Okt
27
2013
1

Lesetipps: Materialismus macht krank | Heile Bio-Welt? | Nespresso-Müll | Werbevideos | Filmeverschenken

Der Sonntag ist ein prima Tag, um mal wieder ein paar Lesetipps auf Euch loszulassen – also Artikel, die mir in den letzten Wochen positiv aufgefallen sind. Da wäre zunächst „Wie Konsum und Materialsmus unglücklich machen“ von Katharina Tempel. Die oft einseitige Fokussierung auf Marken und Besitz, die uns auch durch Reklame und Medienwelt vorgelebt und eingetrichtert werden, kritisiere ich im Konsumpf bekanntlich seit jeher. Auch wissenschaftlich wurden die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung mittlerweile bestätigt:

(…) Materialismus macht krank

Die amerikanischen Psychologen Tim Kasser und Richard M. Ryan haben in einer Vielzahl von Untersuchungen festgestellt, dass Menschen mit sehr materialistischen Werten ein geringeres psychisches und physisches Wohlbefinden aufweisen, als Menschen, denen materialistische Werte weniger wichtig sind. In ihren Studien arbeiten sie mit dem so genannten „Aspiration Index“.  Dieser Fragebogen führt eine Vielzahl verschiedener Ziele auf und bittet die Versuchspersonen anzugeben, welche Ziele wie wichtig für sie sind. Genannt werden u.a. das Bedürfnis nach Sicherheit, nach guten Beziehungen mit anderen Personen, aber eben auch materialistische Werte wie finanzieller Erfolg oder ein hoher Status.

Im Ergebnis zeigte sich, dass diejenigen, für die beispielsweise finanzieller Erfolg ein zentraler Wert war, weniger Selbstverwirklichung und Lebensfreude und mehr depressive Symptome und Ängstlichkeit aufwiesen als Personen, für die gute Beziehungen oder ein gesellschaftlicher Beitrag wichtige Werte waren.

In einer anderen Studie zeigte sich, dass Menschen, die nach Ruhm, Geld und Ansehen streben auch mehr physische Symptome aufwiesen; also häufiger unter Kopfschmerzen, Magenprobleme etc. litten als weniger materialistische Versuchspersonen. Daneben scheint eine stark materialistische Haltung auch die Qualität unserer tagtäglichen Erfahrungen zu verringern, da materialistische Studenten in der Summe weniger positive Emotionen erlebten als Menschen, die sich nicht so viel aus Geld und Besitz machen. Je wichtiger uns materialistische Werte sind, desto geringer ist also unsere Lebensqualität. (…)

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

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Jul
17
2013
2

Krabbenpulen für Abgebrühte

Okay, als Norddeutscher ist man eigentlich verpflichtet, Fischgerichte zu lieben. Aber, ehrlich gesagt, ich war noch nie ein Freund dieser Genüsse, und noch weniger von dem, was man euphemistisch als „Meeresfrüchte“ bezeichnet (als wenn es sich dabei nicht um Tiere handelte). Von daher fällt es mir auch nicht weiter schwer, meinen Krabbenkonsum konstant (bei Null) zu halten, selbst nach dem Anschauen der Dokumentation „Vorsicht Krabbe! Das große Geschäft mit dem kleinen Tier“ in der Reihe ZDFzoom. Besonders furchtbar finde ich die Szenen, in denen der sog. „Beifang“, also kleinere Fische und andere Lebewesen, in den Netzen verenden und anschließend wieder ins Meer gekippt werden. Schwer zu ertragen ist aber auch der Rest dessen, was dem Zuschauer da gezeigt wird – die Illusion, dass Krabben eine natürliche Leckerei seien, wird spätestens beim Anblick der Chemiemengen, die zum Konservieren hineingekippt werden, zerstört. Aber der Kunde will ja unbedingt möglichst billige Krabben, und das jederzeit und überall im Supermarkt. Die Folgen dürfen, wie üblich, Flora, Fauna und kommende Generationen ausbaden…

Sie ist so etwas wie ein kulinarisches Wahrzeichen für Norddeutschland, die Nordseekrabbe: eine leckere Delikatesse, verbunden mit viel Tradition. Früher ein rein regionales Produkt, findet man die Nordseekrabbe heute in jedem Discounter zu günstigen Preisen. Das macht neugierig. „ZDFzoom“ blickt hinter die Kulissen und will wissen: Wie kann es sein, dass das leicht verderbliche Nahrungsmittel heute europaweit so günstig vertrieben wird?

Michael Höft beginnt seine Recherchen im Herzen der Krabbenindustrie: in Büsum. Von hier aus stechen die Kutter täglich in See, um die beliebte Nordseekrabbe zu fischen. Ihr Fanggebiet ist auch das Wattenmeer. Obwohl der Nationalpark Wattenmeer die höchste Schutzstufe genießt, die Deutschland vergeben kann, dürfen die Krabbenfischer auch dort ihrer Arbeit nachgehen. Aber ist das Fischen mit schwerem Geschirr tatsächlich vereinbar mit dem Umweltgedanken?

In Marokko gepult

Und noch etwas trübt das Bild. Schon lange werden die Nordseekrabben nicht mehr in Deutschland gepult, sondern vor allem im Billiglohnland Marokko. Mehrere Tage braucht ein LKW für die knapp 3000 Kilometer von Deutschland bis Marokko. In den afrikanischen Fabriken pulen Tausende Frauen bei Temperaturen um die neun Grad das Tier aus der Nordsee. Der Lohn für diese Knochenarbeit entspricht häufig nicht einmal dem in Marokko gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Und: Um die lange Reise von Europa nach Afrika und zurück gut zu überstehen, werden die Krabben ordentlich in Konservierungsmittel eingelegt. Natürlich gibt es dafür gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte, doch wie viel Konservierungsmittel nehmen wir zu uns, wenn wir Krabben essen, und wie gesundheitsschädlich sind sie eigentlich?

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Jun
05
2013
4

Billig. Billiger. Banane.

Die ARD-Doku „Billig. Billiger. Banane.“ schildert sehr gut, wie aus der Banane ein Ramschprodukt wurde – und sie macht wieder einmal deutlich, wie schädlich der Billigwahn und die Discounterschwemme für die Gesellschaft und die Umwelt ist. Denn der Preisdruck der großen Billigketten sorgt dafür, dass unhaltbare Zustände in dn Ernteländern aufrecht erhalten werden und gleichzeitig eine Art „Grundrecht auf billig“ in den Köpfen der Käufer entsteht. Interessant ist nämlich die Umfrage, die in der Dokumentation erwähnt wird – 80 % der Konsumenten finden gute Arbeits- und Sozialbedingungen wichtig, aber nur 13 % sind auch bereit, dementsprechend einzukaufen (= FairTrade & Bio). Diese Konsumentenschizophrenie, von der unser Wirtschaftssystem lebt, hat eine niederländische Supermarktkette dadurch ausgehebelt, dass sie nur noch FairTrade-Bananen im Sortiment hat. Woraufhin der Gesamtumsatz im Banenenbereich im Unternehmen nicht etwa gesunken, sondern sogar gestiegen ist. Derzeit könnt Ihr Euch die Doku noch in der Mediathek anschauen – HIER. Oder bei YouTube, s.u.

Über eine Million Tonnen Bananen essen die Deutschen jedes Jahr. Damit haben sie eine Spitzenposition in Europa – mit enormer Preismacht. Denn ein Drittel des gesamten EU-Bananenimports landet auf heimischen Ladentischen, in den Supermärkten und bei den Discountern. In einem gnadenlosen Preiskampf verkommt hier die gelbe Frucht zur Ramschware.

Der Preis für Bananen ist seit 20 Jahren nicht gestiegen. Der Film deckt die erstaunlich große Macht deutscher Supermarktketten auf und zeigt, welch dramatische Folgen unser Billigwahn für Arbeiter und Umwelt in den Anbauregionen Lateinamerikas hat.

Trotz möglicher Alternativen greifen die Kunden vor allem zu den Billigangeboten. Entgegen aller Lippenbekenntnisse fristen Bio- und Fair-Trade-Bananen ein Nischendasein. Der über ein Jahr lang recherchierte Film zeigt in eindringlichen Bildern: Die wahre „Bananenrepublik“ liegt heutzutage nicht mehr in Lateinamerika, sondern in Deutschland.

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Jun
02
2013
2

Süße Geschäfte

Ich frage mich ja seit jeher, wie man wohl mental gestrickt sein muss, um erfolgreich in der Werbebranche arbeiten zu können. Als Reklame- oder Marketingmensch muss man schließlich seine ethisch-moralischen Maßstäbe an der Firmentür abgeben und die fatalen Auswirkungen seines Tuns verdrängen, sonst könnte man es kaum aushalten, seinen Lebensunterhalt mit dem Verführen und Belügen von Menschen zu bestreiten. Besonders perfide wird es ja im Bereich des Marketings, das sich an Kinder richtet (siehe auch den letzten Beitrag über den Goldenen Windbeutel) – hier stellt die „Lebens“mittelindustrie reihenweise Produkte her, die schädlich für die Gesundheit ihrer kleinen Kunden sind, d.h., deren Konsum keinen positiven Effekt hat, außer den, die eigenen Kassen zu füllen. Und tatsächlich finden sich genug Typen, die ihre Tage damit verbringen, sich Strategien auszudenken, die Vermarktungsstrategie noch lückenloser zu machen, um noch mehr von dem giftigen Zeugs abzusetzen. Im Grunde handeln Lebensmittelkonzerne nicht anders als Leute, die Kindern auf dem Schulhof Drogen verticken – sie versuchen mit aller Macht, sie abhängig von Sachen zu machen (wie Zucker, künstlichen Aromen etc.), die ihnen schaden. Die Zeit brachte neulich einen höchst lesenswerten, umfassenden Artikel zu der Problematik – „Kindermarketing: Süße Geschäfte“. Lesetipp!

Zuckrig, fettig, salzig – und unwiderstehlich. Kinder sind zu jung, um die Mechanismen der Werbung zu durchschauen. Die Lebensmittelhersteller nutzen das auf immer raffiniertere Weise aus.

(…) Es ist erstaunlich: Der deutsche Staat schreibt den Kindern heute vor, dass sie Helme tragen, wenn sie sich auf ein Fahrrad setzen. Er bestimmt über die Türbreite in Kindergärten, damit auch alle Jungen und Mädchen hindurchpassen, wenn es brennt. Er kontrolliert, ob Eltern ihre Kinder regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen. Er beschützt die Kinder vor allen erdenklichen Gefahren. Wenn es aber um Werbung geht, ist alles erlaubt.

(…) Der vielleicht noch größere Schaden aber entsteht in den Köpfen der Kinder. Die Unternehmen fordern sie nicht mehr nur auf, Schokoriegel zu essen – sie reden ihnen jetzt ein, sie seien Teil einer großen Schokoriegel-Erzählung. (…)

Essen ist kein Essen mehr, sondern Markenbotschafter. Geschichten sind keine Geschichten mehr, sondern Werbung. Die für Kinder wichtigsten Rituale – Essen und Geschichtenerzählen – werden kommerzialisiert. Die Unternehmen dringen nicht nur in die Familie und den Sportverein vor, sie versuchen auch, die Gedanken- und Gefühlswelt der Kinder zu besetzen. (…)

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Mai
27
2013
3

Capri-Sonne erhält Goldenen Windbeutel 2013. Reaktionen und Gegenreaktionen

Vor einer Weile hatte ich ja auf die Wahl zum Goldenen Windbeutel, der dreistesten Werbelüge des Jahres, hingewiesen, die von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch durchgeführt wurde. Helmut Schnug vom Kritischen Netzwerk hat den „Sieger“ gewürdigt und die Reaktionen darauf analysiert. „Capri-Sonne erhält Goldenen Windbeutel 2013. Reaktionen und Gegenreaktionen“:

——–

120.000 Verbraucher haben über aggressive Marketingmethoden bei Kinderprodukten abgestimmt – und entschieden: Die Werbung für den Soft-Drink Capri-Sonne ist die schlimmste. foodwatch wollte daher dem Hersteller Wild (SiSi-Werke) am 16. Mai am Firmensitz in Eppelheim bei Heidelberg den Goldenen Windbeutel 2013 für die dreisteste Werbemasche des Jahres verleihen.

Capri-Sonne (in der Geschmacksrichtung Orange) enthält pro 200-Milliliter-Beutel umgerechnet sechseinhalb Stück Würfelzucker und damit mehr als ein gleich großes Glas Fanta Orange. Da der Konsum zuckerhaltiger Getränke ohnehin bereits zu hoch ist und Übergewicht unter Kindern grassiert, forderte foodwatch das Unternehmen auf, alle Werbe- und Marketingaktivitäten zu stoppen, die sich gezielt an Kinder richten.

Capri-Sonne & Co. sind Dickmacher ersten Ranges, das ist wissenschaftlich erwiesen. Dennoch fixt Wild Kinder auf allen Kanälen an, immer noch mehr Zuckergetränke zu konsumieren – im Internet, Fernsehen, in der Schule, bei Sportveranstaltungen und sogar als Kinderbetreuer in Ferienanlagen. In einer ganzen Reihe von Studien ist der Zusammenhang zwischen Soft-Drink-Konsum und dem Risiko für die Bildung von Übergewicht belegt. In Deutschland gelten 15 Prozent der Kinder als übergewichtig, 6 Prozent sogar als fettleibig (adipös). foodwatch fordert daher ein grundsätzliches Verbot der Bewerbung unausgewogener Produkte direkt an Kinder.

Bei der von foodwatch ausgerufenen Online-Wahl zum Goldenen Windbeutel auf www.goldenerwindbeutel.de haben sich vom 18. April bis zum 15. Mai 2013 insgesamt 119.835 Verbraucher beteiligt. Das Ergebnis im Detail:

  • Capri-Sonne von Wild/SiSi-Werke: 51.054 Stimmen / 42,6 %
  • Paula von Dr. Oetker: 26.231 Stimmen / 21,9 %
  • Kosmostars von Nestlé: 24.710 Stimmen / 20,6 %
  • Monsterbacke Knister von Ehrmann: 11.580 Stimmen / 9,7 %
  • Pom-Bär von funny-frisch (Intersnack): 6.260 Stimmen / 5,2 %

Capri-Sonne richtet sich mit einer ganzen Reihe von Marketingaktivitäten direkt an Kinder und sucht dabei gezielt die Nähe zum Sport. Capri-Sonne tritt als Sponsor und Veranstalter von Sportevents für Kinder auf, betreut Kinder in Hotelanlagen, spricht diese gezielt mit einer Internetseite an und macht sie über ihre facebook-Seite zu Markenbotschaftern. Bis Anfang Mai verbreitete der Hersteller zudem werbliches Unterrichtsmaterial an Grundschullehrer, in dem Kindern die Ernährungsempfehlung ausgesprochen wurde, „viel“ Capri-Sonne zu verzehren. Nach der foodwatch-Kritik stoppte Wild die Verbreitung des Materials – ein erster, kleiner Erfolg des Goldenen Windbeutels 2013.

Anders als in den Vorjahren hatte foodwatch beim Goldenen Windbeutel 2013 nicht die Werbelüge des Jahres, sondern die dreisteste Werbemasche bei einem Kinderprodukt gesucht. Nachdem in den Jahren 2009 bis 2012 das Thema Etikettenschwindel im Blickpunkt stand, möchte foodwatch nun das Problem der Fehlernährung bei Kindern und die Verantwortung der Lebensmittelindustrie in den Fokus rücken. Bei einem Marktcheck mit mehr als 1.500 Produkten hat foodwatch 2012 belegt, dass drei Viertel der direkt an Kinder vermarkteten Lebensmittel zur Kategorie der süßen oder fettigen Snacks gehören. Das Angebot folgt einer ökonomischen Logik: Während die Gewinnmargen bei Obst und Gemüse unter 5 Prozent liegen, betragen sie bei Junkfood, Soft-Drinks und Süßwaren bis zu 18 Prozent. Lebensmittelhersteller haben daher ein finanzielles Interesse daran, möglichst viele unausgewogene Kinderprodukte zu verkaufen.

Obwohl foodwatch den fünf nominierten Unternehmen bereits zum Start der Abstimmung einen Besuch beim Gewinner für den heutigen Tag angekündigt und um ein Gespräch angefragt hatte, machte Wild die Schotten dicht. Das Unternehmen lehnte die Annahme des Preises ab. Die Pförtner forderten zunächst Fernsehteams und Hörfunkjournalisten auf, ihre Aufnahmen zu stoppen. Im Pförtner-Häuschen sagten sie den foodwatch-Aktivisten dann unter Ausschluss von Medienvertretern, dass die Geschäftsführung nicht im Hause sei und kein Unternehmensvertreter für ein Gespräch zur Verfügung stehe. Die goldene Windbeutel-Skulptur mussten die foodwatch-Aktivisten wieder mitnehmen: „Wir dürfen keine Gegenstände annehmen“, so die Pförtner. „Wir sollen ausrichten, dass die Deutsche SiSi das Geschenk nicht annimmt.“ Die Aufforderung „Lasst die Kinder mit Zuckerbomben-Marketing in Ruhe“ ließ foodwatch als alternatives „Geschenk“ auf der Straße vor der Pforte zurück.

Die Pförtner händigten lediglich eine schriftliche Stellungnahme aus, in der der Hersteller zwar erklärt, dass er (wie vorgeschrieben) alle Zutaten „vollständig“ und „auf jedem Beutel“ deklariert – aber mit keiner Silbe auf die Kritik am aggressiven Marketing bei Kindern eingeht.
Ihr foodwatch Team

Böse, böse Dickmacher

Am 19.05.2013 erschien in der Welt am Sonntag unter dem Titel „Böse, böse Dickmacher“ ein Porträt über foodwatch. Nach Auffassung von foodwatch ist der Text in hohem Maße tendenziös, verzerrend und leider auch fehlerhaft. In einer ausführlichen Stellungnahme äußert sich foodwatch zu den Vorwürfen, zu denen die Verbraucherorganisation im Vorfeld der Veröffentlichung größtenteils nicht einmal befragt wurde. Hier die ersten Zeilen des Artikels:

——

Böse, böse Dickmacher
Foodwatch inszeniert sich als David im Kampf gegen eine mächtige Industrie. Dabei übt die kleine Verbraucherorganisation mittlerweile selbst großen Einfluss aus – mit umstrittenen Methoden.
Grau ist der Mittwoch dieser Woche in Heidelberg-Eppelheim. Das winzige Trüppchen Demonstranten am Werkstor des Getränkeherstellers Wild fällt trotzdem auf. Eine Aktivistin steckt in einem Capri-Sonne-Orange-Kostüm und klagt in die Kamera der ARD: „Ich bin ein übersüßer Dickmacher und werde viel zu viel von Kindern verzehrt.“ Ein junger Mann in knallroter Regenjacke versucht, einen fußballgroßen goldenen Windbeutel an den Pförtner des Unternehmens zu überreichen. Der Mann verweist die Demonstranten unwirsch vom Firmengelände.
bitte lest zunächst den vollständigen Artikel bei WELT.de  – weiter

Als Initiator des Kritischen Netzwerkes halte ich es für enorm wichtig, immer wieder aufzuzeigen, mit welcher Polemik und journalistischen Unkorrektheiten führende (Mainstream-)Medien hierzulande permanent aufrechte Einzelkämpfer und NGOs – wie in diesem Falle foodwatch e.V. – in der breiten Öffentlichkeit vorführen und verunglimpfen. Die wirtschaftlichen Interessen großer Tageszeitungen und anderer Medien sind natürlich legitim und damit auch ein positives, wohlwollendes Verhältnis zu den Werbekunden, aber eine dringend notwendige Verbraucheraufklärung durch sachliche wie nachweisbare Fakten bleibt oftmals auf der Strecke. Und hier kommen wir ins Spiel: partei- und wirtschaftsunabhängige alternative NGOs, Medien und Blogger.

Die offizielle Stellungnahme von foodwatch zum foodwatch-Porträt in der Welt am Sonntag vom 19.5.2013 muss deshalb im KN eine besondere Aufmerksamkeit erfahren und ich bitte alle LeserInnen, sich daraus selbst eigene Gedanken zu machen und mögliche Konsequenzen hinsichtlich Kauf- und Leseverhalten zu ziehen. Den engagierten Frauen und Männern des Vereines foodwatch e.V. gebührt jedenfalls mein Respekt und darf sich eines weiteren medialen Supports durch das Kritische Netzwerk sicher sein.

——-

Stellungnahme zum foodwatch-Portrait „Böse, böse Dickmacher“ in der Welt am Sonntag vom 19. Mai 2013
Berlin, 20. Mai 2013

Wir freuen uns über das Interesse der Welt am Sonntag (WamS) an foodwatch – es ist ja nicht alltäglich, dass ein fünfköpfiges Autorenteam sich mit der Arbeit einer NGO befasst. Dabei haben wir nicht den Anspruch, dass unsere Positionen am Ende von jedem geteilt werden. Selbstverständlich freuen wir uns auch über die notwendige kritische Begleitung, wenn sie fair und nach guter journalistischer Praxis erfolgt. Der am 19. Mai erschienene Text „Böse, böse Dickmacher“ ist jedoch in hohem Maße tendenziös, verzerrend und leider auch fehlerhaft. Viele Faktendarstellungen von Autoren und Zitatgebern halten einer Überprüfung nicht stand, zu den meisten im Text transportierten Vorwürfen ist foodwatch noch nicht einmal befragt worden.

Die Vermutung drängt sich auf, dass da die These des Artikels von Vornherein feststand und durch allzu viel Recherche auch nicht zerstört werden sollte – dies zeigt sich in jeder Passage des Textes und war auch bereits unser Eindruck , als uns in der vergangenen Woche die Anfrage des Redaktions-Hospitanten erreicht hat.

Gern möchten wir eine Reihe von Punkten richtigstellen und geraderücken:
1. Die Fehlerkette beginnt schon beim Aufmacher-Bild, das die WamS aus unserem Presse-Downloadbereich entnommen hat, und der zugehörigen Bildunterschrift: Bei den gezeigten handelt es sich keineswegs, wie die WamS schreibt, um „von foodwatch als ungesund eingestufte Produkte“, sondern schlichtweg um eine von foodwatch unkommentiert gelassene Zusammenstellung von Kinderlebensmitteln, die die Vielfalt von Verpackungsgestaltungen zeigen sollen, mit denen Lebensmittelhersteller Kinder ansprechen. Die angebliche Einstufung als „ungesund“, die bei einigen der abgebildeten Produkte zudem unsinnig ist, ist eine freie Erfindung der Redaktion.

2. Die Autoren erwecken durch ihre reportage-artige Schilderung im Einstieg des Textes den Eindruck, sie wären sie bei der foodwatch-Aktion zur Verleihung des Goldenen Windbeutels bei Capri-Sonne in Heidelberg-Eppelheim dabei gewesen. Tatsächlich war kein Vertreter der Welt oder der WamS vor Ort. foodwatch hätte diese Möglichkeit gern eingeräumt, es gab jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Anfrage für die Teilnahme an der Aktion.

3. Frei erfunden ist die Darstellung, dass am vergangenen Freitag foodwatch-Mitarbeiter „gemeinsam die Resonanz der Windbeutel-Kampagne“ auswerteten – auch wenn die Autoren den Eindruck erwecken, bei einer solchen Besprechung dabei gewesen zu sein, es gab keine solche. Das mag zwar eine Kleinigkeit sein, zeigt jedoch, wie genau es die WamS-Autoren mit der Wahrheit nehmen. Nach einem unangekündigten Überraschungsbesuch des Redaktionshospitanten am Freitagmorgen, der „zufällig in der Gegend“ gewesen zu sein vorgab, hatten sich vielmehr zwei foodwatch-Mitarbeiter die Zeit genommen, Fragen zum Goldenen Windbeutel im Interview mit dem WamS-Hospitanten zu beantworten.

So ungewöhnlich dieses Vorgehen, so ungewöhnlich der gesamte Weg der WamS-Recherchen: Der Redaktionshospitant hatte in der vergangenen Woche in der foodwatch-Pressestelle angefragt, ob er kurzfristig einen Tag im foodwatch-Büro verbringen könne, um Eindrücke zu gewinnen. Solche Besuche machen wir zwar grundsätzlich immer wieder möglich (in der Vergangenheit auch schon für eine Journalistin der Welt), aus zeitlichen Gründen mussten wir dies wegen der Verleihung des Goldenen Windbeutels für die vergangene Woche jedoch absagen. Stattdessen hatten wir wunschgemäß für Freitag ein Telefonat zum Goldenen Windbeutel in Aussicht gestellt. Daraus wurde dann der beschriebene Überraschungsbesuch und im Anschluss eine Reihe von E-Mails, in denen der Redaktionshospitant foodwatch mit verschiedenen Vorwürfen in Form von Zitaten konfrontierte, über deren Urheber er größtenteils noch nicht einmal informiert war. Zu allen Fragen und Vorwürfen haben wir ausführlich mit Stellungnahmen geantwortet, was nur zu einem geringen Teil redaktionell berücksichtigt wurde. Zum Großteil der im Text genannten Kritikpunkte und Vorwürfe wurde foodwatch jedoch gar nicht erst um Stellungnahme gefragt. Dies widerspricht nicht nur den Grundregeln journalistischen Arbeitens, sondern führt auch zu einer Reihe von Falschdarstellungen und Verzerrungen, auf die wir im Folgenden eingehen möchten.

4. Die WamS macht sich leider nicht die Mühe, die von foodwatch im Zuge der Wahl zum Goldenen Windbeutel formulierte Kritik korrekt oder vollständig wiederzugeben. Diese befasst sich vor dem Hintergrund des unter Kindern grassierenden Übergewichts mit den vielfältigen und aggressiven, gezielt auf Kinder zielenden Marketingmethoden für unausgewogene Produkte, so zum Beispiel für dem stark zuckerhaltigen Soft Drink Capri-Sonne, der aus der Online-Wahl als „Sieger“ hervorging. Hätten die Autoren diesen Zusammenhang aus gesundheitlichen Problemen, unausgewogenen Produkten und aggressivem Marketing gezielt an Kinder dargestellt, so wäre dem Leser auch schnell klar gewesen, dass das vom Capri-Sonne-Hersteller zur Entgegnung angeführte und von der WamS ohne Einordnung übernommene „Argument“, dass der Hersteller schließlich auch ein „Capri-Sonne Bio-Schorly“ anbiete, mit der eigentlichen Kritik überhaupt nichts zu tun hat – auf diese ist das Unternehmen in seiner Stellungnahme nämlich gar nicht erst eingegangen. Stattdessen hat es nach der foodwatch-Kritik die Verbreitung von „Unterrichtsmaterialien“ an Grundschullehrer, die in Wahrheit Werbebroschüren für Capri Sonne sind, gestoppt . Ebenfalls eine bekannte Tatsache, die die WamS unerwähnt lässt.

► bitte lest die vollständige foodwatch – Stellungnahmeweiter 

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Mai
05
2013
6

Finger weg von unseren Feldern!

Diesen Aufruf von Utopia will ich doch auch gerne an dieser Stelle verbreiten:

Neue EU-Richtlinie bedroht die Saatgut-Vielfalt

Finger weg von unseren Feldern!

Alle Bauern haben bald die gleichen Kartoffeln und wir sind die Dummen! Die EU-Kommission will einen Entwurf zur Neuregelung des Saatgutrechts verabschieden, der die Vielfalt unserer Obst- und Gemüsesorten gefährdet. Agrarkonzerne wie Monsanto, Syngeta und BASF würden vom Einheitsbrei auf dem Feld proftieren. Lassen Sie nicht die Konzerne bestimmen, was Sie essen und unterzeichnen Sie jetzt die Petition.

Glauben Sie an die Vielfalt und daran, dass es von ein und derselben Nutzpflanze viele Arten geben sollte? Sollten Ihrer Meinung nach auch in Zukunft seltene Apfel- und Kartoffelsorten im Handel erhältlich sein? Finden Sie, dass ein Bauer selbst darüber entscheiden soll, welche Samen er aussäht? Dann werden Ihnen die EU-Pläne zum Saatgutrecht nicht gefallen.

Konzerne wollen unser Essen kontrollieren

Am 06. Mai 2013 wird die Kommission einen Gesetzesentwurf zur Neuregelung des Saatguts vorlegen. In diesem Entwurf soll es Bauern und Händlern verboten werden, Saatgut zu verkaufen oder zu verwenden, das nicht von der EU lizenziert worden ist. Mit anderen Worten: Ein Bauer kann aus seiner eigenen Ernte kein eigenes Saatgut erzeugen oder es weiter geben, falls dies nicht lizensiert ist.

Die Lizenzierung des Saatguts ist aufwendig und kostspielig. Alte und regionale Sorten würden von der Bildfläche verschwinden. Den industriell genormten Hybridsamen (eigens gezüchtete Sorten) von Monsanto, Syngeta, BASF & Co. würde der Weg geebnet. Wenig verschiedene Sorten bedeuten niedrige Erzeugungskosten durch billige Massenproduktion, die Konzerne würden somit ihren Profit maximieren. Und könnten bald kontrollieren, welche Pflanzensorten in der EU noch angebaut und gehandelt werden. Wir dürften nicht mehr selbst entscheiden, was in unseren Beeten oder auf unserem Teller landet.

(…) Es liegt nun an den verantwortlichen Politikern und EU-Abgeordneten der einzelnen Länder, diesen Entwurf im EU-Parlament abzuschmettern. Bei der gentechnik- und industriekritischen Organisation Save our Seeds können Sie eine Petition gegen die Neuregelung unterzeichnen. Bei Unterzeichnung wird außerdem automatisch eine E-Mail an die Agrarministerin Aigner und die deutsche EU-Kommission versendet, Ihrer Stimme wird also gleich doppelt Ausdruck verliehen. Zeigen Sie unseren Politikern, dass wir Vielfalt statt Einheitsbrei auf dem Teller wollen!

Auch die BR-Sendung quer befasste sich mit dem Thema:

Im Mai will die EU eine neue Saatgut-Verordnung vorstellen. Obwohl noch keine Details bekannt sind, vermuten viele, dass damit die Vormachtstellung der großen Saatgut-Konzerne gestärkt werden wird. Schon heute darf in der EU nur Saatgut von zugelassenen Pflanzen vermarktet werden. Die neue Verordnung sorgt deshalb in Bayerns Kleingärten für helle Aufregung: führen die EU-Pläne am Ende dazu, dass Hobbygärtner künftig auch nur noch zugelassenes Saatgut ausbringen dürfen? Das würde dann wohl die weitere Einschränkung der Artenvielfalt bedeuten.

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Apr
10
2013
14

Die 20 größten Konsumsünden

Auf 3sat läuft gerade die große Themenwoche „Hauptsache Konsum“ – klar, dass ich darauf in meinem Blog gerne verweise. Den Startschuss gaben gestern „Die 20 größten Konsumsünden“. Leider in Form dieser unsäglichen Rankingshows aufgemacht werden in der Sendung doch viele wichtige Punkte angesprochen, die zeigen, wo unser aller Konsum die Probleme der Welt vergrößert.

Die 20 größten Konsumsünden
Worauf unsere Zuschauer nicht verzichten wollen
Wir haben unsere Zuschauer gefragt, worauf sie auf keinen Fall verzichten wollen: Die meisten hängen an ihren Elektroartikeln, Kaffe und dem Auto.
Unser Alltag ist von Konsum geprägt. Doch unser Konsum hat häufig die Ausbeutung von Mensch und Natur zur Folge. Bei vielen Produkten wissen wir das und beruhigen unser Gewissen mit Emissionszertifikaten, „Fairtrade“-Produkten und Bio-Siegeln. Wir suchen Entschädigungen für unser verschwenderisches Leben – doch eines möchten wir nicht: unseren Lebensstil ändern.


Helmut Schnug vom Kritischen Netzwerk hat sich einmal die Mühe gemacht, und die Essenz aus dieser Sendung zu Papier (bzw. Bildschirm) zu bringen. Ihr findet seinen kompletten Beitrag HIER.

In der Themenwoche „Hauptsache Konsum?“ erlaubt 3sat von Montag, 8., bis Freitag, 12. April 2013 Einblicke ins und Gegenentwürfe zum Konsumverhalten der modernen Gesellschaft.
„10.000 Dinge besitzt ein Europäer im Durchschnitt – das meiste davon belastet ihn mehr als es ihm hilft: Autos, Nahrung, Kleider, Smartphones beladen uns mit Informationen, Lärm und mit Müll. Das macht krank, sagen die Soziologen. Tatsächlich ist der Mensch biologisch als Geschöpf des Mangels konzipiert. Das bedeutet: Er kann mit dem Wenigen, was Fauna und Flora zu bieten hat, optimal auskommen. Doch von „Mangel“ kann in der westlichen Welt kaum die Rede sein. Steht die moderne Lebensweise damit im Konflikt zu unserer Natur? Oder ist der moderne Mensch den nächsten Schritt gegangen, und jetzt gepolt darauf, seine Gelüste ausleben? Ein Leben jenseits der 10.000 Dinge ist für die meisten Menschen jedenfalls kaum vorstellbar.
„Worauf wollen wir am wenigsten verzichten?“
Die Abstimmungsfrage der Wissenschaftsshow „Die 20 größten KonsumSünden“ zielt mitten in das Konsumentenherz. Dabei geht es nicht darum, die schwerste Umweltbelastung zu benennen oder den moralisch verwerflichsten Konsum, sondern lediglich um das eigene subjektive Empfinden: Könnte ich eher auf Fleisch verzichten oder auf mein Auto? Ist mir Mode wichtiger als mein Mobiltelefon? Kommentare von Prominenten, Wissenschaftlern, Comedians und Querdenkern ergänzen die Show“. (Quelle 3sat.de)
Ich habe die überaus interessante Filmdokumentation mehrere Male aufmerksam verfolgt und kann für die deutschlandweit praktizierte Gleichgültigkeit, Ignoranz, Dummheit und vor allem aber über die Inkonsequenz vieler Konsumenten nur verständnislos den Kopf schütteln. Die TOP-20 von den Zuschauern gewählten Konsumsünden habe ich hier aufgelistet und zusätzlich mit Fleißarbeit und einer gehörigen Portion Zeitaufwand eine Auswahl der informativsten bzw. markantesten Aussagen des Films in die jeweilige Platzierungen transkripiert. So bleiben die Kernaussagen auch noch bestehen, sollte das Video zur Sendung mal irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Platz 20: Plastikspielzeug

  • Schrille Massenware aus Fernost, die Kinderherzen höher schlagen lässt: bunt, abwaschbar aber leider auch gefährlich für die, die es bespielen
  • Statt Giftstoffe zu reduzieren, erlaubt die EU ab Mitte 2013 sogar höhere Grenzwerte für Schadstoffe wie Arsen, Blei oder Quecksilber – ein Triumph der Spielzeuglobby
  • Produktion in Billiglohnländern mit niedrigen Standards und fehlenden Kontrollen

Platz 19: Kreuzfahrten

  • Titanic-Nervenkitzel, Suche nach Abenteuer und Romantik
  • Kehrseite der schwimmenden Hotels: tonnenweiser Verbrauch von Schweröl (ein Abfallprodukt aus den Raffinerien, das auch zur Herstellung von Teer und Asphalt genutzt wird)
  • der Qualm dieser Dreckschleudern ist hochgiftig, deshalb wechseln sie den Kraftstoff wenn sie in einen Hafen einlaufen (aber längst nicht alle)
  • Hamburg ist die einzigste Stadt, die keine Feinstaubzone hat – warum wohl?
  • Kreuzfahrtschiff verbraucht auf einer Reise soviel wie 5 Mio. Pkws
  • bis 2020 können die Rußschleudern die Natur noch mit ihrem billigen Treibstoff verpesten – erst dann gelten strenge Emissionswerte

… weiter …

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Mrz
26
2013
9

Ein Dorf will vegan leben

Wie Ihr sicherlich wisst, versuche ich in meinem Konsumpf-Blog nicht nur die dunklen Seiten der uns umgebenden Welt zu beleuchten, sondern hin und wieder auch Beispiele für positive Entwicklungen zu geben (reine Nörgel- und Meckerblogs gibt es schon genug). Deshalb möchte ich Euch heute kurz von einer Aktion berichten, die in der Sendung quer zu sehen war – „Fleischloses Thannhausen: Dorf will vegan werden“:

Fleischskandale, Massentierhaltung, Klimawandel – die massenhafte Fleischproduktion hat Schattenseiten, die einem die Lust auf den Braten verderben können. Wie im ganzen Land plagt auch viele Bürger im schwäbischen Thannhausen das schlechte Öko-Gewissen. Über 100 von ihnen machen jetzt ernst und steigen während der Fastenzeit auf vegane Ernährung um – eine Revolution, die den kleinen Ort in Fleischesser und Fleischverweigerer spaltet.

 

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Mrz
14
2013
10

McDonald’s raus aus der Schule!

Diesem Aufruf von Foodwatch schließe ich mich doch gerne an, da ich die schleichende Inflitrierung von Schulen durch Konzern-Propaganda auch schon seit längerem mit Sorge betrachte:

————-

McDonald’s, Edeka & Co. sollen dafür sorgen, dass unsere Kinder in der Schule genug über gesundes Essen, Werbung und Verbraucherschutz lernen? Das klingt absurd, finden Sie? Ist aber genau der Plan des neuen „Bündnisses für Verbraucherbildung“, das von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) unterstützt wird. Neben den Verbraucherzentralen und anderen Organisationen ist auch die Lebensmittelbranche bei dem Bildungsprojekt vertreten: der Lobbyverband des Lebensmittelhandels, McDonald’s, Rewe, Edeka, der amerikanische Konsumgüter-Riese Procter & Gamble und andere. Wir meinen: Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. McDonald’s, Edeka & Co. haben bei Bildungsprojekten an Schulen nichts verloren! foodwatch fordert: Die Ernährungsbildung von Grundschülern darf nicht der Lebensmittelwirtschaft überlassen werden! Unterstützen Sie unseren Protest und schreiben Sie jetzt direkt an Verbraucherministerin Ilse Aigner:

www.foodwatch.de/aktion-schule

Schulen müssen PR- und werbefreie Räume bleiben! Als Frau Aigner gestern das Projekt zur Verbraucherbildung vorstellte, beeilte sich die Ministerin zu betonen, die Unternehmen hätten keinerlei Einfluss auf die inhaltliche Arbeit. Doch wie groß die Einflussnahme wirklich sein wird, lässt sich nur schwer überprüfen. Die Wirtschaftsvertreter sitzen immerhin mit im Beirat jener Stiftung, die das Projekt betreut, und laut den Statuten soll die Strategie mit den Bündnispartnern abgestimmt werden – also auch mit den Geldgebern aus der Industrie.

Auch wenn sicherlich nicht ab morgen Schulhefte mit McDonald’s-Logo in den Klassenräumen liegen: Frau Aigner öffnet mit ihrer Initiative den Unternehmen die Tür in die Schulen – und bietet der Industrie das perfekte Feigenblatt, um von der eigenen Verantwortung abzulenken: Mit dem Verweis auf ihr ach so selbstloses Engagement bei Projekten zur Ernährungsbildung oder zur Sportförderung verhindert die Industrie wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht bei Kindern.

Eine der weltweit renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften (The Lancet) kommt in einem am 23. Februar 2013 veröffentlichten ausführlichen Beitrag mehrerer Wissenschaftler zu einem klaren Ergebnis: Die Versuche, gemeinsam mit der Industrie gegen Fettleibigkeit oder Herz- und Kreislauferkrankungen vorzugehen, sind gescheitert. Stattdessen verlangen die Autoren von der Politik, die Lebensmittelkonzerne öffentlich unter Druck zu setzen, indem sie die Aufmerksamkeit auf deren dubiose Praktiken lenkt und wirksame gesetzliche Regulierungen durchsetzt.

Die Branchenvertreter wissen genau: Ihr vermeintlich selbstloses Engagement für „Ernährungsbildung“ ist das billigste Ablenkungsmanöver, das sie kriegen können. Damit sie weiterhin ungestört Kindern an jeder Ecke profitables Junkfood aufdrängen und sich im Internet mit Gewinnspielen oder im Fernsehen mit ausgetüftelter Werbung für Pudding, Softdrinks, Fastfood & Co. in die Köpfe der kleinen Kunden schleichen können. Das Kalkül ist klar: Um die Regulierung dieses lukrativen Geschäftsmodells auf Kosten der Kinder zu verhindern, werden „unschädliche“ Alibi-Maßnahmen in Schulen gefördert. „Unschädlich“ deshalb, weil die Lebensmittelwirtschaft genau weiß, dass Aufklärungskampagnen oder ein bisschen Ernährungsbildung gegen ihr aggressives Marketing für Junkfood und das schiere Überangebot an ungesunden Produkten sowieso nicht ankommen. Wenn den Konzernen die Ernährung und Gesundheit von Kindern tatsächlich am Herzen liegen würden, würden sie aufhören, überzuckerte Frühstücksflocken für Kinder herzustellen, Soft-Drinks an Schulen oder Fast Food mit Spielzeugbeigaben zu verkaufen. Das aber würde den Absatz ihrer profitabelsten Produkte schmälern, und daran hat die Wirtschaft selbstverständlich überhaupt kein Interesse. Also legt sie ein bisschen Geld für Verbraucherbildung auf den Tisch – damit sie ansonsten weitermachen kann wie bisher.

Ernährungs- und Verbraucherbildung kann nur wirken, wenn die Politik die Lebensmittelwirtschaft auch dazu zwingt, das Produktangebot zu verbessern und Junkfood-Werbung einzustellen.

Was außerdem nicht verhandelbar ist: Es ist Aufgabe des Staates, die Schulen und die Lehrer mit qualifizierten Unterrichtsmaterialien für die Verbraucher- und Ernährungsbildung auszustatten. Die Profitinteressen der Konzerne haben in den Schulen nichts verloren. Deshalb müssen die Unternehmen aus dem Bündnis ausgeschlossen werden. Helfen Sie uns: Protestieren Sie jetzt direkt bei Verbraucherministerin Ilse Aigner – McDonald’s, Edeka & Co. raus aus den Schulen!

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Mrz
12
2013
5

Fernsehtipps: Die Tricks der Pharmaindustrie und Zeitbombe Zucker

Ja Mist, da habe ich doch etwas zu lange mit dem Posting gewartet – gestern Abend brachte das NDR-Fernsehen nämlich zwei potentiell interessante kritische Beiträge. Der eine, Die Tricks der Pharmaindustrie, beleuchtete das Treiben rund um unsere Gesundheit:

In dieser Folge der NDR Fernsehreihe „Die Tricks der Pharmaindustrie“ steht die große Branche der Pharmaindustrie im Mittelpunkt. Viele Menschen kaufen auf Empfehlung von Arzt oder Apotheker Schmerzmittel, Hustensaft oder Vitaminpillen und geben dafür viel Geld aus. Doch der Nutzen zahlreicher freiverkäuflicher Medikamente ist zweifelhaft. In deutschen Haushalten stapeln sich millionenfach Arzneimittel, die oft gar nichts für die Gesundheit bringen. In falscher Kombination mit anderen Medikamenten können sie sogar lebensgefährlich sein.

Die Pharmabranche arbeitet mit allen Tricks. Durch Anzeigen und Werbefilme weckt sie bei Verbrauchern Hoffnung und verspricht Heilung durch Medikamente, die in Wirklichkeit nicht helfen. Jo Hiller, Moderator vom NDR Verbrauchermagazin Markt, will mit dem Medikamenten-Wahnsinn aufräumen. Gemeinsam mit dem Redaktionsteam macht er den Preischeck von Medikamenten, testet die Beratung in Apotheken und klärt auf, welche Präparate helfen und welche überflüssig sind.

Die Sendung wird am Mittwoch um 6:30 Uhr wiederholt – und ist auch in der Mediathek zu sehen.

Noch spannender ist sicherlich 45 Min – Zeitbombe Zucker. Denn Zucker nimmt jeder Deutsche täglich in großen Mengen zu sich, zum Teil gar nicht bewusst, da er Bestandteil vieler anderer Lebensmittel ist:

Der Zuckerkonsum in Deutschland steigt ständig: Inzwischen verbraucht der Deutsche pro Kopf und Jahr mehr als 34 Kilogramm Zucker. Aber welche Folgen hat das? Macht Zucker süchtig oder gar krank, wie es inzwischen viele Wissenschaftler annehmen?

45 Min will wissen: Wie gefährlich ist Zucker? Die Dokumentation folgt einer norddeutschen Familie im Alltag und beobachtet deren Ess- und Einkaufsgewohnheiten. Dabei zeigt sich, dass Zucker in fast allen Produkten zu finden ist, offen, aber vor allem versteckt. Mediziner, Ernährungs- und Suchtexperten liefern den neuesten Stand der Forschung. Und Politiker werden mit der Frage konfrontiert, warum vor den Folgen des übermäßigen Zuckerkonsums nicht gewarnt wird.

Auch diese Doku steht in der Mediathek – HIER.

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