Nov
18
2013
3

Der große Reibach und Tanz der Geier

Die Finanzkrise begleitet uns nun ja schon seit diversen Jahren – offen ausgebrochen ist sie 2008, aber natürlich schwelt sie schon viel länger. ARTE hat sich unlängst in einem Themenabend mit der Bedeutung der Banken und dem Einfluss auf unser Leben befasst und sich damit wieder einmal als ein Sender erwiesen, der auch unbequeme Fragen stellt. Die beiden Dokus heißen „Der große Reibach“ und „Tanz der Geier“ und sind beide en bloc bei YouTube zu bewundern:

Der große Reibach: Als Margaret Thatcher in Großbritannien und Ronald Reagan in den USA die Regierung übernahmen, starteten diese beiden überzeugten Anhänger mit Hilfe von Wirtschaftsberatern der mächtigsten Großbanken eine Deregulierungskampagne sondergleichen: Stück für Stück zerschlugen sie alles, was nach der großen Depression 1929 und der Nachkriegszeit geschaffen worden war, um dem Kapitalismus eine soziale Komponente zu geben. Ihre Nachfolger, ob konservativ oder “links”, führten diese Politik fort. So bestand ironischerweise die letzte Amtshandlung des Demokraten Bill Clinton im Oval Office in der Unterzeichnung eines Gesetzes, das den Staat völlig entwaffnen und Finanzmärkten endlich erlauben sollte, sich so zu entwickeln, wie es ihnen beliebte.

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Nov
10
2013
2

Kulturelle Störgeräusche

Im Frühjahr wurde ich für den SWR2 interviewt und habe ein wenig über Reklame, Adbusting & Co. erzählt. Diese Woche ist nun das Feature im Radio ausgestrahlt worden – „Kulturelle Störgeräusche“ heißt die Sendung, in der es um alle möglichen Formen von Widerstand gegen die Inanspruchnahme des öffentlichen Raums durch Konsum und Kommerz geht; geschrieben von Sascha Verlan und Almut Schnerring (Wort und Klang). Auf der SWR2-Seite kann man sich den Beitrag im Stream anhören oder auch als MP3 runterladen.

Kulturelle Störgeräusche

Wer hat das Sagen im öffentlichen Raum? Von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Sendung vom Mittwoch, 6.11. | 22.03 Uhr | SWR2

Vor der eigenen Haustüre beginnt der öffentliche Raum. Eigentlich gehört er uns allen, doch er wird beherrscht von Straßenverkehr, Hinweisschildern, Plakaten und Überwachungskameras. Kommerzielle und politische Interessen dominieren ihn zunehmend. “Ad Busting”, “Critical Mass”, “Flashmobs”, “Guerilla Gardening” … eine Vielzahl an politisch-kulturellen Bewegungen wehrt sich gegen diese zunehmende Vereinnahmung, Bewegungen und Konzepte wie “Urban Knitting”, “Occupy”, “StreetArt”, “Graffiti”, “Reclaim the Streets” wollen Freiräume schaffen und Denkanstöße liefern. Wir stellen einige vor und wollen damit aufmerksam machen auf Grenzüberschreitungen, auf die Manipulation unserer Wahrnehmung, auf die Vereinnahmung unserer Aufmerksamkeit.

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Okt
30
2013
2
Okt
16
2013
1

Freihandelsabkommen: Alle Macht den Konzernen!

Ich möchte Euch heute nur einen kleinen Lesetipp mit auf den Weg geben – es geht um das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, das derzeit verhandelt wird und das, so muss man wohl befürchten, auch irgendwann, notfalls in leicht modifizierter Form, in Kraft treten wird. Es wird die Konzerne weiter stärken und die nationalen Regierungen weiter schwächen und ist im Grunde ein weiterer (Teil-)Abschied von demokratischen Strukturen… So sieht das auch Claudia Klinger in ihrem Artikel Freihandelsabkommen: Alle Macht den Konzernen!:

“Schlimmer als ACTA” nennt Stefan Krempel auf Heise.de das derzeit auf EU-Ebene verhandelte transatlantische Freihandelsabkommen mit den USA. Angeblich soll der Freihandel ja den allgemeinen Wohlstand heben, doch enthält das Vorhaben Bestimmungen, die allzu deutlich lediglich den Wohlstand der Konzerne im Blick haben.

Man glaubt es kaum: in einem sogenannten “Streitbeilegungsverfahren” (Investor-State Dispute Settlement / ISDS), das bereits jetzt aufgrund von Beschlüssen der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in großen Teilen der Welt genutzt werden kann, können “Investoren” auf Schadenersatz wegen entgangener Gewinne klagen, wenn Gesetze oder Gerichte ihre wirtschaftlichen Umtriebe beschränken. (…)

Geld regiert die Welt: nun ganz legal!

Und genau dieses “Streitschlichtungsverfahren” soll nun im Rahmen des Freihandelsabkommens auch für die EU verpflichtend werden. So bekommt der alte Spruch “Geld regiert die Welt” eine ganz neue Bedeutung. Nationale Parlamente und Gemeinderäte werden sich nicht mehr trauen dürfen, beschränkende Vorschriften zu beschließen.

Ihr wollt weniger Massentierhaltung? Mehr Platz und bessere Behandlung für die Tiere? Geht nicht mehr, sorry, denn damit würden ja die Gewinne geschmälert und die Steuerzahler müssten die Investoren entschädigen!

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Okt
09
2013
1

Sonneborn rettet die Welt – Wer soll es denn auch sonst tun?

Was in den USA die Yes Men, das könnte hierzulande Martin Sonneborn, der Führer der Partei Die PARTEI werden – mit satirischen Mitteln auf Missstände hinweisen und den Finger auf Wunden legen. Auf ZDF neo darf er nun an drei Donnerstagen ab dem 10. Oktober hintereinander die Welt retten, zu bewundern jeweils ab 22:45 Uhr.

In einer Zeit, in der bei vielen das Gefühl wächst, Parteien konkurrieren um den Wähler mit einem Einheitsbrei aus Forderungen, Anregungen und Versprechungen, ist das Mittel der Satire gefragt: Was verbirgt sich hinter politischen Floskeln, welche Probleme behindern wirklich den Fortschritt in Deutschland und gibt es Wege aus den Problemen dieser Zeit?

Martin Sonneborn versucht in einer neuen, satirischen Reportage-Reihe die Welt zu retten – eine titanische Aufgabe.

Mit den Waffen der Satire

Der “Club of Rome”, ein Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik, geht davon aus, dass die Grenzen des Wachstums bis zum Jahr 2052 erreicht sind und die Menschheit mit negativen Auswirkungen des Wirtschafts- und Nutzsystems konfrontiert wird: Umweltkatastrophen nehmen zu, Armut weitet sich aus und die Wirtschaftssysteme stagnieren. Wenn weiter nur nach Gewinnmaximierung und ohne Nachhaltigkeit produziert und konsumiert wird, werden die Systeme, wie sie die jetzige Gesellschaft kennt, zusammenbrechen.

Die Problematik muss analysiert und Alternativen gefunden werden – die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft müssen sich jetzt ändern, sonst münden die kapitalistischen Länder im Chaos. Klar, es ist eine Mammutaufgabe par excellence, da hilft nur ein Superman-Shirt unter dem Anzug und die Waffen der Satire im Gepäck – der neue Held Martin Sonneborn ist geboren.

Eine titanische Aufgabe

Martin Sonneborn widmet sich drei großen Problemen Deutschlands im Herbst 2013: der Finanzkrise, der Energiewende sowie Korruption und Lobbyismus. Er be- und hinterfragt Politiker und Experten, testet alternative Lebensformen und löst dabei entstehende Probleme auf seine ganz eigene Weise.

So begibt er sich auf der Suche nach einer Lösung der Finanzkrise in Tauschläden und begegnet Menschen, die komplett ohne Geld leben möchten. Er versucht mit dem Farbkopierer zumindest seine Finanzprobleme durch Falschgeld zu lösen. Im Hinterhof von Supermärkten trifft er auf die Schattenseiten des Kapitalismus und der Wegwerfgesellschaft: In Mülltonnen landen am Ende eines Einkaufstages Tonnen noch essbarer Lebensmittel.Er nimmt Politiker in die Pflicht, nicht nur Phrasen auf der Suche nach der Gunst der Wähler zu dreschen, sondern mit Weitsicht Dinge zu ändern. Martin Sonneborn auf einer satirischen Reise durch eine Gesellschaft, die vor großen Herausforderungen steht und die in Punkto Lösungssuche keine Zeit mehr zu vertrödeln hat.

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Sep
29
2013
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Lesetipps: ToxFox | Vier-Stunden-Tag | Sparjournalismus | Spielerische Kapitalismuskritik | Wahlnachlese

Nach längerer Pause will ich heute mal wieder einen meiner beliebten Lesetipps-Artikel unters Volk bringen und Euch ein paar Links und Artikel präsentieren, die mir beachtenswert erscheinen. Da wäre zunächst, aus aktuellem Anlass, eine kleine Wahlnachlese zur Bundestagswahl. Viele kluge Artikel wurden dazu bereits veröffentlicht, es wurden diverse Koalitionsmöglichkeiten durchgespielt, Führungsspitzen ausgetauscht und erste Wahlversprechen runtergedimmt. Hier noch ein paar Texte abseits dieser konkreten Tagespolitik, die sich meiner Meinung nach zu lesen lohnen:

  • Sascha Lobo „Der Wahlausgang in drei Bildern über die Folgen des Wahlergebnisses für die „Netzpolitik“. Zitat: „Offenbar fürchten die Deutschen den Veggie-Day in der Firmenkantine mehr als die Totalüberwachung des Internets.“ Wohl wahr. Traurig, eigentlich.
  • Stefan Niggemeier „Können wir jetzt bitte mal über die Fünf-Prozent-Hürde reden? – sehr spannend dazu auch die vielen, zum Teil wirklich durchdachten Kommentare mit Vorschlägen für eine Reform der 5%-Hürde – oder auch mit Argumenten, warum man diese Hürde beibehalten sollte.
  • Pia Ziefle „Ich schäme mich über die AfD und ihre Umtriebe.
  • Jörg Wellbrock „Angela Merkel: Das Nichts hat gewonnen – eine kleine Analyse von Merkels Wahlkampftaktik.
  • heise.de „Die PARTEI kickt die FDP aus dem Bundestag mit der messerscharfen Analyse, dass genau die 0,2%, die Die PARTEI an Stimmen erhalten hat, der FDP zum Einzug in den Bundestag gefehlt haben. Erstes Etappenziel also erreicht!

Nun aber zurück zur alltäglichen Realität. In meinem Konsumpfblog geht es bekanntlich nicht nur um nachhaltigen Konsum, sondern auch um all das, was zu unserem System, das eher den sinnlosen Konsum anstachelt, gehört. Beispielsweise die Medienbranche, die einen großen Anteil an der Verbreitung gewisser Lebensstile und damit auch Konsumgewohnheiten hat. Die klassische Zeitungsbranche steckt seit einer ganzen Weile in der Krise, seitdem das Internet den Printmedien massiv Konskurrenz macht. So manch renommiertes Blatt hat da schon die Segel streichen müssen. Nun hat es in gewisser Weise auch die Westfälische Rundschau erwischt. Wie Die Zeit berichtet geht dies alles zu Lasten der medialen Vielfalt und damit auch auf Kosten einer kritischen Berichterstattung, wie man sie von der „vierten Gewalt“ im Staate erwarten müsste. Eingespart:

Die “Westfälische Rundschau” ist die erste deutsche Tageszeitung ohne Journalisten: Alle Redakteure und freien Mitarbeiter mussten gehen. Während sie Pressesprecher, Lehrer und Steuerfachangestellte werden, erscheint ihre alte Zeitung weiter. Sie druckt jetzt einfach Artikel von anderen Blättern. Geht das gut aus – für die Journalisten und für den Journalismus?

Eher unfreiwillig werden nun einige Journalisten auch weniger arbeiten – dass die vielbeschworene 40-Stunde-Woche bzw. der 8-Stunden-Tag allerdings das Ziel für eine moderne Gesellschaft sein sollte, bezweifeln ohnehin viele Menschen. Arbeit wird hierzulande als ein Wert an sich angesehen – Hauptsache, man hat was zu tun. Der Syndikalismus-Blog geht in seinem Interview mit David Graeber, einem der Vordenker der Occupy-Bewegung, in die Offensive und sieht in einer Verringerung der Arbeitszeit einen Ausweg auf der aktuellen lage: „Nur der Vier-Stunden-Tag kann uns retten

(…) Graeber: Ich will damit bewusst eine bestimmte Arbeitsmoral herausfordern, die wir alle tief verinnerlicht haben wie etwas tief Religiöses. Sie lässt sich auf den jüdisch-christliche Glauben zurückführen, dass Arbeit eine reinigende Kraft besitzt, dass alle, die sich nicht einer Arbeitsdisziplin unterwerfen, niemals zu reifen, selbstbeherrschten Individuen werden. Diese Vorstellung geht von einer chaotischen, undisziplinierten menschlichen Natur aus. Nur die Arbeit könne uns erlösen. Das hat extrem negative Konsequenzen.

Aber welche Konsequenzen wären denn das?

Keynes sagte bereits vor 80 Jahren, dass wir alle zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur noch vier Stunden täglich arbeiten würden. Tatsächlich könnte der technologische Fortschritt unsere Arbeitszeit in dieser Weise reduzieren. Was uns daran hindert, ist die verinnerlichte Vorstellung vom moralischen Wert der Arbeit. Angesichts der Krise werden wir gar aufgefordert, noch mehr zu arbeiten, obwohl das Einzige, was uns retten könnte, weniger Arbeit wäre. Dass sie vorübergehend den Ausstoß von Kohlendioxid verringerte, war eine der wenigen guten Seiten der Rezession von 2008. Ein großer Teil der Arbeit entsteht überhaupt erst dadurch, dass wir zu viel arbeiten. Ich provoziere bewusst, aber hier kommt noch einmal der Schuldenerlass als gesellschaftlicher Reset ins Spiel. Er würde es uns ermöglichen, die Dinge anders zu ordnen, damit eine nachhaltige Zukunft möglich wird. Warum also nicht ein genereller Schuldenerlass in Verbindung mit dem Vier-Stunden-Tag?

Apropos Kapitalismus- und Konsumkritik – diese findet man auch immer wieder in Computerspielen, wie die taz neulich berichtete: „Moralische Computerspiele – Spielerische Kapitalismuskritik

Rollenspiele zwingen zur Interaktion: Der Konsument wird zum Akteur, der emotional beteiligt ist. Das eröffnet neue Spielarten der Gesellschaftskritik.

(…) Pedercini gehört zum Entwicklerkollektiv Molleindustria. Die Gruppe versteht sich als Culture-Jamming-Projekt, ein Zusammenschluss von Kreativen, deren Arbeiten die Grenzen zwischen Digitalkunst, antikommerzieller Subversion und Medienkritik überbrücken wollen.

Derartige Auseinandersetzungen sind nichts Neues in der Unterhaltungskultur, doch während die klassischen Vehikel der Gesellschaftskritik – die investigative Dokumentation im Fernsehen, die aufklärerische Reportage – ihre Konsumenten auf Zuschauen oder Zuhören beschränken, werden diese im Computerspiel aktiver Teil des Werks, mehr noch: Sie werden oft zur Triebkraft der Zustände. (…)

Eine sehr interessante neue Aktion hat der B.U.N.D. gestartet – da in den kosmetischen Produkten, die auf die Menschen losgelassen werden, viele im Grunde hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind, die in gewisser Konzentration sogar Krebs auslösen können, gibt es nun die Website ToxFox, auf der man seine Kosmetikprodukte eingeben und erfahren kann, wie gefährlich sie sind.

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Sep
27
2013
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Umfragen – Wissenschaft, oder etwas sehr Ähnliches

So, die Bundestagswahl ist vorbei, und das Ergebnis, nun ja… Manchmal muss man sich schon fragen, ob es nicht an der Zeit wäre, hierzulande mal so langsam ein neues Volk zu wählen. ;-) Die BR-Sendung quer hat auf jeden Fall (noch vor der Wahl) einen schönen satirischen (?) Beitrag zum Thema Sinn und Unsinn von Umfragen gebracht – ich denke, diesen Clip sollte man jedes Mal ausstrahlen, wenn wieder ein Politbarometer o.ä. vollmundig die Ergebnisse irgendwelcher Bürgerbefragungen verbreitet.

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Sep
22
2013
5

Wahltag = Zahltag?

Für alle Unentschlossenen am heutigen Tag der großen, mit wahnsinniger Spannung erwarteten Bundestagswahl 2013 habe ich noch eine wichtige Information ausgegraben, die Eure Wahlentscheidung signifikant in die richtige Richtung beeinflussen könnte, nein, müsste. Denn untenstehenden Fakt haben uns die Medienkomplexe, die das Land beherrschen, bisher wohlweislich vorenthalten, um das regierende System nichtz ins Wanken zu bringen! Solche Dinge sollte man aber vor dem Urnengang wissen, denke ich, damit man sich nicht noch verwählt und hinterher das Jammern und Wehklagen groß ist.

Okay, vermutlich/mit großer Sicherheit wird heute ab 18 Uhr sowieso das Wehklagen einsetzen, wenn wir dann wissen, welche Koalition uns die nächsten vier Jahre mit ihren Entscheidungen beglücken darf. Meine Vermutung und Befürchtung ist ja, dass sowohl die FDP wie auch die unsägliche AfD über die 5%-Hürde kommen, was in gewisser Weise den Worst Case darstellt. Falls sich ein paar AfD-Fans auf meinen Blog verirrt haben sollten und jetzt zu zetern beginnen, dass diese Partei doch wenigstens den Eablierten zeige, was eine Harke sei und „uns endlich aus der EU-Diktatur befreie“ und was derer Parolen noch so alles seien, dem empfehle ich den durchaus lesenswerten Artikel von Jens Berger auf den NachDenkSeiten, dessen skeptische Einschätzung der AfD ich teile – „AfD ante portas – Rechtsruck mit der deutschen Tea Party

(…) Rechtsruck

Sollte die AfD am Sonntag die 5%-Hürde knacken, wäre sie seit 1961 die erste Partei rechts der Union, die in den Bundestag einzieht. So etwas wurde lange für unmöglich gehalten. Das Erfolgsrezept der AfD ist es wohl, dass sie sich als Wolf im Schafspelz präsentiert, als „Professorenpartei“, die Merkels Eurokrisenpolitik kritisiert. Wer sagt eigentlich, dass „Professoren“ keine Rechtspopulisten sein können? Die „Professoren“ der AfD sind – bei näherer Betrachtung – eine ziemlich krude Mischung aus Marktradikalen und dem Stamminventar der „Jungen Freiheit“, dem Sprachrohr der „Neuen Rechten“. Hoffen wir, dass die – ohnehin nicht sonderlich seriösen – Ergebnisse der INSA-Umfrage falsch liegen und mehr als 95% der Wähler dem Lockruf vom rechten Rand widerstehen können.

Apropos, auf den NachDenkSeiten hat auch Wolfgang Lieb einen sehr guten Beitrag über die Wahl, den Wahlkampf und die möglichen Konstellationen verfasst – ein etwas längerer Text, aber durchaus lohnend, wie ich finde: „Wahlkrampf – Wonach sollte man seine Wahlentscheidung ausrichten?

Jede/n nur ein wenig an politischen Fragen Interessierte/n oder wer sich ernsthaft dafür interessiert, wie es für ihn auch persönlich weitergehen soll in Deutschland, kann wenige Tage vor dieser Wahl angesichts dieses Wahlkrampfes eigentlich nur noch verzweifeln. Es hilft aber nichts, die Wahl wird stattfinden, und jede/r Einzelne muss sich so oder so entscheiden. Aber wonach?

Und zum Abschluss noch blogsgesang.de: „Je lauter SPD und Union die Große Koalition verteufeln, desto sicherer kommt sie“.

Dann also mal viel Spaß an der Wahlurne (oder beim konsequenten Nicht-Wählen). Und nicht vergessen: Ab heute ist eh Herbst, egal wie’s nachher ausgeht.

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Sep
19
2013
4

Wahlplakat-Adbusting 2013

Wie zu jeder Wahl so ist es bei einigen Menschen auch diesmal wieder gute Sitte, die meist inhaltsfreien Reklameplakate der einzelnen Parteien entsprechend zu verändern oder um die Wahrheit hinter der Fassade zu bereichern, so dass der Betrachter plötzlich etwas mit ihnen anfangen kann. Das CDU-„Mein Reich“-Plakat hatte ich ja neulich schon mal gepostet (HIER), und die taz berichtet ausführlich über „Adbusting von Wahlplakaten – jetzt auch mit Inhalt“:

„Haha, ein Tablet“, sagt ein Angestellter zu seiner jüngeren Kollegin auf einem CDU-Wahlplakat. „Tolles Ding. Kann sogar YouPorn.“ Schwer vorstellbar, dass die CDU tatsächlich ein solches Plakat aufgestellt hat.(…)

(…) Auf seiner Seite fakeblog.de präsentiert der 41-Jährige die umgedichteten Wahlsprüche. „Satire und kleine Nadelstiche sind wichtig, um die Plattitüden der Parteien zu entlarven“, sagt Flyod. „Ich will der Wahlwerbung das Sinnhafte nehmen.“ Bis zu 8.000 Klicks haben Floyds Werke am Tag. Besonders seine umgestalteten CDU-Plakate begeistern viele Internetnutzer. „Die CDU-Werbung eignet sich besonders für Satire“, sagt er. Sie seien im Original schon ziemlich komisch.

Doch einseitige Wahlwerbung will der Blogger nicht machen – seine Plakataktion versteht er als Kritik gegen alle Parteien: „Politik handelt allgemein nicht immer in Sinne der Bevölkerung – also soll sie auch nicht so tun.” Floyd fehlt bei vielen Parteiplakaten eine Vision. Eine Vision, die er auch in der Politik vermisst: “Wie wollen wir zukünftig als Gesellschaft zusammenleben?”, fragt sich der Blogger und will mit seinen Plakaten ein Signal senden: „Lasst euch politisch nicht hinhalten!“ (…)

Auf dem fakeblog finden sich schöne Beispiele für alle größeren Parteien – für CDU, SPD, Grüne, Linke, Piraten, FDP.

 

 

 

 

 

Falls jemand Interesse haben sollte (rein theoretisch, natürlich nur) selbst aktiv zu werden, den könnten zu Anschauungszwecken diese Photoshopdateien interessieren, die ausdruckbare Sprüche enthalten (nicht mit denen vom fakeblog identisch, sondern etwas schärfer und inhaltlich prägnanter). Wie gesagt ist das natürlich nicht für den praktischen Einsatz gedacht, also bloß nicht aufdrucken und auf Plakate kleben, denn so etwas ist verboten! ;)

>> Download der Photoshopdateien für CDU und FDP (zip-Archiv)

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Sep
15
2013
7

Keine BILD-„Zeitung“ am 21.9.

Fast hätte ich vergessen, darauf hinzuweisen – die BILD-„Zeitung“ plant ja, wie vor einiger Zeit schon mal, pünktlich vor der Bundestagswahl ihre Propaganda kostenlos an alle Haushalte zu versenden. Wer also möchte, dass der Müll draußen bleibt, sollte dies durch einen entsprechenden Aufkleber am Briefkasten vermerken. Vorlagen zum Ausdrucken oder kostenlose Aufkleber gibt es z.B. von Innup HIER.

Nachdem der Axel-Springer-Verlag bereits im letzten Jahr eine Sonderausgabe des Boulevardblattes „Bild“ unaufgefordert an mehr als 40 Millionen Haushalte in Deutschland verschickt hat, plant dieser eine erneute kostenlose Ausgabe zur Bundestagswahl an alle Haushalte zu versenden. Diese soll am 21. September 2013 in den Briefkästen liegen. Offiziell dient die Sonderausgabe einzig der Steigerung der Wahlbeteiligung, welche bei der letzten Wahl im Jahr 2009 ein Rekordtief mit einer Beteiligung von nur 70% hatte.

Das Ziel dieser Kampagne hat somit prinzipiell eine positive Ausrichtung. Doch wir finden, dass die Bildzeitung ganz sicher nicht das richtige Medium für eine solche Kampagne ist. Als bundesweite Boulevardzeitung nimmt die Bild Zeitung eine klare Monopolstellung ein und ist bekannt für besonders reißerische, meinungsmachende und dabei nicht selten rechtspopulistische Berichterstattung.

Ob man das Pluralismus unterdrückende und hetzerische Blatt in seinem Postkasten haben möchte, steht gar nicht zur Debatte. Wir sagen zur Aktion „BILD ZUR WAHL“ ganz klar „NEIN DANKE“! Wir sind gegen eine monopolistische Berichterstattung, gegen manipulative Artikel und gegen reißerischen Boulevardjournalismus! Besonders wenn diese Meinungsmache einen Tag vor der Bundestagswahl stattfindet.

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