende – 9/11-Diskussion zu blöde und er überträgt das Rumgedeppe der Verschwörungs-Schwachköpfe auf ein Fußballspiel:

“In der Masse scheinen die dämlichsten Merkwürdigkeiten bei nicht wenigen offenbar Wirkung zu zeigen. Und es zeigt sich immer wieder, dass man jede Merkwürdigkeit bis zum Erbrechen richtigstellen kann, ohne dass diese Leute Einsicht zeigen, denn sie können ja munter mit der nächsten “Merkwürdigkeit” winken. Du kannst eine ganz normale Fußball-Übertragung nehmen, diese einfach als Verschwörung bezeichnen und anfangen “Merkwürdigkeiten” zu sammeln:

- Warum verspricht sich der Kommentator bei dieser Chance?
- Wieso gibt es in jener Szene einen Bildaussetzer?
- Warum spricht der Co-Trainer von einem 4:1, wenn es doch ein 1:4 war?
- Warum schreit der Kommentator “Tor!”, obwohl der Ball im letzten Moment doch noch am Tor vorbei geht?
- Wieso sieht der Trainer der Siegesmannschaft auf diesem Foto so ärgerlich aus?
- Warum lacht der Kapitän der Verlierer nach dem Spiel während eines Interviews?
- Warum wird uns das angeblich Ergebnis ständig vor die Nase gehalten?
- Wieso gibt der Schiedsrichter die Rote Karte nicht?
- Warum trifft der hochtalentierte Stürmer das Tor aus drei Metern Entfernung nicht?
- Wieso gewinnt ausgerechnet jene Mannschaft, welche gegen die andere Mannschaft noch nie zuvor gewonnen hat, schon gar nicht in dieser Höhe?
- Warum erzählt ein Fan der Siegesmannschaft, dass er das nicht versteht?
- Was sind das für Explosionsgeräusche aus dem Fanblock?
- Was haben die vielen Polizisten im Stadion wirklich gemacht?
- Warum hat keine Kamera das Handspiel deutlich sichtbarer aufnehmen können?
- Wem hat dieser Sieg denn genutzt? Immerhin ist der Sieger kurz danach in die zweite Liga abgestiegen.
- Warum sollte ich dem Vereinsmanager noch trauen, wenn er uns doch schon bei den Transfergesprächen und der Ablösesumme seiner Spieler nicht die Wahrheit gesagt hat. …

So kann man ewig weiter machen und je mehr Bildmaterial, Zeugenaussagen und Berichterstattungen mir zur Verfügung stehen, umso mehr “Merkwürdigkeiten” könnte ich aufzählen, freilich ohne irgendeinen Beweis vorbringen zu können, aber die Masse an “Indizien” spricht ja für sich. Mit der Zeit wäre ich nicht mehr allein mit meinen Zweifeln und andere kopieren meine “Argumente” lustig weiter. Die Zahl der Verschwörungsgläubigen nimmt zu und ich kann sagen, dass wir doch nicht alle blöd sein können.”

Wie die Beeinflussung des Weltgeschehens tatsächlich vor sich geht, auch ganz ohne eine Art Weltverschwörung, das zeigt der Beitrag „Weniger Demokratie wagen“ der Website German Foreign Policy. Mit Lobbyismus und steter Meinungsbeeinflussung werden so gewissen Standpunkte plötzlich salonfähig – denn wofür hier der Autor Laszlo Trankovits in dem bei der FAZ erschienenden Buch eintritt, ist eine Machtbündelung bei den jetzt schon einflussreichsten Entscheidern… Schon sehr bedenklich, was für ein Gedankengut sich in diesem Land so breit zu machen beginnt (man denke nur an den Erfolg von Sarrazins abstrusen Thesen). Die galoppierende EU-Skepsis bzw. die durch die aktuellen politischen Entscheidungen angefachten Ressentiments gegen Euro & Co. sowie die ausufernden EU-Bürokratismen, tragen sicherlich auch nicht zum sozialen Frieden in Europa bei:

Eine aktuelle Buchpublikation aus einem der einflussreichsten deutschen Zeitungsverlage fordert den Übergang zu “weniger Demokratie”. Das aktuelle Regierungshandeln sei zu stark vom “lähmenden Einfluss der ‘Stimme des Volkes’ (…) und des alles anzweifelnden emanzipatorischen Zeitgeists” geprägt, heißt es in der Verlagsankündigung für die Schrift. Der Autor fordert deshalb “Systemkorrekturen” ein, um die “Politik effizienter zu machen”. Diese “Korrekturen” müssten in einem Rückbau demokratischer Partizipation bestehen. Das Buch, das unlängst unter dem Titel “Weniger Demokratie wagen” veröffentlicht worden ist, wird intensiv von Sendeanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beworben, etwa vom sozialdemokratisch geprägten Westdeutschen Rundfunk (WDR). Die Forderung nach dem Rückbau der Demokratie in Deutschland wird seit geraumer Zeit in einflussreichen Zirkeln der deutschen Eliten erhoben. (…)

(…) Ungeachtet dessen tritt Trankovits in seinem neuen Buch mit einer Reihe von Forderungen an die Öffentlichkeit, durch welche die demokratische Mitbestimmung in Deutschland reduziert werden soll. Er verlangt: “Weniger Wahlen. Längere Legislaturperioden.” Für die Regierung fordert er: “Mehr Zentralisierung. Mehr Machtkonzentration. Mehr Kontrolle.” Mit Blick auf die Tatsache, dass das Bundesverfassungsgericht immer wieder angerufen wird, weil die Verfassungsgemäßheit neuer Gesetze häufig in Frage steht, schreibt Trankovits: “Auch die immer stärkere Einbindung des Bundesverfassungsgerichts führt in eine falsche Richtung.”[3] In der “Praxis des Regierens” seien anstelle von Mitbestimmung “Kompetenz, Entschlussfreudigkeit und Führungskraft” vonnöten. Es dürfe keinesfalls suggeriert werden, “in einer demokratischen Gesellschaft ließen sich Ungleichheit beseitigen und soziale Gerechtigkeit herstellen”. Von den Eliten fordert Trankovits, selbst Mitglied des elitären Rotary-Clubs, ein “Bekenntnis zu Kapitalismus und Profit”; für die Vermittlung politischer Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung verlangt er “intelligente Formen politischer PR”. Die Forderung nach mehr “Transparenz” hingegen sei “für die Effizienz jeglicher Regierungsarbeit (…) oft kontraproduktiv und lähmend”, erklärt Trankovits; sie müsse deshalb zurückgewiesen werden. (…)

(…) Ein klein wenig Diktatur

Dies entspricht Einschätzungen, die letztes Jahr in der Zeitschrift Internationale Politik getätigt wurden. Dort hieß es ebenfalls, der Aufstieg Chinas habe “den Wettbewerb der Systeme neu entfacht”. Vor allem “Manager und Industrielle” hofften, “schneller zum Zuge zu kommen”, wenn man die demokratische Teilhabe beschränke. Beklagt würden, hieß es über entsprechende Debatten in den Eliten, vor allem die Schwerfälligkeit demokratischer Entscheidungsprozesse und größere “Mängel in der Auswahl des politischen Personals”. Daraus ergebe sich der Wunsch nach einem “sachorientierten, entpolitisierten Verwaltungshandeln”, tendenziell der “Wunsch nach ‘ein klein wenig Diktatur’”. In der Tat werde im Berliner Establishment bereits über diktatorische Praktiken diskutiert. Der NS-Kronjurist Carl Schmitt habe einst zwischen einer partiellen (“kommissarischen”) und einer totalen (“souveränen”) Diktatur unterschieden. “Wenn heute verschiedentlich von diktatorischen Befugnissen und Maßnahmen die Rede ist, dann zumeist (! d. Red.) im Sinne dessen, was Schmitt als kommissarische Diktatur bezeichnet hat”, berichtete die Zeitschrift, die allerdings auch gewisse Probleme bei der Realisierung erwähnte (german-foreign-policy.com berichtete): “Es gibt bloß kein Verfassungsorgan, das sich auf das Risiko der Einsetzung eines kommissarischen Diktators einlassen will.” (…)
Die FDP müsste mit solchen Gedanken eigentlich auch liebäugeln, wenn man diesen Artikel in der Süddeutschen Zeitung zugrunde legt – „Liberale Ursachenforschung: Zu dumm für die FDP?“:
(…) Pfeil, Präsidiumsmitglied der hessischen FDP, hat eine ganz eigene Vorstellung, wie das Drama seiner Partei zu erklären ist.  Aus seiner Sicht liegt es nicht an Rösler oder an Westerwelle, dessen Rücktritt Pfeil selbst noch im Dezember gefordert hatte. Nein. Schuld sind die Wähler. Genauer gesagt: das durchschnittliche Bildungsniveau der Wähler. (…)

Der Interviewer will es genauer wissen. “Also sind die Wähler zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen?” Pfeil: “Die Masse ja. Deswegen werden wir nie eine Volkspartei. Liberal zu sein, ist keine Massenmeinung.”

Heißt: Nicht die FDP macht Fehler, die Wähler sind einfach zu dumm für die FDP. Klar, gedacht haben das viele schon. Und hinter vorgehaltener Hand wird seit langem gemunkelt, dass in den SPD-geführten Ländern deswegen so wenig für Bildung gemacht wird, damit die FDP keine Schnitte mehr hat. (…)

Apropos FDP – man soll zwar auf Quasi-Toten nicht herumhacken, aber wo wir grad beim FDP-Bashing sind, hier noch ein Beitrag von Panorama über die „Arbeitsmoral“ von Frau Pseudo-Dr. Koch-Mehrin:

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
07
2011
3

Adbusting – Spraydose gegen Konsum

Adbusting, also das Verfremden von Reklamebotschaften als Antwort auf die normalerweise einseitige „Kommunikation“ von Unternehmen zum Konsumenten, ist hierzulande vor einigen Wochen ins mediale Interesse gerückt, nämlich im Zusammenhang mit der Berlin-Wahl und einigen sehr gelungenen Richtigstellungen der Parteiparolen. Aber natürlich gibt es diese Form der konsumkritischen Aktion schon sehr viel länger, auch wenn sie vor allem in Deutschland noch oft unterhalb des Radars stattfindet. Dennoch berichtete ZDF.kultur im August über den Berliner Adbuster mit dem kryptischen Namen (Mein lieber) Prost und seine Streifzüge durch die Reklamelandschaft – „Adbusting – Spraydose gegen Konsum“. Ein netter Beitrag, in dem auch Kalle Lasn, Gründer des Adbusters Magazins, zu Wort kommt:

Bis zu 3000 Werbebotschaften prasseln täglich auf uns ein. Adbusting richtet sich gegen Konsumterror und will Werbebilder „bis zur Kenntlichkeit entstellen”.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes