Jul
31
2010
0

Radiotipps für den August

Der Sommer macht grad Pause und viele Leute Urlaub, dafür senden Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur unbeirrt weiter – hier ein paar interessante Sendungen, die im August auf uns warten. Weitere Infos auf der Internetseite www.dradio.de. (Danke an Wiebke von Attac Kiel für die Liste.)

DLR-K
Mo. 02.08.10  -  19:30 Uhr

Zeitfragen
Das politische Feature
“Arbeit macht das Leben süß?”
Über den Druck auf Angestellte und Freischaffende
Von Thomas Klug

DLR-K
Do. 05.08.10  -  13:07 Uhr

Länderreport
Motorisierte Monokultur
Das Autoland Saarland
Von Tonia Koch

DLR-K
Mo. 09.08.10  -  19:30 Uhr

Zeitfragen
Der Widerspenstigen Zähmung
Kann die Politik die Finanzmärkte kontrollieren?
Von Conrad Lay
Finanztransaktionssteuer oder Bankenabgabe – zur Zeit sind viele Vorschläge im Umlauf, wie die Politik auf die Finanzkrise reagieren und die Verursacher der Krise in die Schranken weisen sollte.
Aber kann die Politik die Banken kontrollieren? Und dienen die vorgeschlagenen Instrumente überhaupt diesem Ziel? Wie bei Shakespeare geht es auch bei der Zähmung der Banken um Schein und Sein, um Verkleidung, verstellte Identitäten und Rollenspiele.
Kann die Finanzwelt die Politik durch kluge Unterwürfigkeit wirkungsvoller beeinflussen als durch Widerspenstigkeit? Ist die Bankenabgabe nichts anderes als eine moderne Variante der klugen Unterwürfigkeit?

DLR-K
Di. 10.08.10  -  13:07 Uhr

Länderreport
Stadt, Land, Geld
Das finanzielle Leid der Kommunen – am Beispiel Niedersachsen
Von Susanne Schrammar
Wollen sie ihre Schulden in den Griff bekommen, müssen Bund, Länder und Kommunen ihre Ausgaben kürzen. Viele Kommunen jedoch fragen mittlerweile leicht genervt: wie denn noch?
Der Großteil der kommunalen Ausgaben geht auf Pflichtaufgaben zurück. Nicht alles haben die Kommunen selbst beschlossen.
Der Bund hat es ihnen aufgedrückt. Ein Beispiel: der Ausbau der Kinderbetreuung.
Das Prinzip: Wer bestellt, bezahlt gilt hier anscheinend nicht.
Der “Länderreport” wirft am Beispiel Niedersachsen einen Blick auf die finanziellen Beziehungen von Bund, Land und Kommunen und die Schwierigkeit, den Gürtel noch enger zu schnallen.

DLR-K
13:07 Uhr

Länderreport
“Ausverkauft und zugebaut … ”
Wie Privatisierungen und Bauprojekte unsere Landschaft verändern
Von Thilo Schmidt
Wohngebiete, Gewerbeprojekte und Autobahnen fressen sich täglich durch die Landschaft.
Bildlich gesprochen: Flächenfraß – bürokratisch ausgedrückt: Flächeninanspruchnahme.
Wie man es auch nennt: Rund 100 Hektar Land werden täglich zubetoniert.
Das will die Bundesregierung ändern – bis 2020 soll der Wert auf 30 ha sinken.
Umwelt- und Naturschutzorganisation begrüßen dies, beklagen jedoch, es gebe ein Umsetzungsproblem.
Der “Länderreport” schaut nach und besucht außerdem Mecklenburg-Vorpommern.
Dort sorgt sich mancher über eine andere Bedrohung der Landschaft: die Privatisierung von Seen.+

DLR-K
Mo. 16.08.10  -  19:30 Uhr

Zeitfragen
“Wir sind die Guten”
Wie Unternehmen sich und ihre Produkte ins rechte Licht rücken.
Von Martin Hartwig

DLR-K
Mo. 30.08.10  -  19:30 Uhr

Das politische Feature
Die Zukunft des Lernens – Schulreformen in Deutschland
Von Barbara Leitner
Mit dem Thema Schule werden inzwischen Wahlen gewonnen oder verloren.
Dahinter verbirgt sich eine neue Macht für Schulentwicklung: bildungsorientierte Eltern.
Da gibt es Mütter und Väter, die sich für das Modell der Gemeinschaftsschule stark machen, also längeres gemeinsames Lernen bevorzugen.
Andere starten Bürgerbegehren, um dafür zu sorgen, dass ihr Nachwuchs nicht mit den “Bildungsschmuddelkindern” lernen muss.
Ebenso wie manche Eltern allein ihr eigenes Kind sehen, schaut die Bildungsbürokratie nur auf die jeweiligen Landeskinder und zwingt den Bildungsdampfer – abhängig von der politischen Machtkonstellation – hin und her zu manövrieren.
Es gibt bundesweit Schulreformen und einige davon verdienen den Namen nicht, sind allenfalls Reaktionen auf den demografischen Wandel.
Doch es bewegt sich etwas, Schulen öffnen sich für neue Formen des Lernens.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Jul
30
2010
1

Wer mit der Angst der Menschen Profit macht / Hunger in Deutschland / Das Brokkoli-Patent

Längst sind es nicht nur vermeintlich spinnerte Ideen irgendwelcher Verschwörungstheoretiker, wenn man sich darüber Gedanken macht, wer eigentlich die Nutznießer von der konsequent geschürten Angst und Panik vor Pandemien, Terroristen usw. usf. sind. Eine richtige „Angst-Industrie“ ist entstanden, die vom Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen lebt und davon, dass Medien und Politik und auch Reklame immer neue Säue durchs Dorf treiben, die unser aller Leben angeblich bedrohen. Das gutsituierte Handelsblatt stellte sich in seiner Ausgabe vom 23. Juli ebenfalls dieser Frage – „Die Suche nach Sicherheit – Wer mit der Angst der Menschen Profit macht“. Der komplette Artikel lohnt sich:

Der Terror hat die Menschen ängstlicher gemacht. Sie verlangen nach mehr Sicherheit – beim Reisen, beim Essen, beim Geldanlegen. Für die Bevölkerung birgt die Angst nur Negatives – doch für den Markt wird sie zum neuen Milliardengeschäft. [...]

Experten schätzen den Sicherheitsmarkt schon heute auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. In mancher Hinsicht facht sich die Branche selbst an. Die technischen Möglichkeiten, Daten zu sammeln und zu speichern, sind in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gewachsen. Doch je größer der Datenberg, desto dringender die Not nach Analyse. Dabei geht es nicht nur um die Erkennung von Gesichtern auf einer Überwachungskamera. Data-Mining, wie es im Fachjargon heißt, umfasst die Auswertung von Bildern genauso wie jene von mitgeschnittenen Telefongesprächen, überwachten E-Mails oder die Erkennung von verdächtigen Abbuchungen. Data-Mining hat viele Anwendungen: Terrorbekämpfung, Aufspüren von Kreditkartenbetrügern oder gezielteres Marketing durch Auswertung von Datensätzen. [...]

Privatsoldaten sind die schillerndsten Mitarbeiter der Angst AG. Doch die Entstaatlichung des Gewaltmonopols hat viele Gesichter. In den USA etwa ist die Behausung von Straftätern längst keine hoheitliche Aufgabe mehr. Unternehmen wie die Corrections Corporation of America aus Nashville verwalten rund 80 000 Gefangene und bringen es auf einen Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. [...]

Um eine noch existenziellere Form der Angst ging es neulich auch beim MDR-Magazin Fakt – es zeigte, wie allen Jubelmeldungen von neoliberalen Wirtschaftlern wie dem INSM-nahen Ifo-Institut („Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune“) die Realität vieler Menschen hierzulande anders aussieht. „Hunger in Deutschland“. Auf der MDR-Website kann man sich den dazugehörigen Beitrag (derzeit noch) online anschauen:

In Deutschland sind elf Millionen Menschen von Armut bedroht. Tausende leben bereits am Existenzminimum. Dabei handelt es sich nicht nur um Obdachlose, sondern auch um Rentner, Witwer, Alleinstehende und Alleinerziehende. Für viele gehört der Hunger inzwischen zum Leben dazu. Und ihre Situation scheint aussichtslos. [...]

[...] Von Armut betroffen sind oft Menschen, die von Sozialleistungen leben. Nach Ansicht von Experten kann man mit den Regelsätzen für einen begrenzten Zeitraum auskommen, aber nicht auf Dauer. Doch anders als noch vor 20 Jahren ist Armut heute von langfristiger Natur. Das sagt Rudolf Martens, Wissenschaftler beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Er befürchtet, dass sich die Gesellschaft in Deutschland in Teilen auf amerikanische Verhältnisse zubewegt. [...]

© lockstockb, stock.xchng

Apropos Ernährung – es gibt ebenfalls Neues von der „Genfood-Front“: nach dem irrsinnigen Plan von Monsanto, sich Schweinefleisch patentieren zu lassen, ist nun der Brokkoli ins Visier der Großkonzerne gerückt. Der Blog „Ratlosigkeit und Katzen“ schreibt in „Das Brokkoli-Patent“:

[...] Ich weiß ja, dass es das gibt; aber, dass ein britischer Konzern meint, er hätte einen Patentanspruch auf stinknormalen Brokkoli, war mir neu.
„Ja ist es denn!“, knirschte ich schon wieder, diesmal beim Zerhacken der Frühlingszwiebeln, denn diese britischen Forscher, und mit ihnen Monsanto und die anderen bösen Riesen, meinten ein Patent stünde ihnen dann zu, wenn sie im Labor einfach und schlicht ein paar Gene des jeweiligen Gemüses oder Geflügels (denn auf Tiere kann auch ein Patent angemeldet werden) lokalisierten. Ein Vorgang, der in den Laboren heutigentags trivial ist. [...]

Der Deutschlandfunk brachte dazu eine eigene Sendung, in der u.a. Felix Löwenstein vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft zu Wort kommt:

„Also es ist meiner Ansicht, ohnehin problematisch, Patente auf Lebewesen zu erheben, auch auf gentechnisch veränderte. Und in Wirklichkeit ist es doch so, dass die Hauptmotivation ist, gentechnisch-veränderte Pflanzen herzustellen, dass man dann hinterher ein Patentschutz darauf haben kann. Was nun in den letzten paar Jahren passiert ist, ist, dass immer mehr Patente angemeldet werden auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere. Weil man ein Verfahren patentiert, dass irgendein Gen beschreibt und daraus leitet man dann weitreichende Ansprüche ab.“

Jibbet auch noch einen schönen Beitrag von quer zu dem Thema – „Wem gehört die Natur? Aufstand gegen Brokkoli-Patent“:

Das Brokkoli-Patent: Ein kleiner Schritt für das Patentamt, ein großer Schritt für die Menschheit? Wir von quer sind skeptisch. Kritiker warnen vor Monopol-Konzernen, die mit Hilfe von patentierten Zuchtverfahren die weltweite Lebensmittelindustrie kontrollieren könnten und damit, was bei uns auf den Tisch kommt und zu welchem Preis. Befürworter erwarten dagegen eine goldene Zukunft – und der Brokkoli zur Krebsprävention ist da erst der Anfang. Kommen bald Potenz fördernder Spargel, Schokokekse gegen Schlaganfall und Salami gegen Syphilis?

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Jul
29
2010
2

Reklame is(s)t Scheiße… Werbende Fernsehköche

Es gibt viele Dinge auf dieser Welt, die ich nicht verstehe. Warum die Banane krumm ist. Wieso Pur oder die Böhsen Onkelz zu den beliebtesten deustchen Bands gehören oder sowas wie Mario Barth den erfolgreichsten Comedian des Landes darstellt. Wieso jemand heutzutage FDP wählt oder beim Anblick eines SUV nicht in schallendes Lachen ob der peinlichen Hässlichkeit des Gefährts ausbricht. Wie man Sender wie RTL ertragen oder die BILD-„Zeitung“ lesen UND ernstnehmen kann. Genauso wenig will es mir in den Kopf, weshalb Prominente ihren Namen und ihre Visage für irgendwelche Produkte und dubiose Unternehmen hergeben und ihre ohnehin schon stattliche Kasse noch mit Reklameauftritten aufpeppen müssen. Für mich wäre eigentlich die einzige Motivation, berühmt zu werden, dass ich dann die ganzen dämlichen Marketingfuzzis von Media Markt, Coca Cola oder Nestlé hohnlachend in hohem Bogen auf die Straße werfen lassen könnte. :-)

In der Markt-Sendung im NDR ging es um eine besondere Spezies von Mietpromis – „Werbende Fernsehköche“. Das Perfide hieran ist, dass diese Herren wie Alfons Schuhbeck in ihren unseligen Kochshows das Hohelied auf natürliche Zutaten etc. pp. singen, sich dann aber nicht zu blöd sind, für popelige und mit künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern versehene Industrietütensuppen und Firmen wie Maggi (Nestlé!) zu werben und damit ihre eigenen im TV propagierten Ansprüche zu konterkarieren. Wie gesagt, es gibt so manches, was ich nicht verstehe – wie schaffen es diese Leute, Abends noch in den Spiegel zu gucken, ohne sich in Grund und Boden zu schämen? Wie rechtfertigen sie sich vor Freunden und Verwandten? Ist Geld wirklich alles bzw. lässt ein hübsches Sümmchen alle Skrupel vergessen?

In ihren Fernsehsendungen preisen Starköche frische Zutaten. Aber viele von ihnen werben für Fertigprodukte, die zum Teil auch Geschmacksverstärker beinhalten. Wie kann das sein?

NACHTRAG: Der Moustachio-Blog kommentiert diesen Sachverhalt ebenfalls zutreffend: „Ein perverses Paar: Fernsehen und Köche“:

(…) Als Koch, Gastronom, Ökotrophologe und Kulinarier schmerzt es mir sehr zu sehen, was heute in den Medien und in den Supermärkten passiert. Egal welchen Sender man im Fernsehen einschaltet, überall wird “gekocht” – bzw. es wird so getan, als würde man kochen. Alles ist aufregend, spannend, unterhaltsam,kurzweilig und geht ruckzuck. Am Ende wird auf jede erdenkliche Art und Weise bewertet und benotet und der Kochprozess und die Lebensmittel werden zu Gegenständen eines banalen Wettbewerbs degradiert. In anderen Formaten kommen die erhabenen “Profis” und “Tester” und hauen mal so richtig auf den Tisch und zeigen wie es denn richtig geht. Alles für den mental halbtoten Zuschauer in einem realitätsfernen Schwarz-Weiß dargestellt – vorher: alles schlecht, nachher: alles gut. Fertig. Das ist die Realität des Fernsehens. (…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Jul
28
2010
3

Heute Abend Konsumpf/Coast Is Clear live im Radio

Ich weiß nicht, ob Ihr’s wusstest, aber ich betreibe ja neben dem Konsumpf noch einen Indie-Musikblog namens Coast Is Clear, auf dem ich seit inzwischen fast 5 Jahren legale freie MP3s aus den Bereichen Indiepop, Shoegaze, Wave, Post-Punk, Twee, C86 uvm. vorstelle. Dies war auch einer der Gründe, wieso mich die Macher des Social Web Radios quu.fm baten, doch mal für ihre Sendung Shuffle die entsprechende Musik zusammenzustellen und mich auch ein wenig über meine beiden Blogs, über Konsumkritik und Reklame zu unterhalten. Das Ergebnis läuft heute (Mittwoch) ab 21 Uhr im Internetempfänger Eurer Wahl. :-) Einfach auf die Website von quu.fm gehen und los geht’s.

EDIT: Wer’s heute verpasst hat, kann am Samstag um 18 Uhr und um Sonntag um 13 Uhr noch einmal seine Gehörgänge auffrischen lassen, denn dann wird die Sendung wiederholt.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Kommentare: 3 | Radiotipp | Schlagwörter: , , , |
Jul
27
2010
1

Fernsehtipp 2: Let’s make money

Meine Güte, wenn alle in den Ferien sind, haut das Fernsehen ja plötzlich die Perlen raus! In der ARD läuft heute um 22:45 Uhr „Let’s make money“, die preisgekrönte und aufrüttelnde Dokumentation über unsere globalisierte Wirtschaft. Sehenswert!

Let’s Make Money – machen wir Geld (heute, 22:45 Uhr, ARD)

Doku. Erwin Wagenhofer (“We Feed the World”) liefert eine erhellende Analyse unseres kranken, neoliberalen Finanzsystems

“Wie entstehen Finanzmetropolen und Steueroasen? Warum entwickelte sich an Spaniens Küsten eine bedrohliche Immobilienblase? Wieso bleiben Länder wie Ghana oder Burkina Faso arm? Wer profitiert von Indiens Steuereinnahmen? Und was hat das alles mit unserer Altersvorsorge zu tun? Globale Finanzströme sind undurchsichtig, aber Erwin Wagenhofer gelingt das Kunststück, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen. Seine brillant fotografierte und montierte Doku bezieht eine klare Position, verzichtet aber auf Agita–tion à la Michael Moore. Dafür entlarven sich seine hochkarätigen Interviewpartner selbst, z. B. Fondsmanager Mark Mobius: “Der Investor hat sich um ethische Fragen nicht zu kümmern.”

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Jul
27
2010
0

Veranstaltungstipp für Kiel: Peak Oil – was bedeutet das für uns?

Und gleich noch ein Tipp für heute Abend (von wegen “Sommerloch”!), für alle, die in Kiel und Umgebung wohnen:

Peak Oil – was bedeutet das für uns?
Di. 27. Juli, 19:30 Uhr, in der Pumpe, Gruppenraum 2
Veranstaltung zu dem Thema Peak Oil, zu deutsch Ölfördermaximum. Nach einer kurzen Einführung mit Hilfe von Kurzfilmen werden wir zusammen wichtige Punkte sammeln und diese in Kleingruppen diskutieren.

Uns allen dürfte in den letzten Monaten klar geworden sein, dass der genaue Zeitpunkt des Erdölfördermaximums nicht entscheidend ist. Viel wichtiger ist, dass neue Erdölvorkommen nur noch mit erheblichem technischen Aufwand bei immensen Umweltschäden (z.B. Ölsande) oder Gefahren (z.B. Tiefseebohrung) zu erschließen sind. Parallel dazu wächst die Gier der Menschheit nach Öl.

Was diese Entwicklung für uns bedeutet, welche Konsequenzen jeder Einzelne daraus ziehen möchte, was für Chancen ein Wegkommen vom Öl bedeutet, ist ein Kernthema der Transition Town Bewegung.

Veranstalter: Kiel im Wandel / Transition Town Kiel
www.kielimwandel.de

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Kommentare: 0 | Aktionen,Wirtschaft | Schlagwörter: , , , , |
Jul
27
2010
1

Fernsehtipp: Gift – Unser tägliches Risiko – Arte ab 20:15 Uhr

Heute gibt es auf Arte mal wieder einen interessanten Themenabend, der sich mit den Folgen und Nebenprodukten unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft sowie dem Hang und Drang zu möglichst billiger Güterproduktion beschäftigt: dem Gift, das viele der Produkte, die wir jeden Tag benutzen, innewohnt. Dürfte sich lohnen! Von 21:30–22:00 Uhr zeigt der Sender dann auch noch mal eine Sendung über Prof. Braungarts Cradle-to-Cradle-Prinzip.

Gift – Unser tägliches Risiko
Täglich werden die Verbraucher mit einer Vielzahl von Giften konfrontiert, sei es in Lebensmitteln, in Textilien, in Spielzeug oder Möbeln. Trotz aller Verbote, Grenzwerte und Kontrollen gibt es keinen ausreichenden Schutz, denn immer neue Giftstoffe gelangen auf den Markt, deren Nachweis immer schwieriger wird. Der Themenabend zeigt zum einen die Gefährlichkeit gebräuchlicher Giftstoffe auf, präsentiert zum anderen aber auch Möglichkeiten, ein Leben ohne Gifte zu führen

Dienstag, 27. Juli 2010 ab 20.15 Uhr

20:15 Uhr: „Schick, aber schädlich“ – Immer wieder finden sich Spuren gesundheitsschädlicher Stoffe in Kleidung und Schuhen. Von Kopf bis Fuß ist man von giftigen Substanzen umgeben. Die Ursachen liegen im globalen Handel, im enormen Preisdruck und einer Modewelt, die sich jeder staatlichen Kontrolle entzieht. Die Dokumentation ist den Spuren der Gifte gefolgt.

21:00 Uhr: „Hauptsache haltbar“ – Weltweit kann der Verbraucher überall die gleichen Produkte kaufen, lange haltbar, weil luftdicht verpackt. Doch diese Verpackungen haben es in sich: das Gift, das in die umhüllten Lebensmittel eindringt und zu schwerwiegenden Erkrankungen führen kann. Die europäischen Kontrolleinrichtungen scheinen machtlos dagegen zu sein. Die Dokumentation deckt die Hintergründe für mangelnde Kontrollen, Lobbyismus in Brüssel und nicht funktionierenden Verbraucherschutz auf.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Kommentare: 1 | Fernsehen,Gesundheit,Wirtschaft | Schlagwörter: , , , , |
Jul
26
2010
1

Leben im Web 2.0 und Apple & der Datenschutz

Das Adbusters Magazin ruft ja jährlich zur Digital Detox Week auf und wirbt damit für eine Woche ohne digitale Gadgets, um die Abhängigkeit, die viele von uns mittlerweile von technischen Geräten haben, aufzuzeigen. Mich selbst, der ich auch jeden Tag stundenlang vorm Rechner hänge, beschleicht auch bereits seit Jahren ein ungutes Gefühl, wenn ich sehe, wie sehr manche Menschen mittlerweile von Handys und ähnlichen Sachen geworden sind oder fast schon zwanghaft überall Mails checken, Twitter- und Facebookacounts aktualisieren u.a. Denn dass solche Entwicklungen nicht ohne Auswirkungen für die Psyche des Einzelnen wie auch die Gesellschaft bleibe, ist eigentlich klar. Ich will damit keiner rückwärtsgewandten Technikfeindlichkeit das Wort reden – schließlich betreibe ich ja selbst mehrere Blogs & Websites –, dennoch empfinde ich ein diffuses Unbehagen, je mehr sich die Leute von der Technik abhängig machen.

So, wie es in der dreiteiligen Reihe „Leben 2.0 – Mobile Zukunft“ im WDR dargestellt wird, möchte ich, wenn ich ganz ehrlich bin, eigentlich nicht wirklich leben… (falls keine Videos zu sehen sind (zB weil Ihr noch den Internet Explorer benutzt), bitte hier entlang: Teil 1, Teil 2, Teil 3):

Teil I:

Teil II (ja, gleiches Vorschaubild, aber anderer Beitrag!):

Teil III (ja, nochmal gleiches Vorschaubild, aber anderer Beitrag!):

Mit meinem Unbehagen bin ich nicht allein, wie der jüngste ironische „quer-Schläger“ in der BR-Sendung quer verdeutlicht – „Früher wusste Gott alles und heute Steve Jobs“:

Übrigens bezieht sich Christoph Süß auf die neueste Meldung zum Thema Apple und der (Nicht-)Datenschutz – „Apple greift iPhone-Standortdaten ab“. Nicht nur Google oder Microsoft wollen alles über ihre Kunden wissen…

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Jul
25
2010
1

Aktuelle Protestaktion: Deutsche Massentierhaltung bedroht Südamerikas Regenwald

Die Zahl der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren oder zumindest Biofleisch essen, nimmt eigentlich zu. Dachte ich jedenfalls. Dennoch gibt es europaweit wahnwitzige Pläne, immer größere Fleischfabriken in die Landschaft zu pflanzen, damit Industriefleisch noch billiger wird. Zum Schaden der Tiere, der Natur und letzten Endes auch der Menschen. Regenwald.org ruft deshalb zum Widerstand gegen ein neues Projekt einer Geflügelschlachtanlage in Niedersachsen auf – bitte alle mitmachen und weitersagen!

——————-

Was hat eine für den Tourismus erschlossene Region und besonders schützenswerte Naturlandschaft der Südheide mit der größten Geflügelschlachterei Europas zu tun? Und warum führt die blutige Spur bis in die Regenwaldgebiete Südamerikas?

In der beschaulichen niedersächsischen Gemeinde Wietze bei Celle soll Europas größte Anlage zur Schlachtung von Geflügel entstehen. Im Sekundentakt sollen hier hochgezüchtete Hühner massenhaft getötet werden – 135 Millionen Tiere pro Jahr! Der Investor der Anlage, Franz-Josef Rothkötter, ist kein unbeschriebenes Blatt. Bereits im Emsland betreibt er Mast- und Schlachtbetriebe in ähnlichen Dimensionen. Der unter dem Namen Emsland Frischgeflügel GmbH firmierende Großschlachtbetrieb hat zusammen mit Mitbewerbern eine ganze Region in Agrarland verwandelt und findet nun in Wietze nahe den Flussauen von Aller und Leine ideale Bedingungen für seine Expansionspläne vor. Zudem hat die niedersächsische Landesregierung Stimmung gemacht und einheitlich das Bauvorhaben begrüßt. So käme dringend benötigtes Geld in die Kassen der Gemeinden, zudem würden neue Arbeitsplätze entstehen. Das Gewerbeaufsichtsamt hat in letzter Instanz die erforderliche Genehmigung erteilt.

Seitdem ist das Gelände, auf dem der Megabau entstehen soll, hart umkämpft. Es werden alle Register gezogen, auch aus den Reihen der Gegner der Tierfabrik. Ihr Vorwurf: Hier segelt unter falscher Flagge ein großes Industrieunternehmen, das vorgibt, in Sachen Umweltschutz und artgerechter Tierhaltung vorbildlich zu produzieren. Rothkötter präsentiert sich in seiner Hochglanzbroschüre als engagiertes Vorzeigeunternehmen. Tatsächlich ist der vorgesehene Megaschlachtbetrieb für den deutschen Markt völlig überdimensioniert. Eine entsprechende Überproduktion an Schlachtgut ist aber vorgesehen und ein willkommenes Vehikel, um den Export in das Europäische Ausland anzukurbeln. Ein industrieller Fleischproduktionsbetrieb mit solchen Ausmaßen geht immer einher mit Tierquälerei, Umweltzerstörung und Konflikten mit der Bevölkerung aus ethischen und sozialen Gründen.

Die Lust auf Fleisch kostet einen hohen Preis: Bereits heute entfällt mehr als die Hälfte des weltweit verfügbaren Ackerlandes auf die Tierzucht. Für jedes Kilogramm Geflügel müssen zwei Kilogramm Getreide und Soja geopfert werden. Wenn man weitere Faktoren wie Wasserverbrauch und ungenutzte Abfälle einrechnet, so ergibt sich eine vernichtende Energiebilanz: 20 Kilogramm an pflanzlicher Masse ist nötig, um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen. Jedes Jahr werden weltweit rund 700 Millionen Tonnen Getreide und Soja an Nutztiere verfüttert. Das ist mehr, als ein Drittel des Weltgetreideverbrauchs. Je mehr Tiere aber mit dem Menschen um Getreide und Soja konkurrieren, desto höher steigt der Preis für die Nutzpflanzen – die Armen können sich dann nicht einmal mehr die pflanzliche Nahrung leisten.

Vor allem der Sojaanbau für die Tierfutterindustrie birgt verheerende Probleme. In den Ländern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay führt der Anbau der Nutzpflanze immer zu Menschenrechts- und Landrechtsverletzungen und zur Vertreibung von Urvölkern in Folge von Übergriffen durch Konzerne, die sich große Landstriche zur Bebauung unrechtmäßig aneignen. Menschen hungern, weil ihre Nahrungsmittel in Industrieländer exportiert werden als Futtermittel für unser Vieh. Und um die Ackerflächen für den Anbau von Nutzpflanzen wie Soja zu schaffen, werden in Südamerika die artenreichen Urwaldwald- und Savannengebiete gerodet. Dies führt zur Zerstörung von ursprünglichstem Lebensraum der Urvölker, zum Artensterben und in letzter Konsequenz zu massiven Klimaveränderungen weltweit (siehe Regenwald Report Nr. 01/2009).

Noch kann der Bau der größten Geflügelgroßschlachterei Europas verhindert werden. Denn einige Entscheidungen bis zum ersten Spatenstich für die Anlage stehen noch aus. So bleibt vor allem die Frage zur Wasserversorgung von täglich 3.300 Kubikmetern vollkommen ungeklärt. Und solange der Bau solcher Großbetriebe weiterhin aus Mitteln der EU subventioniert wird, damit diese ihre Massengüter billig auf den Markt bringen können, werden Tiere wie leblose Rohstoffe behandelt. Wir stehen am Beginn einer Entwicklung, die jetzt aufgehalten werden muss. Fordern Sie die Gemeinderäte, die Regierungsvertreter und die Vertreter im Europäischen Parlament in Brüssel auf, die Ausweitung von Tiermast- und Großschlachtereien hin zur industriellen Landwirtschaft in Deutschland zu verhindern.

Die ZDF-Sendung „Frontal 21” beleuchtet voraussichtlich am Dienstag, 27. Juli, um 21:00 Uhr die Problematik um den geplanten Großbetrieb.

Bitte nehmen Sie an unserer aktuellen Protestaktion teil:
http://www.regenwald.org

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Jul
23
2010
8

Nie mehr Müll – Leben ohne Abfall

Eines der vielen Problem unseres auf Verschwendung und Konsum aufbauenden Wirtschaftssystems liegt bekanntlich im Ressourcenverbrauch und dem Anfallk von Müll und Gift als Beiwerk der Produktion. Darüber, wie dies auch anders gehen muss, macht sich Prof. Dr. Michael Braungart im Rahmen seines Cradle-to-Cradle-Konzepts seit vielen Jahren Gedanken. Er plädiert für einen grundlegend anderen Ansatz beim Umgang mit Rohstoffen – es gibt keinen Abfall mehr,  sondern alles wird einer Wiederverwertung, einer Kreislaufwirtschaft zugeführt. Teppiche, die die Luft reinigen statt sie mit Giften zu belasten, Häuser, die ihre eigene Energie erzeugen und CO2 aus der Atmosphäre binden, dies alles sind Teile seiner Vision, die mittlerweile von immer mehr Firmen umgesetzt wird. Neben dem Umweltaspekt ist für diese Unternehmen vor allem der wirtschaftlcihe Aspekt von Belang, da diese neuen Materialien und Produktionsprozesse letztlich günstiger sind, weil man sich keine Gedanken mehr über Müll- und Schadstoffentsorgung machen muss. Siehe dazu z.B. meinen Beitrag aus dem Jahre 2009: „Prof. Dr. Michael Braungart über Nachhaltigkeit und Cradle-to-Cradle“ bzw. die Erläuterungen von Braungarts EPEA GmbH:

Cradle to Cradle® kennt – wie die Natur – keinen Abfall, keinen Verzicht und keine Einschränkungen. Über biologische und technische Nährstoffkreisläufe werden die richtigen Materialien zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt. Am Ende steht immer eine bessere Qualität.

Die Produktionsweise „Von der Wiege zur Wiege“ (Cradle to Cradle) steht hierbei im direkten Gegensatz zu dem Modell „Von der Wiege zur Bahre“ (Cradle to Grave), in dem Materialströme häufig ohne Rücksicht auf Ressourcenerhaltung errichtet werden. Anstatt die linearen Stoffströme heutiger Produkte und Produktionsweisen zu verringern, sieht das Cradle to Cradle®-Design Konzept deren Umgestaltung in zyklische Nährstoffkreisläufe vor, so dass einmal geschöpfte Werte für Mensch und Umwelt erhalten bleiben.

Der WDR brachte im Februar eine hochinteressante Dokumentation mit dem Titel „Nie mehr Müll – leben ohne Abfall“, die Cradle-to-Cradle und den aktuellen Stand der Umsetzung dieser Ideen darstellt [via Lilly Green]:

Teppiche, Möbel, Kleidung, Farben, Kühlschränke, Elektro-Geräte und sogar Fenster sind nach den neuen Herstellungsmethoden in den letzten Jahren entstanden. Michael Braungart ist in der Industrie ein gefragter Berater. Gerade weil dort gesehen wird, wie sehr sich die Rohstoffpreise verteuern und wie groß die Abhängigkeit von Staaten wie China und Indien ist. Sie wollen möglichst viele Rohstoffe, wie z.B. Kupfer wiederverwerten. Bisher verschwindet davon immer noch ein großer Teil in den Müllverbrennungsanlagen.

die story zeigt, was cradle to cradle will. Sie folgt den Spuren von Michael Braungart, der weltweit bei vielen Projekten engagiert ist, und sie beschreibt die Schwierigkeiten auf die cradle to cradle bei deutschen Politikern trifft.

Nie mehr Müll – Leben ohne Abfall from Lilli Green on Vimeo.

So faszinierend dieses Konzept auch ist, so verdeutlicht die Doku jedoch nicht zuletzt aber auch ein Problem, das wohl nicht nur ich mit Braungarts Auftreten habe: er wirkt so wie all jene Ingenieure, die seit Jahrzehnten daran glauben, dass man mit technischem Fortschritt alleine alle Probleme der Welt lösen könne. Denn Rohstoffverschwendung und Gifterzeugung sind nur ein Teil des Sorgenpakets, dass der Kapitalismus uns allen aufbürdet. Die soziale Komponente, die Gefahren, die durch die stetig wachsende Marktmacht einiger weniger Unternehmen ausgelöst werden, ebenso die psychologischen/monetären Nachteile des Konsumismus, all dies wird bei Braungart scheinbar ausgeblendet – solange die Produktionsmaterialien nur einen Kreislauf bilden, sei alles gut. Natürlich ist das etwas verkürzt und auch etwas gemein von mir formuliert, aber dennoch denke ich, dass C2C nur ein Teil von möglichen Zukunftskonzepten sein kann – die Überwindung des auf Kommerz und Profitmaximierung ausgerichteten wirtschaftlichen Strebens und Lebens ist aber nicht minder wichtig. So sieht es auch ein Kommentator im eben erwähnten Lilly Green-Blog:

[...] Die Aussage, dass eine Beschränkung des Konsums durch Cardle to Cradle unnötig sei, ist zudem schlicht falsch. Auf einem begrenzten Planeten ist per Definition auch die Menge der in Kreisläufen nutzbaren Ressourcen begrenzt.

Darüber hinaus vernachlässigt Braungart bei seinen Vorzeigeprojekten oft die Rohstoffgewinnung und fokussiert dafür auf die Nachnutzungsphase. Ein verlustfrei recyclingfähiger Erdöl-Kunststoff stellt bei der Erdölförderung noch immer eine starke Umweltbeeinträchtigung dar und sollte daher nicht in größeren Mengen als unbedingt nötig hergestellt werden. [...]

[...] Dass “Cradle to Cradle” in Deutschland nicht unhinterfragt gehypt wird, finde ich sehr beruhigend. Durch die von Braungart gerne als miesepetrig und rückwertsgewand gescholtene Umweltbewegung ist hier einfach bei vielen Akteuren ein Wissen vorhanden, dass die blinden Flecken in Braungarts Darstellungen entlarvt und den Neuheitswert seines Konzepts relativiert. [...]

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes