Aug
31
2009
3

Vieles von dem, was Werbetreibende tun, ist eine Verletzung der Privatsphäre

empty_signDas Thema (Anti-)Werbung bzw. der Widerstand gegen die um sich greifende Kommerzialisierung unseres kompletten Lebens ist ja bekanntlich eines der Kernthemen meines Blogs und beschäftigt mich ohnehin schon seit vielen Jahren. Und so freue ich mich, wenn ich in den Weiten des Netzes auf immer mehr Hinweise darauf stoße, dass dieses Problem des ausufernden Marketings – das auch in direkter Wechselwirkung steht zum ewigen Wachstumszwang der Wirtschaft, das unserem System zugrunde liegt – weltweit nach und nach ins Bewusstsein sickert. So fand ich neulich einen Artikel aus dem Jahre 2004, der in der amerikanischen Werber-Zeitschrift Advertising Age veröffentlicht wurde: Much of what advertisers are doing is an invasion of privacy – immerhin tauchen solch kritische Gedanken damit auch in Marketingkreisen (vereinzelt) auf. Wie gewohnt übersetze ich den Artikel für Euch, da ich ihn für sehr nett halte, auch wenn er sich in seiner Wortwahl etc. halt direkt an Marketingtreibende – die Leser dieses Magazins – richtet und deswegen z.B. den generellen Sinn von Reklame, also die Ankurbelung von (unnötigem) Konsum, nicht in Frage stellt.


Vieles von dem, was Werbetreibende tun, ist eine Verletzung der Privatsphäre
Warum die öffentliche Stimmung gegen rücksichtslos bedrängendes Marketing immer weiter steigt
Advertising Age 26. April 2004, Gary Ruskin

Gary Ruskin ist der Leiter der Non-Profit-Organisation Commercial Alert. Die in Portland beheimatete Gruppe zur Beobachtung/Überwachung von Marketing wurde 1998 von Ruskin und dem Verbraucherschützer Ralph Nader gegründet.
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In den USA und quer über den gesamten Erdball gibt es eine Vielzahl von Anzeichen einer wachsenden Revolte gegen die Werbeindustrie. Umfragen zeigen eine steigende Ablehnung dieser Industrie und ihrer aggressiven Taktiken. Einer neuen Umfrage von Yankelovich Partners zufolge sagen 65% der Amerikaner, dass sie „permanent mit zu viel Werbung bombardiert werden”; 61% denken, dass die Menge an Werbung und Marketing, der sie ausgesetzt sind, „außer Kontrolle geraten ist“; 60% berichten, dass ihre Einstellungen zur Reklame „erheblich negativer sind als noch einige Jahre zuvor“.

Öffentliche Proteste

Als Antwort auf die Abscheu der Fans darüber, dass San Francisco die Namensrechte an seinem Baseballstadion verkauft hatte, beschloss der Stadtrat, es wieder in Candlestick Park zurück zu benennen, womit es das erste Profistadion ist, das seinen alten Namen aufgrund von Protesten zurückerhält. In Denver war Bürgermeister John Hickenhooper der führende Gegner der Entscheidung, die Namensrechte des Mile High-Stadiums zu verkaufen. Das Platzieren von Werbung auf der Kleidung und den Helmen der Baseballprofis löste in diesem Monat eine Flut an negativen Berichterstattungen sowie einen Brief eines US-Senators und ein New York-Times-Editorial aus.

Werbetreibende werden in Massen aus den Schulen verbannt. Channel One, der Serviceanbieter für Werbung in Schulen, wurde letztes Schuljahr aus Nashville entfernt und wird demnächst aus Seattle herausgeworfen. Neue Beschränkungen für Reklame oder Verkauf von Soft Drinks und Junkfood in Schulen wurde z.B. in Kalifornien, Texas, New York City und Philadelphia beschlossen.

Mächtige Gegner

Dies sind nur einige Beispiele, ich könnte noch viele mehr anführen. Fakt ist, dass die Werbeindustrie sich eine gewaltige Gruppe an Gegnern heranzüchtet. Es täte der Industrie gut, darüber nachzudenken, warum dies geschieht. Der Hauptgrund, vermute ich, ist, dass diese Industrie keine Grenzen oder Beschränkungen anerkennt. Es gibt praktisch keinen Ort, an dem die Werber keine Reklame platzieren würden. Viele Amerikaner akzeptieren Werbung zwar als einen Teil des „Lebensspektakels“, aber die Werbeindustrie scheint in einer Todesspirale aus mangelndem Respekt zu stecken. In ihrem verzweifelten Kampf, die Aufmerksamkeit von potentiellen Kunden zu erhaschen, erfindet die Industrie praktisch jede Woche eine neue aufdringliche Methode – bis die Bürger alle in den Wahnsinn getrieben werden durch die ganzen Plakate, Product Placements, Spamfaxe, Pop-Up-Fenster und den ganzen anderen Kram.

