Okt
22
2010
13

Deutschland rückt wieder nach rechts

Man möge mir diesen Ausflug ins politische Altagsgeschehen verzeihen, aber ich muss das Folgende einfach mal loswerden. Während der ganzen unseligen Debatte über Thilo Sarrazins sozialdarwinistische und rassistische Thesen habe ich mich immer gefragt, ob es wohl etwas noch Abstoßenderes gibt als diesen Mann und sein arrogant-bräsiges Auftreten. Als ich neulich im Report Mainz den Bericht „Wie islamfeindlich sind die Deutschen?“ sah, wusste ich, dass es sehr wohl schlimmer geht – denn noch bedenklicher, erschreckender und ekliger als die Thesen selbst ist letztlich, wie sehr dieser Mann nun gefeiert und von ganz normalen, vermeintlich gebildeten Menschen beklatscht und fast schon als Messias umjubelt wird – getreu dem BILD-Motto „Endlich traut sich mal jemand, die Wahrheit zu sagen“. Schaut Euch den Beitrag mal an, dann wisst Ihr, was ich meine. Vorsicht, Kotzgefahr!

Kritiker von Sarrazin werden bei einer Veranstaltung des Münchener Literaturhauses vor gut bürgerlichem Publikum niedergebuht und ausgepfiffen. Der Berliner Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Jan Stöß (SPD), berichtet von Übergriffen auf Muslime. Die Sozialarbeiterin Amal Samhat wird von einem deutschen Ehepaar übel beschimpft.
Der Wissenschaftler Oliver Decker von der Universität Leipzig schildert exklusiv seine neuesten Untersuchungsergebnisse zu islamfeindlichen Einstellungen in der Mitte unserer Gesellschaft: Die haben enorm zugenommen. Und auch die von REPORT MAINZ in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage kommt zu besorgniserregenden Ergebnissen: 37 Prozent der Befragten finden ein Deutschland ohne Islam besser.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
21
2010
2
Okt
20
2010
5

Fernsehtipp: „Frisch auf den Müll“ (ARD, Mi. 20.10., 23:30 Uhr)

Hier auf die Schnelle noch ein (vermutlich) spannender Fernsehtipp für heute Abend, der den Wahnsinn unserer Konsum. und Wegwerfgesellschaft beleuchtet:

“Frisch auf den Müll” (Mittwoch, 20.10.2010 23:30 Uhr, Das Erste)

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll! Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das entspricht etwa 500.000 Lkw-Ladungen pro Jahr. Für die ARD-Themenwoche ‘Essen ist Leben’ (23. – 29. Oktober 2010) hat Regisseur Valentin Thurn das Ausmaß dieser Verschwendung international recherchiert – in den Abfall-Containern der Großmärkte, Lagerhallen und Supermärkte. Dokumentiert hat er überwältigende Mengen einwandfreier Nahrungsmittel, teilweise noch original verpackt, oft auch mit noch gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum. Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr allein in Deutschland weggeworfen. Und es werden immer mehr!. Auf der Suche nach den Ursachen spricht Valentin Thurn mit Supermarktmanagern, Bäckern, Großmarkt-Inspektoren, Ministern, Bauern und EU-Politikern. Was er findet, ist ein weltweites System, an dem sich alle beteiligen. Alles soll jederzeit verfügbar sein, Supermärkte bieten durchgehend die ganze Warenpalette an, bis spät in den Abend muss das Brot in den Regalen frisch sein, zu jeder Jahreszeit gibt es Erdbeeren. Und alles muss perfekt aussehen: Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel, eine Delle im Apfel – sofort wird die Ware aussortiert. Joghurtbecher landen schon zwei Tage, bevor ihr Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, im Müll. Dass die Hälfte der bereits produzierten Lebensmittel zu Abfall wird, wirkt sich verheerend auf das Weltklima aus. Die Landwirtschaft verschlingt riesige Mengen an Energie, Wasser, Dünger, Pestiziden und rodet den Regenwald, sie ist damit für mehr als ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich.

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
20
2010
2

Uebermorgen.tv: Die Zukunft der Reklame


Zu den erfreulichsten Errungenschaften, die die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet zustande brachten, gehörte für mich immer zweifelsohne Der Elektrische Reporter, ein kostenloser Videopodcast, der sich mit Trends und Entwicklungen und Problemen der (Medien-)Gesellschaft befasste und dies in sehr stilvoller und oft auch unterhaltsamer Art und Weise präsentierte. Nach einiger Zeit wurde der Reporter leider auf Eis gelegt, doch nun gibt es ein neues, wiederum kostenlos verfügbares Format derselben Macher – Uebermorgen.tv. Gleich in der ersten Folge wird ein Thema angegangen, das mich hier im Blog bekanntermaßen auch von Anfang an intensiv beschäftigt und umtreibt, nämlich „Die Zukunft der Werbung“, deren heutige Form und Verbreitung (aufdringlich, verlogen, bedrängend, nervtötend) hoffentlich keine Zukunft hat. Ähnlich sieht das auch Uebermorgen.tv:

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
19
2010
0

Krank durch Jeans

Passend zu meinem Beitrag von gestern heute noch mal etwas zum Thema Mode. Über den Irrsinn, Jeans mit Hilfe von Sandstrahlgebläsen künstlich altern zu lassen, um den modisch angesagten „vintage look“ zu erzeugen, wurde bereits vor gut einem Jahr in den Medien berichtet (z.B. der Spiegel: „Tödlicher Sand in der Jeans-Maschine“) – denn viele der Arbeiter, die diese Anlagen bedienen, werden dadurch krank und sterben sogar. Aufgrund des damaligen allgemeinen Entrüstungssturms haben Firmen wie Levi’s und H&M nun dieser Produktionsweise öffentlich abgeschworen. Leider wird dieses Verfahren (und auch andere, bei denen hochgiftige Stoffe zum Färben zum Einsatz gelangen) z.B. in der Türkei aber immer noch angewendet, wie die WDR-Sendung Markt herausfand – „Jeans mit Risiken“. Der „Segen“ der billigen globalisierten Produktion: die gefährliche Drecksarbeit machen andere und hierzulande sieht der Konsument nur die Glitzerfassade von Marketing und Modeindustrie.

(…) Das Sandstrahlen ist zwar seit über einem Jahr in der Türkei verboten, trotzdem sind solche Jeans weiter auf dem Markt. Sedat Kayas Gewerkschaft hat neue Hinweise. Vor wenigen Tagen hat ihn ein Arbeiter angerufen: „Wie er uns gesagt hat, ist hier immer noch eine Firma, die das Sandstrahlen benutzt, um Jeans zu bleichen. Wenn wir eine Möglichkeit haben, können wir vielleicht die Fabrik sehen. Aber ich kenne die Realität in meinem Land. Es wird sehr schwer sein, etwas Genaues zu sehen. Aber wie auch immer: Wir versuchen es.“

Der Wettbewerb auf dem Markt ist global und gnadenlos. So kostet eine Jeans aus Bangladesch bei der Einfuhr knapp fünf Euro, aus China um die sieben Euro und aus der Türkei knapp 15 Euro. Zudem gibt es in der Türkei eine Besonderheit: Die Aufträge werden immer weiter aufgeteilt. Ein Subunternehmer gibt den Auftrag an den nächsten. So sind die Zulieferer nur schwer zu kontrollieren. (…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
18
2010
4

Debakel und Etikettenschwindel in der Öko-Mode-Branche

© dnabil, stock.chng

Ich hoffe, keiner meiner Leser gibt sich dem Glauben hin, dass mit der Einführung von Bio-Siegeln und dem zunehmendem Verkauf entsprechend gelabelter Ware die bunte Warenwelt des nimmermüden Konsums mit einem Mal super und duper wäre. Natürlich („natürlich“ für unser profitmaximierendes Wirtschaftssystem) stürzen sich im Zuge des stetig wachsenden Ökomarktes auch immer mehr Unternehmen auf dieses Segment, denen es nur um den Umsatz und nicht um Nachhaltigkeit, Ökologie o.ä. geht – und leider wird in diesem Bereich auch viel getrickst und gemogelt. Nicht nur im Lebensmittel- und Konsumgüterbereich wird mit frei erfundenen Pseudo-Bio-Aufdrucken, die den Verbraucher einlullen sollen, hantiert (wie vor gut einem Jahr mal die Sendung Markt zeigte („Abzocke mit Bio-Labeln?“)), sondern auch die Modebranche tut sich hier unrühmlich hervor. Glocalist berichtete im Sommer in „Debakel und Etikettenschwindel in der Öko-Mode-Branche“ über entsprechend unerfreuliche Testergebnisse. Klar ist – selbst wenn ein Hemd bei H&M aus Biobaumwolle sein sollte, heißt das noch lange nicht, dass es auch unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wurde und zur Färbung etc. keine chemischen Stoffe Einsatz fanden (wie es leider sehr oft der Fall ist).

Wie schon mehrfach auf Glocalist kritisch hinterfragend berichtet (…) hat nun im aktuellen Testbericht vom Monat August der Stiftung Warentest weitere Bestätigung erfahren. Der Verbraucherdachverband vzbv in Berlin spricht von Etikettenschwindel und fordert harte gesetzliche Maßnahmen.

Eine gesetzliche Informationspflicht von Unternehmen zu den Umwelt- und Sozialstandards ihrer Produkte fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Denn viele Firmen im Textilhandel versprechen ihren Kunden mehr Umwelt- und Sozialverantwortung als sie einhalten. (…)

In der Untersuchung der Stiftung Warentest hatten besonders enttäuschend Hersteller von T-Shirts aus Bio-Baumwolle abgeschnitten. Gesamt wurden 20 Hersteller befragt. Der Skandal: Viele Hersteller haben den Testern von Stiftung Warentest den Zugang und die Informationen verweigert. Sie konnten nicht nachweisen, ob die Baumwolle tatsächlich biologisch hergestellt wurde. “Wer Bio auf ein Produkt schreibt, muss auch in der Lage sein, die Herkunft und Qualität nachzuweisen. Im Lebensmittelhandel wäre es den Unternehmen längst untersagt, ihre Ware weiter als biologisch auszuloben”, kritisiert Billen. (…)

Kritische Berichte zu Öko-Mode und Nachhaltigkeit auf Glocalist:

- Grüner Mode-Award mit Fragezeichen > bit.ly/dyqtVZ

- Betrug bei Bio-Zertifizierung von Baumwolle? > bit.ly/7oPAi9

- Bio-Baumwoll Schwindel > bit.ly/aklz2L

- Südwind-Studie zu “fairer Mode” > bit.ly/5bHlgu

- Textilien aus “Biobambus” > bit.ly/9tlDEP

- Outdoor-Mode nicht sozial gerecht > bit.ly/bdibv5

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
17
2010
18

Das McDonald’s Happy Meal Project – Unverrottbares Fastfood?

© Sally Davies

Mmmmh, lecker! Dass Junk-Food von McDoof & Co. nicht gesund ist, ist ja bekannt. Dass es seinen Geschmack primär durch Gewürze und Zucker erhält, auch. Dass ein Burger und die dazugehörigen Fritten jedoch offenbar so hergestellt werden, dass sie im Laufe der Zeit nicht verrotten oder verschimmeln wie richtige Lebensmittel, sondern sich quasi selbst ewig erhalten, ist schon ein starkes Stück. Herausgefunden hat dies die Amerikanerin Sally Davies mit ihrem „McDonald’s Happy Meal Project“, wie Yahoo in „McDonald’s Burger nicht biologisch abbaubar?“ zu berichten weiß:

(…) Insgesamt sechs Monate lang machte Sally Davies täglich ein Foto von den Speisen. Ihr Endergebnis: “Die einzige Veränderung, die ich erkennen kann, ist, dass sie hart wie Stein geworden sind”, berichtet sie der “Daily Mail”. Darüber hinaus habe sich ein Acrylfilm auf Burger und Pommes gebildet. Obwohl Sally Davies sich als Veganerin eigentlich vor ihrem Studienergebnis ekeln müsste, nimmt sie die ganze Sache mit Humor. “Wenn ich eine Fleischesserin wäre, würde mir bei diesem Anblick schon etwas anders werden”, gibt sie allerdings zu. (…)

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
16
2010
5
Okt
15
2010
7

Adbusters ruft auf zu einer „week of Carnivalesque Rebellion“ im November

Das kanadische (Internet-)Magazin Adbusters, das als eine zentrale Anlaufstelle für Culture Jammer und Adbuster dient und von Kalle Lasn, einem der Vordenker der „Bewegung“ mitgegründet wurde, ruft immer wieder Aktionen ins Leben, die sich gegen den Konsumismus unserer Tage wenden. So gibt es z.B. einmal im Jahr den (inzwischen in vielen Ländern der Welt initiierten) Buy Nothing Day, es gibt die TV-Turnoff- und Digital-Detox-Week, die die Menschen zum Überdenken ihrer Konsumgewohnheiten bewegen sollen. Dieses Jahr haben die Macher noch Größeres vor – sie wollen eine „Woche der karnevalartigen Rebellion“ starten, um dem Konsumkapitalismus ein Schnippchen zu schlagen. Ich übersetze Euch an dieser Stelle den (etwas vollmundigen bis größenwahnsinnigen) Einleitungstext sowie den Anfangsaufruf, der vor einer Weile veröffentlicht wurde – „Tactical Briefing #1“:

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Okt
14
2010
4

Die verdeckte PR im Boulevard

Dass Starrummel, VIP-Gedöns und Boulevard mehr oder weniger heiße Luft sind, zeigte die amüsante Dokumentation Starsuckers, die ich letzte Woche im Blog vorstellte (HIER). Der Boulevardjournalismus fördert auch die Durchkommerzialisierung der Medien und der Medienrezeption – „Stars“ werden mit Marken und Produkten verbunden, wenn sie nicht eh schon als eigene Marke fungieren. Das NDR-Magazin ZAPP zeigte in „Die verdeckte PR im Boulevard“, auf welche Weise als redaktionelle Beiträge getarnte PR-Filmchen, die gespickt sind mit Anspielungen auf Unternehmen, entstehen und in den Medien platziert werden. Wieder ein Grund mehr, sich von den Mainstreammedien fern zu halten.

Stars plaudern Privates sichtbar vor dem Logo einer Firma. Die zahlt, die Medien senden kostenfrei und die Filmproduktion gewinnt. Nur einer verliert: Der Journalismus.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes