Apr
10
2013
14

Die 20 größten Konsumsünden

Auf 3sat läuft gerade die große Themenwoche „Hauptsache Konsum“ – klar, dass ich darauf in meinem Blog gerne verweise. Den Startschuss gaben gestern „Die 20 größten Konsumsünden“. Leider in Form dieser unsäglichen Rankingshows aufgemacht werden in der Sendung doch viele wichtige Punkte angesprochen, die zeigen, wo unser aller Konsum die Probleme der Welt vergrößert.

Die 20 größten Konsumsünden
Worauf unsere Zuschauer nicht verzichten wollen
Wir haben unsere Zuschauer gefragt, worauf sie auf keinen Fall verzichten wollen: Die meisten hängen an ihren Elektroartikeln, Kaffe und dem Auto.
Unser Alltag ist von Konsum geprägt. Doch unser Konsum hat häufig die Ausbeutung von Mensch und Natur zur Folge. Bei vielen Produkten wissen wir das und beruhigen unser Gewissen mit Emissionszertifikaten, “Fairtrade”-Produkten und Bio-Siegeln. Wir suchen Entschädigungen für unser verschwenderisches Leben – doch eines möchten wir nicht: unseren Lebensstil ändern.


Helmut Schnug vom Kritischen Netzwerk hat sich einmal die Mühe gemacht, und die Essenz aus dieser Sendung zu Papier (bzw. Bildschirm) zu bringen. Ihr findet seinen kompletten Beitrag HIER.

In der Themenwoche “Hauptsache Konsum?” erlaubt 3sat von Montag, 8., bis Freitag, 12. April 2013 Einblicke ins und Gegenentwürfe zum Konsumverhalten der modernen Gesellschaft.
“10.000 Dinge besitzt ein Europäer im Durchschnitt – das meiste davon belastet ihn mehr als es ihm hilft: Autos, Nahrung, Kleider, Smartphones beladen uns mit Informationen, Lärm und mit Müll. Das macht krank, sagen die Soziologen. Tatsächlich ist der Mensch biologisch als Geschöpf des Mangels konzipiert. Das bedeutet: Er kann mit dem Wenigen, was Fauna und Flora zu bieten hat, optimal auskommen. Doch von “Mangel” kann in der westlichen Welt kaum die Rede sein. Steht die moderne Lebensweise damit im Konflikt zu unserer Natur? Oder ist der moderne Mensch den nächsten Schritt gegangen, und jetzt gepolt darauf, seine Gelüste ausleben? Ein Leben jenseits der 10.000 Dinge ist für die meisten Menschen jedenfalls kaum vorstellbar.
“Worauf wollen wir am wenigsten verzichten?”
Die Abstimmungsfrage der Wissenschaftsshow “Die 20 größten KonsumSünden” zielt mitten in das Konsumentenherz. Dabei geht es nicht darum, die schwerste Umweltbelastung zu benennen oder den moralisch verwerflichsten Konsum, sondern lediglich um das eigene subjektive Empfinden: Könnte ich eher auf Fleisch verzichten oder auf mein Auto? Ist mir Mode wichtiger als mein Mobiltelefon? Kommentare von Prominenten, Wissenschaftlern, Comedians und Querdenkern ergänzen die Show”. (Quelle 3sat.de)
Ich habe die überaus interessante Filmdokumentation mehrere Male aufmerksam verfolgt und kann für die deutschlandweit praktizierte Gleichgültigkeit, Ignoranz, Dummheit und vor allem aber über die Inkonsequenz vieler Konsumenten nur verständnislos den Kopf schütteln. Die TOP-20 von den Zuschauern gewählten Konsumsünden habe ich hier aufgelistet und zusätzlich mit Fleißarbeit und einer gehörigen Portion Zeitaufwand eine Auswahl der informativsten bzw. markantesten Aussagen des Films in die jeweilige Platzierungen transkripiert. So bleiben die Kernaussagen auch noch bestehen, sollte das Video zur Sendung mal irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Platz 20: Plastikspielzeug

  • Schrille Massenware aus Fernost, die Kinderherzen höher schlagen lässt: bunt, abwaschbar aber leider auch gefährlich für die, die es bespielen
  • Statt Giftstoffe zu reduzieren, erlaubt die EU ab Mitte 2013 sogar höhere Grenzwerte für Schadstoffe wie Arsen, Blei oder Quecksilber – ein Triumph der Spielzeuglobby
  • Produktion in Billiglohnländern mit niedrigen Standards und fehlenden Kontrollen

Platz 19: Kreuzfahrten

  • Titanic-Nervenkitzel, Suche nach Abenteuer und Romantik
  • Kehrseite der schwimmenden Hotels: tonnenweiser Verbrauch von Schweröl (ein Abfallprodukt aus den Raffinerien, das auch zur Herstellung von Teer und Asphalt genutzt wird)
  • der Qualm dieser Dreckschleudern ist hochgiftig, deshalb wechseln sie den Kraftstoff wenn sie in einen Hafen einlaufen (aber längst nicht alle)
  • Hamburg ist die einzigste Stadt, die keine Feinstaubzone hat – warum wohl?
  • Kreuzfahrtschiff verbraucht auf einer Reise soviel wie 5 Mio. Pkws
  • bis 2020 können die Rußschleudern die Natur noch mit ihrem billigen Treibstoff verpesten – erst dann gelten strenge Emissionswerte

… weiter …

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Jan
16
2013
0

Generation Solidarität

Das ist doch mal eine mehr als erfreuliche Initiative des Senders ARTE – die deutsch-französische Sendeanstalt hat eine eigene Website namens Generation Solidarität eingerichtet, auf der sie europaweite Initiativen und Aktionen sammelt und vorstellt, die sich für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft und kritische Berichterstattungen (wie das geplante Störsender.tv) einsetzen. So geht es in den vielfältigen Beiträgen um die Energiewende, um solidarisches Einkaufen, um Streetart, um die Bücherbox und um biologische Landwirtschaft. Also sehr spannende Themen – schaut doch mal rein!

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Aug
22
2012
8

Bulb Fiction – Die dunkle Seite der Glühbirne

Es ist wirklich schrecklich, dass ich meinen Konsumpf-Blog aktuell so brach liegen lassen muss, aber leider gehen andere Dinge aktuell vor. Dennoch will ich Euch diesen interessanten Doku-Tipp eines Lesers nicht vorenthalten, der gut hier hinein passt: „Bulb Fiction“.

Der Dokumentarfilm Bulb Fiction nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um Macht und Machenschaften der Industrie, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten” zu portraitieren. Es geht um die Macht der Industrie und ihrer Lobbys, die Verstrickung der Politik in diese Machtstrukturen, um Profit und Scheinheiligkeit, um bewusste Fehlinformation. Es geht aber auch um die prinzipielle Frage, ob die Qualität des visuellen Umfelds, und somit unsere Lebensqualität, anderen Belangen ohne weiteres unterzuordnen ist. Die Güte des uns umgebenden Lichts stellt einen nicht zu unterschätzenden Wert dar, ein Wert, den man nicht am Altar eines reinen Umweltgewissens unüberlegt opfern sollte.

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Jun
04
2012
0

Lesetipps: Red-Bull-Kapitalismus | Kreuzfahrten | Soziale Netzwerke | Gärtnern in der Stadt

Da ist er also, der Juni. Kein Sommer in Sicht, also ideale Voraussetzungen, um ein bisschen was zu lesen. Beispielsweise das Feature des Freitag über den Red Bull-Konzern und seine epidermische Ausbreitung im Sportbereich. Mal unabhängig davon, was man nun von der Blubberbrause halten mag, ist das Vorgehen von RB „beispielhaft“ – in dem Sinne, dass man sieht, in welche Richtung sich der Sport bewegen wird, da er den gleichen Gesetzen der kompletten Durchkommerzialisierung unterworfen ist, wie andere Lebensbereiche auch. Schön ist das nicht. „Red-Bull-Kapitalismus“:

Red Bull ist mehr als ein Getränk, ein Energiespender, ein Lebensgefühl. Ja, es ist mehr als nur ein Produkt. Es verkörpert die aktuellste Form des Kapitalismus

Getränke eignen sich als Prophezeiungen des jeweils neuesten Stadiums des Kapitalismus besonders gut. In ihnen sind die Aspekte von Lebens- und Genussmittel, Differenz und Mainstreaming, Image und Illusion besonders ausgeprägt – und das umso mehr, als sich die Welt gerade das Rauchen abgewöhnt. Die meisten von ihnen kokettieren damit, mehr als ein Getränk zu sein, Lifestyle und Lebensfreude auszudrücken oder auch einen besonderen Status zu haben: die legale Droge. Wenn im Folgenden also vom verflüssigten Kapitalismus im weiteren Sinne und den Red-Bull-Kapitalismus im engeren Sinne die Rede ist, dann um zu beschreiben, wie die Macht vom Produzenten auf den Distribuenten übergegangen ist. (…)

Der entscheidende Impuls für eine Distributionsdominanz in Postdemokratie und Neoliberalismus ist die Verknüpfung eines (mehr oder weniger virtuellen) Produkts mit den Sphären der Freizeit und der Medien, aber auch mit anderen kontrollierbaren und übernehmbaren „Events“ und Institutionen wie Kunst, Pop und sogar Medizin, Politik und Bildung – kurz gesagt: die Blödmaschinen. Die Dominanz kann sich auf dem Freizeit- und Kulturmarkt realisieren, weil sie zu Blödmaschinen geworden sind, und umgekehrt werden Medien, Spektakel und „kulturelle“ Institutionen zu Blödmaschinen, weil sie sich für die Herstellung und Festigung der Distributionsdominanz oligarchischer Interessen zu Beihelfern machen lassen. Die Medien sind nicht einfach „Opfer“ von Ökonomisierung und Privatisierung, sondern sie sind Teil der Wandlung des Produktions- in den Distributionskapitalismus. Daher geht es eben nicht allein um die „Kultivierung“ einer Marke wie „Red Bull“, sondern vielmehr um die Red-Bullisierung kultureller Institutionen. (…)

Ebenfalls sich ausbreitend wie die Pest sind Kreuzfahrten – früher ein exklusiver Luxus für wenige, heute längst Massentourismus. Mit den in unserem Wirtschaftssystem nahezu zwangsläufigen Folgen: Umweltverschmutzung, Ausbeutung und Profitmaximierung auf dem Rücken der Kunden. Darüber berichtete vor einer Weile pressetext.at: „Kreuzfahrten: Kundenabzocke auf Dreckschleudern. Schifffahrtsbranche anlässlich des Titanic-Jahrestages unter Druck“:

Kreuzfahrten sind weniger sicher als Anbieter propagieren, nehmen Kunden wie auch Beschäftigte aus und schaden der Umwelt. Mit scharfer Kritik durchkreuzt Ross A. Klein von der Memorial University in St. John’s http://ucs.mun.ca anlässlich des 100. Jahrestages der Titanic-Katastrophe die gängigen Vorstellungen über die “weißen Riesen der Weltmeere”. Mit sozial- und umweltverantwortlichem Urlaub hat die Branche gar nichts zu tun, so das Resümee des Kreuzfahrt-Kritikers. (…)

(…) Ein weiterer Kritikpunkt der Meeres-Kolosse sind deren verheerende Ökobilanz. “Pro Passagierkilometer produziert ein typisches Kreuzfahrtschiff mehr als drei Mal so viele Treibhausgase pro Kilometer als eine Boeing 747. Grund dafür ist das Schweröl, mit dem die Schiffe unterwegs sind”, erklärt Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms http://greenpeace.at auf Anfrage von pressetext. (…)

Kommen wir mal lieber zu erfreulicheren Trends – wie dem, dass auch in Städtenimmer mehr Selbstversorgung via eigenen oder Gemeinschaftsgärten betrieben wird. Karmakonsum brachte vor kurzem eine Rezension des Buches „Gärtnern in der Stadt“ von Martin Rasper, das sich mit dieser Entwicklung befasst:

Nachdem das Buch deutlich gemacht hat, warum das Gärtnern gerade in Zeiten einer vernetzten Welt über die private Ebene hinaus auch eine sehr politische Angelegenheit ist, gibt es zu guter Letzt noch wunderbar nützliche Tipps für die eigene Umsetzung, die nachdem man dieses Buch gelesen hat, nicht lange auf sich warten lassen dürfte. Um mit den etwas schrägen Worte aus dem Buch zu schließen: „Vielleicht haben die Gärten sich vorgenommen, die Welt zu retten. Wir sollten sie dabei unterstützen.“

Übrigens, die Webseite gutenahrung.de hat eine interessante Infografik über die Essgewohnheiten der Deutschen veröffentlicht:

Nahrung und Ernährung Deutschland
Via: Gute Nahrung

Was täten wir nur ohne die „sozialen Netzwerke“ im Internet? Kaum etwas (vielleicht noch neben Ebay und Pornoseiten) hat dem Netz so zum Durchbruch bei der breiten Masse verholfen wie die Möglichkeit, sich mit seinen Freunden und virtuellen Bekannten zu vernetzen und auszutauschen. Claudia Klinger macht sich in „Von der Personalisierung des großen Gesprächs“ so ihre Gedanken über die möglichen (negativen) Folgen und Nebenwirkungen einer Facebook-„Gefällt mir“-Kultur:

(…) Ok, das kann und darf jeder machen, wie er mag. Erwähnenswert erscheint es mir, weil ich ja selber merke, dass das Kommentieren auf Blogs abgenommen hat, und dass sich immer mehr Menschen den andersartigen Strukturen der “Sozialen Netze” unterwerfen, um sich auszutauschen. Anders als Blogartikel und Foren sind Gespräche in diesen Netzen nicht nach Themen strukturiert, sondern entlang an Personen – eine grundstürzend ANDERE Situation mit Folgen für das “große Gespräch der vielen mit den vielen”, die kaum mal diskutiert werden.

Wenn Personen wichtiger werden als Themen

Eine Diskussion unter dem Original-Artikel im Blog des Verfassers ist ein duch Thema und Autor/in definier- und erinnerbarer “öffentlicher Ort”. Ein virtueller, jedoch beständiger Platz, der als Agora dienen kann, wo man sich den gemeinsamen Belangen widmet.

Wogegen in den sozialen Netzen nur chaotische Vernetzungen verschiedenster Individuen existieren, die vielfach “Things” (Artikel, Videos…) verlinken, wobei gelegentlich unter solchen Verlinkungen Gespräche entstehen. Gespräche, die aber niemals “alle” zu gleichen Bedingungen lesen können, denn A ist ja mit B, C und D vernetzt, wogegen ein User E es nicht mitbekommt, wenn er nicht auch A abonniert/eingekreist hat.

So ergeben sich geschichtslose Kurzzeit-Stimmfühlung-Partys, die binnen Stunden, spätestens Tagen aus der “Sicht” geraten. Letzteres gilt auch für die seltenen hochkarätigen Diskussionen – z.B. die kürzliche Diskussion über Urheberrecht, die ich jetzt nur wieder finden kann, indem ich in den Postings von Stefan Münz zurück blättere, durch dessen Hinweis ich sie fand. Wobei ich mich nur deshalb an die Herkunft der Info erinnern kann, weil ich Stefan seit den Anfängen des Webs kenne. Für die meisten meiner “Vernetzten” gibt es solche Erinnerungsstützen nicht. (…)

Dass Facebook auch ein Tummelplatz für Leute mit „aggressivem Narzissmus“ ist, vermeldet der Guardian: „Facebook’s ‘dark side’: study finds link to socially aggressive narcissism“ (mal ehrlich – geahnt haben wir das doch schon immer! :-) :

Researchers have established a direct link between the number of friends you have on Facebook and the degree to which you are a “socially disruptive” narcissist, confirming the conclusions of many social media sceptics.

People who score highly on the Narcissistic Personality Inventory questionnaire had more friends on Facebook, tagged themselves more often and updated their newsfeeds more regularly.

The research comes amid increasing evidence that young people are becoming increasingly narcissistic, and obsessed with self-image and shallow friendships. (…)

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Mai
01
2012
2

Markt oder Moral

Es gibt ja doch immer wieder mal Dokumentationen im Fernsehen, die die GEZ-Gebühren rechtfertigen – so auch vor kurzem den Beitrag „Markt oder Moral“ in der ARD. Bereits der Titel ist hübsch gewählt, zielt er doch auf den Antagonismus von „freier“ Marktwirtschaft und moralischem Wirtschaften ab, der unser System durchzieht. In der 45minütigen Sendung wird der Frage nachgegangen, welche Folgen die Produktion unserer Waren weltweit haben und fühlt dabei renommierten deutschen Firmen wie Thyssen-Krupp auf den Zahn. Der von den Medien gerne als Wirtschaftsexperte hofierte Hans-Olaf Henkel zeigt sich hier auch von seiner unangenehmsten neoliberalen Hardliner-Seite. Wenn man mal von dem etwas merkwürdigen und arg naiv wirkenden Beginn absieht, wo sich der Autor beim Autokauf überlegt, welchen Wagen er denn ruhigen Gewissens kaufen könne – selbstverständlich ist die Produktion dieser Wagen immer mit Umweltzerstörung verbunden, schon allein beim Abbau der Rohstoffe! –, kann ich die Sendung nur empfehlen.

Was können Verbraucher mit gutem Gewissen kaufen und was nicht? Eine Entscheidung, die immer schwerer wird, denn viele Produkte entstehen mit Kinderarbeit, Niedriglöhnen, Umweltzerstörung. Während in Europa strengere Gesetze und Umweltauflagen gelten, nutzen viele international tätige Konzerne den niedrigen Rechtsstandard in den armen Ländern – und machen Milliardengewinne.

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Aug
31
2011
4

Ryanair – Profit durch Ausquetschen

Fliegen ist ja so eine Sache. Im Prinzip schon eine tolle Erfindung, können Menschen doch so große Strecken in sehr kurzer Zeit überwinden – wenn da nur nicht die Umweltschäden wären, die durch die Herumreiserei ausgelöst werden. Seit es Billiglinien wie Easyjet oder Ryanair gibt, ist Fliegen zudem so preiswert geworden, dass ein Wochenend-Städtetrip für manche Leute ganz alltäglich geworden ist. Auf welche Weise Ryanair allerdings seine niedrigen Preise erreicht, war mir bisher so nicht bewusst – die ARD-Sendung Panorama klärt uns im Beitrag „Ryanair – Heuschrecke grast Subvetionen ab“ aber auf, dass die Profite der Fluglinie letztlich auch durch Quersubventionen aus dem Steuersäckel erreicht werden. So werden die Billigreisen einiger weniger durch die Allgemeinheit mitfinanziert.

“Wer mit uns zusammenarbeiten will, muss Kosten senken”, so Ryanair-Chef O’Leary. Panorama berichtet, wie Ryanair vom Staat Subventionen kassiert und dann weiterzieht.

Im Till-Eulenspiegel-Kostüm kletterte Ryanair-Boss Michael O‘Leary am 23. März in Sachsen-Anhalt aus dem Flieger. Ein PR-Gag, um Aufsehen zu erregen – schließlich hatte der lustige Ire vermeintlich gute Nachrichten im Gepäck: Ryanair wolle ab Sommer 2011 von und nach Magdeburg/Cochstedt fliegen – sehr zu Freude von Stadtvätern und Flughafenbetreibern.

Doch das Hochgefühl war nur von kurzer Dauer: Nach nur vier Monaten kündigte die Billig-Airline an, ihre Flüge ab und zu dem kleinen Regionalflughafen wieder einstellen zu wollen. Mit Beginn des Winterflugplans Ende Oktober zieht Ryanair zum 96 Kilometer entfernten Flughafen Leipzig/Halle in Sachsen um. Die Narrenkappe haben nun die Betreiber von Magdeburg/Cochstedt auf.

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Jul
14
2011
1

Lufthansa tankt Regenwald – Aufruf zum Protest und zur Demonstration

© capcloud, stock.xchng

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Der Blödsinn mit sogenanntem Agrosprit, also Benzin aus Nahrungsmitteln, der seit einigen Jahren in gewissen Kreisen auf der Agenda steht, ist bekanntlich keine wirkliche Lösung für Ölknappheit und dem Ende des Fossilzeitalters. Solange die Menschheit an veralteten und schädlichen Individual-Transportmitteln wie Autos verzweifelt festhält, statt wirklich nachhaltigen Verkehr zu entwickeln, werden auch Schnapsideen wie den, aus Getreide Treibstoff zu machen, wenig bringen. Oder sogar andere Probleme wie die Ernährungskrisen in vielen Ländern, weiter verschärfen. Aus diesem Grund kann ich auch den folgenden Aufruf des Vereins Regenwald e.V. voll und ganz unterstützen:

Liebe Freundinnen und Freunde des Regenwaldes,

die Lufthansa will nun ihre umwelt- und menschenfeindlichen Agrospritpläne umsetzen. Am Freitag startet am Hamburger Flughafen um 11.15 Uhr der erste Linienflug der Lufthansa mit Treibstoff aus Pflanzenölen.
Welche Öle dem Kerosin letztendlich beigemischt werden sollen und woher sie stammen, will die Lufthansa erst zum Start am Freitag bekanntgeben. Bisher war die Rede von Palm- und Jatrophaöl.

Wir haben vielfältig auf die verheerenden Auswirkungen von Agrosprit hingewiesen. Wenn die Lufthansa ihre Pläne realisiert, wird die Nachfrage nach pflanzlichen Treibstoffen weiter steigen. Die Folgen sind die Verteuerung von Nahrungsmitteln, Landvertreibungen und Regenwaldzerstörung in den Ländern des Südens.

Wir stellen zum Thema eine aktuelle Protestaktion online. Beteiligen Sie sich an der Unterschriftenaktion und machen Sie deutlich, dass sich die Lufthansa mit ihrem sogenannten Biosprit auf einem Irrflug befindet.
Die Protestunterschriften werden wir am Freitag bei der Demonstration überreichen.

Zur Protestaktion: http://www.regenwald.org

AUFRUF ZUR DEMONSTRATION
Am Freitag, den 15.07.2011 um 10 Uhr veranstaltet Rettet den Regenwald e.V. eine Protestkundgebung gegen die Biosprit-Pläne der Lufthansa im Hamburger Flughafen.

Bitte unterstützen Sie unsere Kundgebung. Machen Sie mit Ihrem Protest deutlich, dass Pflanzentreibstoffe keine umweltfreundliche Alternative sind, sondern weltweit zu Ausbeutung und Umweltzerstörung führen. Um möglichst große Aufmerksamkeit zu bekommen, können Sie Banner und Trillerpfeifen mitbringen. Informieren Sie auch Ihre Freunde oder verbreiten Sie unsere Aktion über Facebook:
http://www.facebook.com/event.php?eid=203809196333645

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Jul
05
2011
4

Abgefackelt – Wie Ölkonzerne unser Klima killen

© Kiomi, stock.xchng

Heute möchte ich Euch einen Gastbeitrag von Norbert Rost (Betreiber von peak-oil.com und Mitglied im Postfossil-Institut) präsentieren, der sich auf die letztwöchige ARTE-Doku „Abgefackelt – Wie Ölkonzerne unser Klima killen“ bezieht, die Ihr HIER bei YouTube anschauen könnt.

————-

Die globale Erdölförderung nähert sich ihrem Maximum und trotzdem wird auf diesem Planeten weiter Energie verschwendet, dass es nur so kracht. Das dokumentiert eine aufrüttelnde Doku auf ARTE. Allein in Nigeria fackelt der Ölkonzern Shell und seine Branchenkollegen soviel Gas in freier Natur ab, dass man angeblich die Stromversorgung Deutschlands damit sicherstellen könnte und weder Kohle verfeuern, noch Atome spalten müsste. Das Gas fällt als unerwünschtes Nebenprodukt bei der nigerianischen Ölförderung an und wird einfach abseits der Förderanlagen abgefackelt. „Gas flaring“ nennt sich das. Die Bewohner anliegender Dörfer haben nichts vom Rohstoff-Reichtum unter ihren Füßen – außer einer Vielfalt an Atemwegserkrankungen, Militärpatroullien und dem täglichen Beleg vor Augen, dass man sich in Europa auf kolonialartige Weise doppelt bereichert. Nicht nur, dass das nigerianische Öl in Rotterdam und europäischen Autotanks landet, auch die finanziellen Übersschüsse fließen in europäische Taschen – natürlich überwiegend in die großen.

Wie immer, wenn Öl und Gas verbrannt wird, entstehen neue Gase. Gegen die Mengen an Kohlendioxid, die durch das gas flaring tagtäglich entstehen, nehmen sich die „CO2-Einsparungen“ einzelner subventionierter Photovoltaikanlagen auf dem bayrischen Lande mehr als Alibi-Veranstaltungen reicher Kolonialisten aus, als ernsthafte Versuche, uns das Leben im Treibhaus-Kochtopf zu ersparen. Wäre es der europäischen Politikerkaste ernst, „Klimaschutz“ als Ziel der gesellschaftlichen Umstrukturierung anzustreben, so müsste sie in Windeseile ein paar Millionen Euro Risikokapital verfügbar machen, statt Geld nur zur Kollapsverzögerung in die Finanzwelt zu pumpen. Die ARTE-Doku zeigt auch, dass sich das Gas nutzen ließe, statt es ohne Not abzufackeln. Europa könnte mit einer Handvoll Euros Entwicklungspolitik, Klimaschutz und Menschlichkeit betreiben, indem ein paar Ingenieure sich der technischen Umsetzung widmen und ein paar Juristen der nigerianischen Regierung zeigen, wie man bestehende Gesetze auch gegenüber Großkonzernen wie Shell durchsetzt – denn gas flaring ist auch in Nigeria verboten, nur gibt der Justizminister in der Doku zu, dass er das Verbot nicht durchsetzen kann. Statt sich über Chinas Menschenrechtspolitik zu beschweren und zugleich ängstlich zuzuschauen, wie das neue Weltzentrum in Afrika auf Einkaufstour geht, könnte Europa zur Abwechslung mal clever sein. Wer sich aus militärischen Einsätzen zur Herbeibombung von Demokratie raushalten will (siehe Libyen), darf ruhig etwa Kreativität an den Tag legen, wie Entwicklungspolitik sonst so aussehen könnte.

Dem deutschsprachigen Tankstellennutzer sei gesagt: Du bist Teil dieses Problems! Was du nicht vertankst, muss anderswo nicht aus dem Boden geholt werden. Würdest du bei jedem Gedanken an deinen Tank dir auch bewusst machen, dass du mit deinem Sprit auch das Leiden der Nigerianer und das Vermüllen deiner Atemluft kaufst, würdest du im ersten Schritt Shell-Tankstellen weiträumig umfahren. (Dass du das kannst, wissen wir, ich sage nur: Brent Spar.) Im zweiten Schritt würdest du öfter mal wieder im Wirtshaus statt an der Tanke zapfen. So wie die soziale Vernetzung zunehmen würde, würde der Ölverbrauch sinken. Und glaub mir: Beides werden wir brauchen.

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Jul
04
2011
5

Die dunkle Seite von Volkswagen

Parodien auf Reklamespots und Kritik an Konzernen ist ja quasi mein täglich Brot im Konsumpf, von daher verspüre ich nachgerade eine Verpflichtung, an dieser Stelle auf die neue Greenpeace-Kampagne hinzuweisen, bei der sie sich Volkswagen als neues „Opfer“ ausgesucht haben und ihre Kritik an einem (mir bis dato unbekannten, aber wohl sehr erfolgreichen) VW-Clip festmachen. Hier die Greenpeace-Version:
(Diesen Beitrag weiterlesen…)

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Jun
26
2011
11

WWF – Der Pakt mit dem Panda

Ach ja, da geht sie dahin, die nächste Illusion… letzte Woche musste ich schon mal ein paar kritische Worte zur Bio-Landwirtschaftsindustrie loswerden, und diesmal ist es der World Wildlife Fund (WWF), bekannt aus Funk und Fernsehen und eigentlich seit Jahrzehnten im Dienste von Um- und Tierwelt unterwegs. Dachte ich bisher. Doch nun brachte die ARD eine Doku, die den WWF doch in ein gewisses Zwielicht rückt – „Der Pakt mit dem Panda“ zeigt, wie sich der WWF an Urwaldrodungen, Gensoja- und Palmölplantagen und der Vertreibung von indigenen Völkern beteiligt. Ich kann zwar nicht beurteilen, wie seriös diese Doku ist bzw. ob da einige wenige Einzelfälle zu einem Skandal aufgeblasen werden, aber dennoch ist das, was man da zu sehen bekommt, absolut schockierend.

Grenzenloses Vertrauen in WWF
Der WWF gilt als größte Umweltschutzorganisation der Welt. Fast grenzenlos ist das Vertrauen in seine grünen Projekte. Mit aufrüttelnden Kampagnen zielt der WWF direkt auf´s gute Gewissen der Spender – alle sollen sich beteiligen wenn aussterbende Arten geschützt und das Klima oder der Regenwald gerettet werden.

Die größte Umweltschutzorganisation der Welt
Vor 50 Jahren wurde der WWF gegründet – am 11. September 1961. Heute ist der WWF die einflussreichste Lobbyorganisation für die Umwelt – weltweit. Dank bester Kontakte zur Politik und zur Industrie. Eine ständige Gratwanderung zwischen Engagement und Käuflichkeit. Ein ganzes Jahr arbeitete der Dokumentarfilmer Wilfried Huismann an einem Film, der das grüne Bild des WWF entzaubern wird. Hinter der Öko-Fassade entdeckte der Autor während seiner Dreharbeiten weltweit Geschichten voller Sprengkraft.

Die andere Seite
Die Dokumentation will die Geheimnisse des WWF ergründen. Sie wird zur einer Reise ins Herz des grünen Empire und sie erschüttert den Glauben an den Panda.

Der WWF hat übrigens umgehend reagiert und weist die Vorwürfe auf news.de zurück – „Aufruhr an der Spendenfront“:

(…) Der WWF gab sich angesichts der Vorwürfe überrascht. «Wir haben kein Problem mit Kritik, wenn sie sachlich und faktisch korrekt ist. Aber der Film ist ungenau und fehlerhaft und polemisch, wie wir ganz klar beweisen können», sagte WWF-Pressesprecher Christian Plaep im Gespräch mit news.de.

(…) Eines der extremsten Unkrautbekämpfungsmittel von Monsanto ist demnach Roundup, eine Weiterentwicklung des Herbizids Agent Orange, mit dem die amerikanische Armee während des Vietnamkriegs südostasiatische Regenwälder zerstörte. Die genmanipulierten Sojapflanzen von Monsanto überleben Roundup – alle anderen Pflanzen im Umkreis der Plantage sterben jedoch ab. Trotz dieser extremen Art von Landwirtschaft arbeite der WWF mit Monsanto zusammen, behauptet Huismann in seiner Dokumentation, die Sie hier sehen können.

Es gibt Stimmen im WWF, die eine solche Kooperation richtig finden. Der amerikanische WWF-Vizepräsident Jason Clay gilt als Freund der Gentechnik. Er glaubt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen das Mittel zur umweltfreundlichen und nachhaltigen Landwirtschaft der Zukunft seien. Denn Gentechnik verspricht mehr Ertrag auf weniger Anbaufläche. Der WWF Deutschland distanziert dagegen von der Gentechnik. Das würde er jedoch nur machen, weil es in Europa große Vorbehalte gegenüber Gentechnik gebe, sagt Huismann in seinem Film.

Wie er inzwischen einräumte, steht der WWF als Mitglied am Runden Tisch für verantwortungsvolle Soja (RTRS) tatsächlich im Kontakt zu Monsanto. «Wir wollen mit solchen Konzernen zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen. Es ist der Weg des WWF, die Problemverursacher in den Prozess einzubinden. Nur so können wir etwas bewirken», erklärt Plaep. Grundsätzlich distanziert sich der WWF jedoch von der Gentechnik, so beobachte er auch die Mitgliedschaft von Monsanto im RTRS mit großer Sorge.

Weitere Reaktionen und Kommentare dazu bei Robert Basic, Wirres.net und Indiskretion Ehrensache.

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