Was den Spruch „Der Kunde ist König“ angeht – nun, niemand belästigt einen wirklichen König.

Mangel an Respekt

Die implizite Botschaft, die die Werber aussenden, ist eine komplette Ignoranz in Bezug auf unsere Zeit, unsere Privatsphäre, unseren klaren Kopf („peace of mind“) und nicht zuletzt in Bezug auf unsere Sorge um unsere Kinder, „Deine Aufmerksamkeit gehört mir“, sagt die Industrie indirekt. „Wir widmen uns ihr die ganze Zeit.“ Dieser implizite Mangel an Respekt vor den Konsumenten beginnt die expliziten Botschaften zu überlagern, die jeder Werbetreibende rüberzubringen versucht.

Der Mangel an Respekt dieser Industrie wird deutlich in der Verbreitung von aufgezwungener Werbung. Wenn Reklame beliebt wäre, wieso zwingt uns die Industrie dann, sie zu sehen? Aber sie tut es; die Industrie macht sich die „gefangenen“ Zuschauer in u.a. Schulen, Universitäten, Kinos, Flughäfen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Tankstellen und Arztpraxen zunutze. Noch schlimmer ist die Missachtung der Industrie für unsere Gesundheit und die unserer Kinder. Amerikanische Kinder leiden unter einer Vielzahl von mit Marketing zusammenhängenden Krankheiten, so wie Fettleibigkeit und Typ 2-Diabetes, während Millionen von Kindern durch die Werbung für Zigaretten sterben werden, wenn sie älter sind. Dennoch verneint die Industrie jegliche Verantwortung für die nachlassende Gesundheit unserer Jugend und die Aussicht, dass unsere Kinder eine kürzere Lebensspanne haben werden als wir.

Weltweit hat die Werbeindustrie eine mächtige Gegenreaktion in Bezug auf ihren Einfluss auf die öffentliche Gesundheit ausgelöst. Letztes Jahr hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die „Framework Convention on Tobacco Control“ beschlossen, die Werbung für Tabakprodukte in den Ländern verbietet, deren Verfassung sie erlauben. Hunderte Gesundheitsorganisationen, Wissenschaftler und Politiker auf der ganzen Welt haben sich für den Vorschlag eines weltweiten Verbots von Werbung für ungesunde Nahrung, die sich an Kinder & Jugendliche richtet, ausgesprochen

Korrumpierung bürgerlicher Einrichtungen

Und dann ist da die Korrumpierung öffentlicher Einrichtung, wie Stadtverwaltungen, Schulen und Polizei. Coca-Cola hat einen Marketing-Vertrag mit Huntington Beach und East Lansing geschlossen, während PepsiCo Verträge mit San Diego und Fresno hat. Die Schulen sind gespickt mit Werbung. Genauso wie unsere Postämter. Eine Firma hat sogar versucht, Reklame auf Polizeiautos durchzusetzen. Unsere öffentlichen Einrichtungen sehen immer mehr wie der kommerzielle Pfand in einer Banenenrepublik aus.

Wir Amerikaner sind ein toleranter Haufen, aber es gibt eine Grenze für das Maß an Ärger und Beleidigung, die wir hinnehmen.

Fazit: wenn Ihr Geringschätzung für uns Bürger habt, so haben wir für Euch ebenfalls nur Verachtung. Das Resultat dieser gegenseitigen Missachtung wird in Gerichten und Gesetzgebungen in den nächsten Jahrzehnten entschieden werden, aber die wachsende Aufdringlichkeit und Unbeliebtheit der Werbeindustrie lässt keine großen Hoffnungen auf deren Überlebenschancen aufkommen.

Gegenseitige Missachtung ist schlecht fürs Geschäft. Aber sie könnte zurückgedreht werden. Ihr könntet mit ein wenig Selbst-Beschränkung beginnen.

Richtlinienentscheidungen

Dieses Land hungert nach Entscheidungen für strengere Richtlinien im Werbebereich. Wenn Werber im allgemeinen Lärm auffallen wollen, sollten sie kommerzielles „unerlaubtes Betreten“ beenden. Sorgt dafür, dass Ihr uns respektiert, und unsere öffentlichen Einrichtungen, unsere Kinder, nichtkommerzielle Kultur, Gesundheit und öffentliche Plätze. Dann handelt entsprechend. Dies würde Werbung weniger belästigend und vermutlich auch effektiver machen.

Wenn Ihr keine Verantwortung für Euer eigenes Tun übernehmt, seid nicht überrascht, wenn die Bürger Linderung verlangen. Zum Beispiel: Maßnahmen dagegen, dass jemand dazu gezwungen wird, Reklame zu schauen; das Verbot von Anzeigen, die die Verbreitung von Marketing-bezogenen Krankheiten fördern; keine Werbung für Kinder unter 12 Jahren; und keine Verwandlung von Verwaltungen, Schulen und öffentlichen Plätzen in Werbeflächen.

Es ist besser für die Industrie, freiwillig zu handeln. Ansonsten werden verärgerte Bürger nach langem Gerichtsstreit sich von der kommerziellen Beschallung befreien und sie durch das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, ersetzen.

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Aug
30
2009
0

Radiotipps für September

radio_isolated_on_white_with_clipping_path1Nachdem die Rubrik Radiotipps letztes Mal ja so gut angekommen ist, hier wieder eine Vorschau auf das, was uns an interessanten Sendungen im September erwartet (DLR ist dabei Deutschlandradio, DLF Deutschlandfunk, DLR-K Deutschlandradio Kultur). Wie ich auch letztes Mal schon schrieb, scheinen diese Sender die letzten Refugien für kritische Gedanken geworden zu sein, nachdem im Fernsehen nur noch die Spaßgesellschaft bzw. der Kommerz regiert. Besonders interessant erscheint mir dabei die Sendung am 21.9. „Die Stylisten der Macht – Wie Politik im Zeitalter der Mediendemokratie inszeniert wird“. Übrigens stammt die Zusammenstellung originär nicht von mir, sondern von Wiebke von Attac Kiel – vielen Dank!

DLF
Di. 01.09.2009 · 19:15 Uhr
“Ich kämpfe bis zum Schluss”
Der Streit um die Braunkohle in der Lausitz

Von Charly Kowalczyk
“Das Eis in Grönland und Antarktis schmilzt schneller als erwartet”, die Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen schlägt Alarm. Solche Meldungen werden in Brandenburg, dem Bundesland mit dem größten Pro-Kopf-Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen, auf besondere Art wahrgenommen.
Vor dem Mauerfall arbeiteten im Lausitzer Revier 75.000 Menschen im Bergbau. Heute, 20 Jahre später, sind es kaum 5000. Ihre Arbeitsplätze sollen jetzt langfristig gesichert werden. Brandenburgs Landesregierung und der schwedische Energieriese Vattenfall wollen auch nach 2050 weiter Kohle fördern.
Drei Dörfer müssten für den Tagebau weichen. Die Sorge um den Klimaschutz und um den Verlust ihrer Heimat treiben viele Bewohner auf die Barrikaden. Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler dagegen setzen auf CO2-freie Kohlekraftwerke. Eine Illusion oder eine vernünftige Perspektive? Die Lausitz ist gespalten, zwischen denen, die ihre Heimat und denen, die ihren Arbeitsplatz verteidigen, zwischen Umweltschützern und Kohlebefürwortern.

DLF
Sa. 05.09.2009 · 11:05 Uhr
Wächter der Festung Europa

Die Grenzschutzagentur Frontex
Mit Reportagen von Florian Kellermann, Christoph Prößl und Karl Hoffmann
Die einen sehen sie als Bekenntnis für eine gemeinsame und planvolle EU-Migrationspolitik. Die anderen kritisieren sie als “Handlanger der mörderischen Abschottungspolitik” der Europäischen Union. Die Rede ist von Frontex, der europäischen Grenzschutzagentur. Gegründet wurde die EU-Behörde im Oktober 2005 als Antwort auf den Ansturm zehntausender illegaler Einwanderer, die an den europäischen Mittelmeerküsten strandeten.
Die Aufgaben der Agentur mit Sitz in Warschau war von Beginn an umstritten. Sie soll illegale Migration eindämmen und hat doch wenig Handlungsspielraum. Denn Einwanderungspolitik ist ein heikles Terrain und immer noch Sache der Mitgliedsstaaten. Von einer gemeinsamen Migrations- und Asylpolitik ist die Europäische Union weit entfernt. An vielen EU-Außengrenzen herrscht derweil längst der dauerhafte Ausnahmezustand: Kriminelle Schleuser haben die Frontex-Patrouillen vor den europäischen Küsten in ihr Kalkül einbezogen. Und sie suchen sich immer neue Fluchtrouten.

DLF
So. 06.09.2009 · 16:30 Uhr
Riskant, weil komplex
Was Kernkraftwerke, das Finanzwesen und der Verkehr der Zukunft gemein haben

Von Bernd Schuh
Als am 1. Juli 2002 bei Überlingen eine europäische Frachtmaschine und eine russische Passagiermaschine kollidierten, war das auch ein Crash unterschiedlicher Systemphilosophien. Nicht der politischen wohlgemerkt, sondern der technischen Steuerungssysteme. Eine hierarchisch organisierte Fluglotsensteuerung traf auf verteilte maschinelle Intelligenz.
Für Techniksoziologen illustriert das Beispiel: Mit dem Komplexitätsgrad eines Systems steigt auch das Risiko für folgenschwere Fehlfunktionen. Der Mangel an Transparenz und Vorhersagbarkeit degradiert menschliche Akteure zu hilflosen Statisten.
Zunehmend übernehmen “intelligente” Automaten die Steuerung komplexer Systeme, wie im völlig autonomen Fahrzeug, das sich ohne jegliche menschliche Führung bewegt und mit anderen Verkehrsteilnehmern und Verkehrsleitsystemen verständigt – eine Zukunftsvision, die im Schienenschnellverkehr längst Wirklichkeit ist und in der Frachtluftfahrt demnächst eingeführt wird.

DLR-K
Mo. 07.09.09 – 19:30 Uhr
Das politische Feature

“Links? Rechts?”
Begriffsbestimmungen politischer Standorte
Von Rosemarie Bölts

DLR-K
Di. 08.09.09 – 19:30 Uhr
Literatur
“Gib mir meine Sprache wieder”

Von der Aufrüstung durch Worte
Von Cornelia Jentzsch

DLR-K
Mo 14.09.09 – 19:30 Uhr
Das politische Feature

“Wer will nochmal, wer hat noch nicht?”
Von Wahlgeschenken und Wahlversprechen
Von Wolf-Sören Treusch

DLF
Fr. 18.09.2009 · 19:15 Uhr
Vorsicht, Zivilcourage!
Vom gefährlichen Leben der Whistleblower

Von Michael Reitz
“Whistleblower” – Informanten, die Missstände, illegales Handeln oder Insidergeschäfte, von denen sie an ihrem Arbeitsplatz erfahren, an die Öffentlichkeit bringen. Der Whistleblower ist kein Denunziant, sondern er schlägt Alarm.
Spektakuläre Fälle: der FBI-Agent “Deep Throat”, der den Watergate-Skandal ins Rollen brachte; der Israeli Mordechai Vanunu, der das Atomwaffenprogramm Israels publik machte.
Während in den angelsächsischen Ländern Whistleblower weitestgehend Immunität genießen, gelten sie in Deutschland als Nestbeschmutzer. Mehrere Gesetzesvorhaben in dieser Hinsicht scheiterten, und auch im diesjährigen Wahlkampf war von einem Schutz der Alarmschläger nichts zu hören – und das, obwohl die Bankenkrise die Notwendigkeit couragierter Informanten offenbarte.

DLF
Sa. 19.09.09 – 23:05 Uhr bis 3 Uhr
Lange Nacht
Das Gegenteil von Glück?
Eine Lange Nacht über die Armut

Von Nora Bauer
Armut ist nicht das Gegenteil von Glück, aber wer sie erlebt, empfindet es oft so. Das ganz normale Leben wird schwierig. Es gibt weniger Spielräume für Entscheidungen. Alles kostet Geld. Und vieles beginnt zu bröckeln: die Lebenszufriedenheit, der Selbstwert, die Aussichten in der Zukunft, der Freundeskreis. Gesellschaftlich steht man plötzlich im Dunkel, ohne schuldig zu sein. Am schlimmsten ist es für Kinder. Sie können sich oft nicht gegen Ausgrenzung und gegen die Verachtung, die ihnen und ihren Eltern entgegenschlägt, wehren. Armut hat es immer gegeben. Die Ursachen, in eine Armut hineinzugeraten, sind vielfältig: lang anhaltende Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit, aber auch Alleinerziehung der Kinder, Alkoholismus oder mangelnde Bildung. Meistens entsteht Armut aus einer Mischung mehrerer solcher Faktoren. Die Zusammenhänge von sozialer armutsbedingter Deprivation und der Fortschreibung der Armut als gesellschaftliches “Erbe” – einmal arm, immer arm – sowie die entwicklungspsychologischen Folgen der Armut für Kinder und Jugendliche werden gerade erst erforscht. Bezeichnenderweise hat sich die Armutsforschung in Deutschland in den letzten Jahren geradezu boomhaft entwickelt. Auch wenn die Sorgen der Nachkriegszeit mit Wohnungsnot, Kältetoten und Hungermärschen heute unvorstellbar erscheinen, gehört auch das wachsende Wohlstandsgefühl der 50er-Jahre für breite Bevölkerungsschichten inzwischen der Vergangenheit an und die Angst vor Verarmung, vor Altersarmut hat längst die Mittelschicht erreicht. Zwischen Resignation und selbstbewusstem Aufbegehren schwanken die Erfahrungsberichte in dieser “Langen Nacht” über die Armut.

DLR-K
Mo. 21.09.09. – 19:30 Uhr
Das politische Feature
“Die Stylisten der Macht”

Wie Politik im Zeitalter der Mediendemokratie inszeniert wird
Von Katja Bigalke

DLR-K
Mo. 28.09.09. – 19:30 Uhr
Das politische Feature

“Klassenunterschiede”
Wie gerecht ist unser Steuersystem?
Von Winfried Roth

DLF
Di. 29.09.2009 · 19:15 Uhr
Wo ist Schmiedel?

Auf den Spuren eines APO-Aktivisten
Von Rainer Link
Im Sommer 1969 steht der Arbeiter Günther Schmiedel als Angeklagter vor dem Hamburgischen Landgericht. Man wirft ihm vor, Polizeibeamte beleidigt und getreten zu haben. Der “Vorzeige-Prolet” sei ein gewaltbereiter Rädelsführer der Studentenbewegung, ist sich das Gericht sicher und statuiert ein Exempel.
Für ein Jahr und neun Monate soll der bisher Unbescholtene in Haft. Nicht nur die Studentenbewegung spricht von Klassenjustiz und Obrigkeitsstaat. Schmiedel, der bereits während des Prozesses psychische Auffälligkeiten zeigte, soll aus der Haft heraus in eine Psychiatrische Klinik verlegt worden sein. Doch weder seine einst so solidarischen Mitkämpfer oder Anwälte wissen, was aus Schmiedel geworden ist, und auch bei der Justiz ist nichts über Schmiedel zu erfahren.
Rainer Link begibt sich auf Spurensuche und versucht, Günther Schmiedel 40 Jahre nach dem Prozess gegen ihn dem Vergessen zu entreißen.

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Aug
28
2009
6

„Historisches“ Wahlkampfbusting

Lang lang ist’s her – Mitte der 90er Jahre erstellte ich zusammen mit einem Freund Fake-Anzeigen und Pseudo-Wahlkampfwerbung für eine Zeitungsparodie namens No News Today, an der wir lange Zeit mit Begeisterung schrieben. Ich werde sicher im Laufe der Zeit das eine oder andere daraus auch mal exhumieren und hier im Blog veröffentlichen (einige Artikel stehen schon seit einer Weile auf unserer Kieler Exzess-Website) – den Anfang machen unsere kleinen Wahlkampfanzeigen für diverse Parteien. Diese stellen streng genommen kein Adbusting dar, da wir keine vorhandene Werbung verfremdeten, sondern mit einfachsten Mitteln (bewusst schlicht) das Wesentliche der Parteien in ein, zwei markigen (und sehr doppeldeutigen – manches muss man vielleicht zwei Mal durchlesen oder im Geiste anders betonen, um die wahre Aussage zu erkennen ;-) ) Slogans zusammenfassten. Tatsächlich finde ich, dass unsere Parodien auch heute nichts von ihrer Quasi-Aktualität verloren haben…

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Aug
27
2009
0

Peak Wachstum

Keine Zeit, keine Zeit – das gilt auch heute für mich. Darum verweise ich wiederum nur mal kurz auf einen spannenden Artikel, den ich vor einiger Zeit gefunden habe: „Peak Wachstum“ beim Philosophenstübchen. Gerade jetzt, wo neues Wirtschaftswachstum als einzige Lösung aus der Krise von allen neoliberal unterwanderten Stellen propagiert wird (dabei ignorierend, dass vielleicht gerade dieser Zwang zum ständigen Wachsen solche Krisen heraufbeschwört wenn nicht sogar begründet), scheinen mir solche Gedanken, wie man aus der Wachstumsfalle entkommen kann, um so wichtiger. In dem Artikel werden eine Menge gute Anregungen zusammengetragen und auf diverse interessante Bücher zum Thema verwiesen. Lohnt sich also!

(…) Denn in Wahrheit sind es ja nicht „natürliche Grenzen“, die uns derzeit stoppen. Es ist nicht die Aneignung und Umwandlung von Natur durch menschliche Arbeit, die prinzipiell an ihre Grenzen stößt, sondern es ist jene Form von Naturaneignung, die einseitig von Gewinnmaximierungsprinzipien gesteuert wird und jene Form von Wohlstand, die sich immer mehr entfernt von menschlichem Wohlbefinden. Wenn wir diese gesellschaftliche Beschränktheit überwinden, können sich neuartige Selbstorganisationsdynamiken aus Natur und Gesellschaft entfalten, die das Verhältnis „Mensch-Natur“ nicht statisch-stabil zu halten versuchen, was letztlich erfolglos wäre, da die Natur selbst ein dynamisch und sich selbst organisierend entwickelndes System ist. Erst dann gilt, dass wir nicht nur reden müssen über die „Grenzen des Wachstums“, sondern wir können ein „Wachstum der Grenzen“ organisieren. Aber ohne gesellschaftliche Umwälzungen und die grundlegende Neuausrichtung und Neuorganisierung unserer gesellschaftlichen Lebens- und Wirtschaftsformen wird dies nicht gehen. Wer die Natur liebt, muss gesellschaftspolitisch aktiv werden.

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Aug
26
2009
5

„Werbung ist eine wahre Pestilenz geworden”

Da meine Zeit heut mal wieder knapp bemessen ist, gebe ich Euch diesmal nur einen kurzen Lesetipp – und zwar wurde ZAF, der Macher des wunderbaren satirisch-kritischen Blogs Zenzizenzizenzic und zafikal – für Geld machen wir alles auf krit.de interviewt und hat sich dabei u.a. auch über Werbung und Kommerz geäußert. Dass diese Aussagen meiner eigenen Meinung sehr entgegen kommen, dürfte klar sein. :-)

zafWenn man Werbung mal globaler betrachtet, ist sie ein ökologisches Desaster. Es wird Papier bedruckt, das kaum jemand lesen will, es werden Werbefilmchen gedreht, die kaum jemand im Fernsehen oder im Kino sehen will, es werden Adserver bereitgehalten, um Werbung auszuliefern, die viele eh mit Adblock oder ähnlichen Maßnahmen blocken, die ansonsten aber sinnlos Bandbreite verbraten, die Gegend wird durch Werbetafeln verschandelt etc. Es werden also ohne Ende Ressourcen wie Holz, Energie usw. verschwendet für etwas, was mit etwas Glück nur einen kleinen Teil der Bevölkerung interessiert. Werbung ist in ihrer ungewollten Form doch eine wahre Pestilenz geworden. Ich kenne keinen, der Werbestrecken in Zeitschriften toll findet, der gerne Werbung im TV oder Kino schaut, der sich freut, von Call-Centre-Agents belästigt zu werden, der seinen Briefkasten gern durch Werbung zugemüllt vorfindet etc.

In Sao Paulo gab’s doch mal einen Erlaß der Stadt, daß Werbung im öffentlichen Raum verboten wird. Das finde ich eigentlich eine sehr schöne Idee. Denn Werbung ist vor allem auch undemokratisch. Ohne die notwendigen finanziellen Mittel, kann man keine Werbung schalten, um eine kritische Masse zu erreichen. Solange man es nicht schafft, Werbeflächen z.B. im öffentlichen Raum wirklich zu demokratisieren, daß also jeder, der will, dort plakatieren darf, solange finde ich ein Verbot wie in Sao Paulo – je länger ich darüber nachdenke – eigentlich immer besser. Und eigentlich wäre ein Verbot der Werbung im öffentlichen Raum nur konsequent, wenn man bedenkt, daß sogenannte Cold Calls (also Anrufe von Telemarketingunternehmen auf gut Glück, ohne daß ich explizit um den Anruf gebeten hatte) z.B. verboten sind. Ich habe ja die werbetreibenden Firmen (oder in Hamburg gerade wieder aktuell Parteien) nicht darum gebeten, mir mit ihren Werbemist meine Netzhaut zu versauen.

Jetzt werden wahrscheinlich ein paar in der Werbebranche Beschäftigte sagen “Ja, aber die Arbeitsplätze…”. Stimmt, Werbung schafft Arbeitsplätze. Aber diese bezahlen wir alle als Verbraucher durch höhere Kosten für die beworbenen Produkte mit. Werbung ermöglicht auch keinen Qualitäts-Journalismus. Da braucht man sich nur das Privatfernsehen anschauen, um eines besseren belehrt zu werden. Und auch Printmedien veröffentlichen eher einen Bericht nicht, als einen zahlkräftigen Werbekunden zu verlieren. (…)

Ganz abgesehen vom Menschenbild, das die Werbung meist transportiert. Man sieht kaum die durchschnittlichen Menschen, denen man täglich auf der Straße begegnet in der Werbung. In der Werbung sind alle schön, allzeit perfekt geschminkt, gesund, topfit, schlank, zu Tode gephotoshopped etc. Mit der realen Welt hat Werbung so gar nichts zu tun. Der Druck, den in der Werbung propagierte Schönheitsideale gerade auf Heranwachsende ausüben, dürfte bekannt sein.

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Aug
25
2009
8

Wahlplakat-Remixe: NPD-Version

Eigentlich lohnt es sich ja nicht, über so einen erbärmlichen Verein wie die NPD überhaupt etwas zu schreiben. Aber im Zusammenhang mit meinem Posting über die Wahlplakat-Remixe (vor allem der CDU) erscheint mir diese sehr löbliche Aktion der ver.di-Jugend doch berichtenswert. Einige Aktivisten haben nämlich in Dresden, das von den NPD-Gesellen flächendeckend zuplakatiert wurde, Adbusting an deren Plakaten vorgenommen und so die Aussagen richtig gestellt. Die Neue Rheinische Zeitung schreibt dazu: „NPD-Plakate enttarnt – ver.di-Jugend steigt in die Wahlen mit einer Offensive gegen Rechts ein“:

Und warum diese Art des Protestes – warum die „Verfremdung“ der Wahlplakate?

Ringo Bischoff: Die Aktion gegen die Nazis ist Teil unserer aktuellen Kampagne „Was soll Politik?“. Wir sind damit in diesem so genannten “Super-Wahljahr“ gestartet, um zu zeigen, was die Jugend hier im Land von der aktuellen Politik und ihren Macherinnen und Machern hält. Ein wichtiger Teil davon sind unsere Ad-Busting Aktionen.

Ad-Busting?

Ringo Bischoff: Ja genau, das ist der Begriff. Er meint das temporäre Verfremden von Wahlplakaten, und ich sage bewusst „verfremden“, nicht zerstören. Die gesamte Kampagne “Was soll Politik?“ ist gedacht als öffentliche Plattform, eine zeitgemäße Form zu zeigen, was wir – und alle anderen – von der aktuellen Politik in diesem Land halten. Und speziell die Jungen zeigen ihren Unmut eben damit, dass sie die Wahlplakate der Parteien verfremden. Das ist ja auch eine altbewährte Art – das Verändern von Plakaten gibt es ja schon lange, das wird in jedem Wahlkampf gemacht.

Hier ein paar der umgetexteten Exemplare (Fotos: Florentine Sievers), die leider nicht lange hingen, bis sie NPDler entfernten:

verdinpd1_400

verdinpd2

verdinpd4_400

verdinpd5_400

Weniger cool war übrigens die Aktion einiger CDU-Plakatierer, die in Rinteln einfach Plakate der Piratenpartei überklebten. Armselig, wie tief diese Alt-Partei inzwischen gesunken ist…

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Aug
24
2009
1

The Meatrix

Die gleichen Leute, die schon The Story of Stuff so schön umsetzten, die Free Range Studios, hatten sich einige Zeit zuvor bereits Gedanken darüber gemacht, wie man die Menschen darüber aufklären könnte, auf welch im wahrsten Sinne des Wortes bestialische Weise industrielle Massentierhaltung funktioniert. Herausgekommen sind einige kleine amüsante Animationsfilme, die The Meatrix-Reihe. Ja, klar, es wird das hohe Lied auf Biofleisch gesungen und nicht Vegetarismus propagiert (um dem Einwurf eines gewissen Bloglesers gleich mal zu entgegenen), aber generell finde ich es gut, wenn das Bewusstsein der Leute dafür geschärft wird, was sie bei ihrem Kauf- und Essverhalten so alles unterstützen und mittragen. Generell ist weniger Fleischkonsum natürlich besser als mehr Fleischkonsum. [via Karmakonsum]

The Meatrix I:

The Meatrix II: Revolution:

The Meatrix II ½:

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Aug
23
2009
1

Statistik – Kniffe und Tricks

chartGerne wird in den Medien – egal ob nun Mainstream oder nicht – auf mannigfaltige Statistiken und Grafiken zurückgegriffen, um die eigene Meinung zu unterstreichen oder auch um eigentlich halbseidenen Aussagen den Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu geben und sie mit der Aura von „Wahrheit“ zu versehen. Der Winston Churchill zugeschriebene Ausspruch „Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“ ist längst zu einem geflügelten Wort geworden. Wer jedoch einmal das BuchSo lügt man mit Statistik von Walter Krämer gelesen hat, weiß fortan, wie einfach man mit Hilfe von Zahlen und Abbildungen Meinungen manipulieren kann. Da beginnt die x-Achse eines Charts, in dem ein immenser Anstieg von irgendeiner Größe (Preise, Arbeitslosigkeit, Rhabarbererntemenge, …) suggeriert wird, indem eine Kurve steil nach oben schießt, nicht bei 0, sondern die Skala läuft von 3.4 bis 3.6, so dass die Ausschläge plötzlich unglaublich dramatisch ausschauen, obwohl sich in Wirklichkeit kaum etwas bewegt hat.

Die Neue Rheinische Zeitung, eine kritische Stimme im sonst oft gleichgeschalteten Medienmeer, veröffentlichte letztes Jahr den sehr interessanten Artikel „Wie man mit Statistik lügen kann – Die verschaukelte Bevölkerung“ von Hans-Dieter Hey, in dem der Autor über einen Vortrag des „Spezialisten für Statistikmissbrauch“ Prof. Dr. Gerd Bosbach (nicht mit der CDU-Flitzpiepe zu verwechseln!) in Köln berichtet. Bosbach klärt seine Zuhörer darüber auf, wie Meinungsmache mit Hilfe von Zahlenwerken funktioniert und mit welchen Absichten dies zuweilen geschieht:

„Was ist die gefährlichste Stadt?“, beginnt Bosbach seinen Vortrag. Es sei nicht New York oder Rio, sondern der Vatikanstaat. Und warum? Weil es dort viele Besucher gibt und entsprechend viel geklaut wird. Der Vatikan-Staat hat bei vergleichsweise geringer Bevölkerung deshalb die meisten Zivil- und Strafverfahren pro Einwohner. Das Beispiel mit dem Vatikanstaat ist lustig, dieses Prinzip auf Deutschland bezogen wiederum nicht. Die in und durch Deutschland reisenden Ausländer, die Straftaten begehen, würden auch bei uns in die Ausländerkriminalität eingerechnet, um sie dann aber auf die Wohnbevölkerung umzurechnen. Dadurch entstünde das falsche Bild von hoher Ausländerkriminalität. Und jeder weiß, dass sich manche Politiker dies zu Nutze machen und damit vor allem der rechten Gesinnung eine Steilvorlage für Hetzkampagnen bieten.

Vor allem auf einige in der Öffentlichkeit besonders penetrant breitgetretene Mythen/Statistiklügen konzentriert sich Prof. Dr. Bosbach in sinem Vortrag dabei – zum Beispiel die Lüge vom vollen Boot, die von der drittstärksten Nation, die von der Geburtenrate, das Gemauschel mit den Arbeitslosenzahlen oder auch die Lüge von den gestiegenen Gesundheitsausgaben:

In vielen Zeitungen erschienen Grafiken, die so aussahen, als hätten sich unsere Gesundheitsausgaben verdoppelt. Tatsächlich stiegen sie von 1976 bis 2004 aber nur um ca. 40 Prozent. Und in diesem Zeitraum seien auch alle anderen Preise gestiegen. Die Frage sei aber, wie viel wir für die Gesundheit gemessen am Bruttosozialprodukt ausgeben, und dann sieht das weitaus weniger dramatisch aus. Wichtig wären aber die Gesundheitsausgaben je Kassenmitglied. Und die hätten sich keineswegs dramatisch entwickelt, sondern im Rahmen des Bruttosozialproduktes. Ungern diskutiere die Bundesregierung überdies auch die Einnahmeseite. Und die sei wegen der Erosion am Arbeitsmarkt dramatisch gesunken. Doch damit könne die Bundesregierung keine „Gesundheitsreform“ begründen. Bosbach: Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kenne die richtigen Zahlen. Leider veröffentliche sie diese nicht.

Ich kann die Lektüre des Textes mal wieder nur jedem, der einmal hinter die Fassade der öffentlichen Meinung schauen möchte, ans Herz legen!

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Aug
22
2009
0

Brechreiz

Kurz etwas für die ganz Hartgesottenen – seit ein paar Tagen macht dieser YouTube-Film im Netz die Runde, in dem ein Ausschnitt einer Wahlkampfveranstaltung mit „unserer“ Familienministerin Ursula „Zensursula“ von der Leyen zu sehen ist. Wer also einen Kurzlehrgang in Sachen Demagogie und Verdrehen von Tatsachen sehen möchte, sollte mal 7 Minuten seiner Lebenszeit opfern. Oder sich hier das Transkript durchlesen. Auf diversen Blogs wie netzpolitik , Stefan Niggemeier und Udo Vetters lawblog wird entsprechend hitzig diskutiert und gar Parallelen zu Rednern aus den 30er/40er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgemacht…

Mindestens genauso schlimm finde ich auch den lobhudlerischen Bericht, den die Saarbrücker Zeitung anderntags zu dieser Propagandarede abdruckte… Wenn das die vielgelobte „freie Presse“ sein soll, dann gute Nacht!

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Aug
21
2009
7

Quickborn pfeift bei der Finanzierung auf die Banken

Für viele Kommunen, die finanziell aus dem letzten Loch pfeifen, sind dubiose und oft nachteilige Privatisierungen und Konstrukte wie Public Private Partnership (PPP) und Cross-Border Leasing (CBL) die einzige Möglichkeit, um überhaupt noch über die Runden zu kommen und den Bewohnern ein Mindestmaß an Versorgung zu garantieren. Dass es auch anders geht, als nur auf Staatsknete aus Berlin zu hoffen oder das Tafelsilber an Finanzjongleure und Konzerne zu verhökern, zeigt jetzt die kleine Stadt Quickborn in Schleswig-Holstein. Statt sich Geld für dringend nötige Sanierungen und Projekte für teure Zinsen bei den Banken zu leihen, greift man hier (wie schon die Leute in dem quer-Beitrag „Geld ohne Bank“) zu einer Lösung abseits der ausgetreten Pfade und bezieht die Bürger selbst mit ein. Wer bereit ist, der Stadt mindestens 5.000 € zu leihen, erhält diese nach einem Jahr mit 3% Zinsen zurück und unterstützt dabei gleichzeitig direkt die eigene Gemeinde. Der Run auf dieses Angebot war so groß, dass nach 3 Tagen bereits 4 Mio. € zusammen gekommen waren. Die NDR-Sendung markt berichtete Anfang der Woche darüber diesen Coup:

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