Dez
01
2011
0

Surftipp: Destructables – Anleitungen zum Widerspruch

Vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere Leser meines Blogs an meinen Surftipp Centennial Society, in dem ich das umfassende Adbusting/Culture Jamming-Websiteprojekt von Packard Jennings vorstellte. Nun hat Jennings eine neue Seite am Start, die sich mit der gleichen Thematik befasst, also kreativem Widerstand gegen herrschendes Unrecht, passende Antworten auf Reklame- und Marketingzumutungen uvm. Es nennt sich Destructables und ist eine „Do-It-Yourself-Website für Projekte des Protests und kreativen Widerspruchs“ – und passt somit natürlich perfekt in den Konsumpf. Folgendes schreibt der Autor über sein neues Webprojekt (ich übersetze den Text mal eben aus dem Englischen):

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

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Jul
21
2011
11

Surftipp: Umweltbrief.org

Irgendwie ein bisschen zufällig (nämlich über einen Link beim Allgemeinen Europäischen Verbund für Umweltschutz, der sich für regionale Genossenschaften stark macht) bin ich übern den Umweltbrief.org gestolpert. Das Design der Website kommt noch sehr „Web 1.0“-mäßig daher (und dürfte daher auch auf uralten Browsern problemlos anzeigbar sein), allerdings ist es ja der Inhalt, der zählt. Und da haben mich die Betreiber dieses ehrenamtlichen Projekts mit diesen Sätzen, die quasi als Motto auf der Site auftauchen, natürlich sofort geködert:

Damit unsere Arbeit und unsere Meinung frei bleiben können, gibt es im Umweltbrief keine Werbung.

Werbung hat allerdings noch weitere Nachteile:
Sie ist eine Manipulation der Seele, indem sie mit Illusionen spielt. Sie macht die Menschen erst gezielt unglücklich, indem sie neue Bedürfnisse weckt, die sie dann befriedigen müssen, um wieder glücklich zu sein.

Werbung verführt zu unnötigem Konsum, der die ohnehin knapper werdenden Ressourcen des Planeten sinnlos ausbeutet und auch den Klimawandel beschleunigt.

Mein Reden! :-) Inhaltlich wird in dem einmal im Monat erscheinenden Umweltbrief auf viele Themen rund um Umweltschutz, Ökologie, aber auch Wirtschaft und alternative Energien eingegangen, es gibt Tipps für einen pfleglichen Umgang mit den Ressourcen der Erde und es wird auch ein eigenes Elektroauto-Projekt vorgestellt. Das „Abo“ ist kostenlos und erfolgt per E-Mail, oder man sich auch alle Artikel auf der Website durchlesen; ein RSS-Feed wird leider nicht angeboten.

Spannend ist auch die Seite über die Philosophie des Umweltbriefs, der ich absolut zustimmen kann:

In einer Infotainment-Gesellschaft werden wir täglich geflutet von Informationen und Werbung, die mit unseren ureigenen Interessen, Zielen und Bedürfnissen nur noch wenig zu tun haben.
Die Kommunikationslawine behindert Information. Alle Themen – auch Superthemen wie der Klimawandel – haben in den Medien nur eine kurze Halbwertzeit, denn auch die Medien machen ihr Geld mit kurzfristigen Hypes. Sie sind oft auch die Werkzeuge und Vasallen der reichen Lobbies hinter der Szene. (…)

Darüber hinaus ist zu befürchten, dass uns die für uns wirklich bedeutsamen Themen, Nachrichten und Neuigkeiten gezielt verschwiegen werden, denn echte Innovationen und Veränderungen sind oft nicht erwünscht – nicht von der fossilen Wirtschaft, also auch nicht von ihren Politikern. Es reicht ja, wenn wir funktionieren und konsumieren… (…)

Ob Umwelt, Wirtschaft oder Politik – wirkliche Aufklärung kommt meist zu kurz. Manche Nachrichten, die allgemein einfach als gegeben hingenommen werden, bedürfen oft einer Prüfung, Auswertung oder kritischen Kommentierung. Andere müssen sogar erst aus der Versenkung geholt werden, da sie bei den Medien keinen Platz finden.
Viele der aufgetischten “Wahrheiten” sollen ohnehin nur den alten Lobbies und ihrer Machterhaltung dienen. Im Trend ist auch das “Greenwashing” von Industrie und Handel, um mit Alibi-Produkten den Umsatz zu steigern. (…)

(…) Wir, ein team von ehrenamtlich tätigen freien Journalisten, haben uns daher zur Aufgabe gemacht, unsere besondere Aufmerksamkeit auf eben diese wichtigen Themen jenseits vom Mainstream zu legen, um auch heiklen und daher oft unten gehaltenen Nachrichten die Priorität zu verleihen, die sie verdienen – und das kurz und knapp mit weiterführenden Links.
Uns geht es vornehmlich um die Hintergründe und deren Analyse. (…)

Auf der Internetplattform Umweltbrief.org gibt es Nachrichen und Ökotipps zu den Themen

- umweltgerechtes Leben,
- nachhaltiger Konsum,
- Social Business
- gesunde Ernährung,
- ethisch-ökologisches Investment,
- Ökostrom-Anbieter,
- Energiepolitik,
- Umwelttechnologien,
- Erneuerbare Energien,
- Energieeffizienz,
- Ressourceneffizienz,
- alternative Mobilität,
- innovative Elektrofahrzeuge,
- Haushalt,
- Atomkraft-Lügen,
- Klimawandel,
- Öl-Wirtschaft,
- Bürger-Überwachung,
- Mobilfunk-Smok,
- Buch- und Filmtipps,
- Umwelt-Statistiken,
- aktuelle Umwelt-Veranstaltungen,
- spezielle Wasser-Informationen,
- ein Gifte-ABC und vieles mehr. (…)

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Jun
08
2011
3

Buchbesprechung: Ulrich Eicke „Die Werbelawine: Angriff auf unser Bewusstsein“

Ich möchte heute quasi eine Art Doppelposting vom Stapel lassen – denn zum einen will ich Euch eine sehr spannende Website vorstellen und ans Herz legen, die seit einigen Monaten im Netz steht und sich an alle richtet, die die derzeitige Entwicklung in Gesellschaft und Politik skeptisch sehen. „Kritisches Netzwerk“ heißt das Projekt, und der Untertitel „Das Netzwerk mit Forum für kritische Geister und konstruktive Gesellschaftsreformer“ zeigt schon an, dass es sich nicht um ein softes Social Network wie Utopia handelt, sondern um ein Austauschmedium für Menschen mit durchaus fundierter Grundsatzkritik. Natürlich finden auch konsumkritische Themen dort ihren Platz, so das das Kritische Netzwerk perfekt zum Themenkatalog meines Blogs passt:

Das KRITISCHE NETZWERK ist ein neues Internetprojekt und wurde im Dezember 2010 öffentlich. Durch die Zusammenführung von Menschen mit netzpolitischem Interesse, engagierter Aktivisten, Netzwerke, Bürgerinitiativen, Nichtregierungsorganisationen und Verbände wird es in der Lage sein, gemeinsame Nenner für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen zu finden.

Wir sind sicher, daß bei den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes große Schnittmengen an Themen und Inhalten vorhanden sind, die im KRITISCHEN NETZWERK gebündelt werden sollten. Unsere Motivation ist es, auf einer Ebene der gemeinsamen Nenner Mitstreiter aus unterschiedlichsten Bereichen (politisch-, ethisch-, sozial- und / oder umweltorientiert) zu finden, die sich unter Ausklammerung egomanischer Interessen für gemeinsame Ziele einsetzen. Auf der Basis eines humanistischen Weltbilds wollen wir mit dazu beitragen, den Weg zu einer neuen solidarischen Gesellschaft zu ebnen. Nur gemeinsam sind wir stark!

Mit Helmut Schnug, einem der Initiatoren des Netzwerks, habe ich vereinbart, dass einige meiner Konsumpf-Beiträge auch dort erscheinen werden, und im Gegenzug werde ich passende Artikel von dort auch hier vorstellen. Den Auftakt macht die folgende kurze Buchrezension von Helmut zu einem mir bis dato unbekannten werbekritischen Werk, das es leider nur noch antiquarisch gibt:

——————

Ulrich Eicke – Die Werbelawine: Angriff auf unser Bewusstsein.

Verlag: Knesebeck und Schuler (1991) / Knesebeck Von Dem GmbH (1999)
ISBN: 3-926901-38-1 / ISBN 978-3-926901-38-5
gebunden, 279 Seiten, für wenige Euros gebraucht zu bekommen!

Ständig werden wir auf irgendeine Weise durch Werbung beeinflußt. Ursprünglich sollte die Markenartikelwerbung dem Verbraucher durch zusätzliche Informationen zur Orientierung bei der Kaufentscheidung dienen, doch, laut Ulrich Eicke, einem Insider der Branche, „wird Werbung heute mehr und mehr im Stil des Show-Business betrieben.“

Er setzt sich in diesem Buch kritisch mit den Methoden der Werbebranche auseinander und geht unter anderem folgenden Fragen nach:

  • Wieso liefert die Werbung dem Verbraucher immer weniger Sachinformationen?
  • Was bedeutet die ständige Werbeberieselung durch das Fernsehen?
  • Was geschieht mit Kindern, denen die Markenartikelwerbung ihre Symbole ins Gehirn “einpflanzt”?
  • Wo verläuft die Grenze zwischen Suggestion und Lüge?
  • Welche Auswirkungen hat die Werbeindustrie auf die Freiheit der Presse, der Print-, Funk- und visuellen Medien?
  • Was bedeuten Product Placement und Kultursponsoring?
  • Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Werbung und Politik?

Diese und andere Fragen untersucht Ulrich Eicke, weil Werbung unseren Alltag beeinflußt und tief in unser Bewußtsein eindringt.

Textzitat:
„Werbung bestimmt die Tagesordnung, d. h. sie kann mit riesigen Geldsummen den Konsum als einzigen Tagesordnungspunkt auf die Tagesordnung setzen. In der Schlacht um einen Anteil am öffentlichen Bewusstsein läuft das darauf hinaus, dass alles nicht Kommerzielle und alles nicht Beworbene nicht behandelt, sprich: ignoriert wird. Bereiche ohne Kommerz und Werbung, die den Musen und der Entspannung dienen, werden nicht respektiert. Werbung macht es sich mit zunehmender Macht in der Privatsphäre bequem, so dass die Stimme des Kommerzes zur dominierenden Ausdrucksweise in der Gesellschaft wird.“

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Feb
07
2011
1

Surftipp: oeko-fair.de

Kenner meines kleinen Blogs wissen sicherlich, dass ich kein allzu großer Freund des LOHAS-Ansatzes bin, dass man nur seinen Einkauf „begrünen“ müsse und schon wäre die Welt gerettet. Nachhaltiger Konsum, vor allem, wenn es nur darum geht, Nicht-Bio durch Bio zu ersetzen, aber an seinem sonstigen Lebensstil (mit dem SUV zum Bioladen (oder zur Bioabteilung des Discounters) fahren…) nichts zu ändern, insbesondere nicht an seinem Konsumniveau. Dennoch, und auch das betone ich hier ja des Öfteren, ist es meines Erchtens unerlässlich, sich AUCH des eigenen Konsums bewusst zu werden – vor allem der Tatsache, dass man mit seinem Geld entweder bestehende (zerstörerische) Strukturen bestärken kann, wenn man den gleichen Schrott kauft wie immer, oder dass man mit seinem Konsum auch alternativen Strukturen und Projekten stärkt und auch Signale an Wirtschaft und Politik sendet, gewisse Praktiken von Ausbeutung und Umweltzerstörung nicht mehr zu unterstützen. (Die Frage, inwieweit man in diesem System überhaupt alternativ wirtschaftlich tätig sein kann, ohne nicht doch in der einen oder anderen Weise herkömmliche Stukturen zu benutzen und damit zu stärken, will ich an dieser Stelle nicht behandeln – sie ist natürlich ohne Frage auch zu stellen!) Neben den Bioprodukten ist auch Fair Trade etwas sehr Wichtiges, da dieses Siegel bzw. der dahinterstehende Ansatz, Bauern und Anbietern aus ärmeren Anbauregionen so vernünftig zu bezahlen, dass sie nicht ihre Kinder mit auf die Plantagen schicken müssen etc.

Deswegen ist es erfreulich, dass es Websites wie oeko-fair.de gibt, die ich hier empfehlen möchte (trotz meiner Zurückhaltung, konkrete Kauf- und Konsumempfehlungen im Blog auszusprechen und obwohl ich weiß, dass diese Site den Revolutionären unter meinen Lesern sicherlich zu lasch ist ;-)   ), weil sie viele praktische Tipps gibt und auch kritische Berichte über Entwicklungen weltweit gibt. Die Verbindung zu diversen Bundesministerien und Verbänden gibt oeko-fair.de einen quasi „offiziellen“ Anstrich (inwieweit diese Nähe zu staatstragenden Stellen die Unabhängigkeit und Seriösität negativ beeinflusst, muss jeder für sich selbst entscheiden) und so schreibt sich die Site auf die Fahnen:

Oeko-fair.de dient der Förderung nachhaltigen Konsumverhaltens, indem es über Produkte, Aktivitäten und Organisationen berichtet, die sich für ökologische, sozial gerechte oder öko-faire (Konsum-) Alternativen einsetzen. Wir folgen dabei der Idee, dass Transparenz und Information die Voraussetzungen für eine bewusste Kaufentscheidung für nachhaltige Produkte sind. Das Portal versteht sich als Dienstleister für am nachhaltigen Konsum interessierte Verbraucher, öko-fair engagierte Organisationen und Unternehmen sowie Multiplikatoren. (…)

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Dez
26
2010
7

Surftipp: OpenStreetMap

Ja, ich gebe es zu – auch ich benutze des Öfteren Google-Services wie z.B. Google Maps, das extrem praktisch ist. Zwar bleibt auch immer ein etwas ungutes Gefühl zurück – wer weiß, welche Daten der Konzern so auf diese Weise über einen sammelt? Und möchte man Google wirklich unterstützen? –, aber das Ganze ist so praktisch, dass ich kaum drauf verzichten mag. Bis jetzt. Denn nun gibt es OpenStreetMap. Statt die Kartographierung der Welt einem Megakonzern zu überlassen, wird auf das OpenSource-Konzept gesetzt, das auch schon bei Wikipedia und anderen User-betreuten Angeboten erfolgreich funktioniert. Slow Media berichtete neulich etwas ausführlicher über dieses spannende Projekt und seine Vorteil gegenüber Google & Co. – „Jenseits der digitalen Autobahn – OpenStreetMap und das Wissen der Vielen“:

Die digitale Zwangsneurose der Google StreetView-Aktivisten und ihr Schimpfen auf die verpixelten Häuser deutscher Großstädte wirkt fast schon niedlich, wenn man sich einmal die richtig großen Datenlöcher in der Googlewelt ansieht. Schon einmal versucht, den kabuler Park Bagh e Babur auf Google Maps zu finden? Fehlanzeige. Die Stadt Kabul gibt es, abgesehen von dem Autobahndreieck der A01 und A76 in dieser Welt nicht. Da die Lizenz von Google Maps es mir nicht erlaubt, diese Leerstelle per Screenshot zu dokumentieren, hier der Link. (…)

Die positive Botschaft lautet aber: Es gibt eine Alternative. Es gibt zumindest eine kartographische Darstellung der Welt, die zumindest so weit reicht wie das Internet. Natürlich spreche ich hier von OpenStreetMap. Dieses Projekt funktioniert in wie Wikipedia, nur dass man hier keine enzyklopädischen Textbeiträge erstellen kann, sondern Städte, Straßen und Supermärkte. Jeder kann die Daten ergänzen und korrigieren. Genau wie bei der Wikipedia bleibt eine Nonsense-Änderung nur wenige Sekunden bestehen und wird sofort wieder von der Community aus mittlerweile 330.000 Usern zurückgesetzt. (…)

(…) Anders als bei den Häuserfassaden auf Google StreetView geht es hier nicht darum, die Privatsphäre (oder sagen wir besser: das, was viele Menschen als Privatsphäre empfinden) unter einer ökonomischen Zielsetzung zu veröffentlichen, sondern darum, ein politisch-nationalstaatliches Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Erstellung von Karten war von Anfang an eine politische Herrschaftstechnik und wird jetzt Schritt für Schritt der staatlichen Kontrolle entzogen und ver-öffentlicht. Dafür sollten sich die digitalen Aktivisten einsetzen. (…)

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Aug
08
2010
2

Surftipp: Freegan.at

Ansatzpunkte für Kritik an dem westlichen Lebensstil, an der Art, wie wir produzieren und konsumieren, gibt es viele, ich will sie hier nicht alle wieder aufzählen – regelmäßige Leser des Blogs kennen sie sicherlich schon. Nun existieren allerdings auch mannigfaltige Weisen, mit diesen für viele immer offener zu Tage tretenden Problemen der „kapitalistischen Murkswirtschaft“ umzugehen – man verdrängt oder leugnet z.B. Oder man beginnt tatsächlich, etwas an seinen Konsumgewohnheiten zu ändern – kauft Bio, bezieht Ökostrom, fährt öfter mit dem Fahrrad usw. usf. Wenige Leute sind jedoch so radikal dabei, sich von der uns umgebenden Konsumorientierung anzuwenden wie „Freeganer“.

Freeganismus ist die Absicht, den negativen Einfluss des Einzelnen auf die Umwelt, die Tierwelt und das menschliche Leben durch eine weitgehende Verweigerung der Teilnahme an einer kapitalistischen Volkswirtschaft zu verringern.

Freegans (abgeleitet von engl. free für “frei” und vegan für eine Person, die keine Tierprodukte verzehrt) sind Menschen, die sich als Boykotteure der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft eines ökonomischen Systems sehen, bei dem das Gewinnstreben über ethischen Gesichtspunkten steht. Sie versuchen, ohne zwangsläufig einhergehende eigene materielle Not möglichst weitgehend kostenlos zu leben.

Quelle: Wikipedia

Heute möchte ich Euch deshalb mal den österreichischen Blog Freegan.at ans Herz legen, der viele interessante Überlegungen zu diesem Thema enthält – neben einer Situationsanalyse der aktuellen Malaise, in der wir stecken, natürlich auch praktische Tipps und Anregungen. Natürlich ist Freeganismus und Containern nicht die Lösung aller Probleme, dazu müssen auch andere Strukturen treten, die letztlich solch eine Überflussgesellschaft (die das herrschende gesellschaftliche Ungleichgewicht immer weiter verstärkt), ja, überflüssig machen.

Zu den dort nachzulesenden Argumenten für eine andere Herangehensweise an das Dasein zählt z.B.:

Verschwendung von Leben

Jedes Jahr werden in Österreich 6 Millionen kleine Legeküken am ersten Tag ihres Lebens getötet. Sie werden vergast, oder zerhäckselt, weil sie männlich sind und keine Eier legen können. Zur Fleischproduktion können sie nicht verwendet werden, weil sie vom Zuchttyp “Eierlegen” sind. Das trifft sowohl für konventionelle Haltung, als auch für Bio- und Freilandhaltung zu.

Wo Profitstreben dominiert und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten nicht zur Diskussion steht, dort zählt ein Leben nichts.

Film: Alltägliche Praxis in der Eierindustrie (ZDF-Doku)

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Jul
19
2010
5

Surftipp: Thank You Third World!

Kritik an den herrschenden Zuständen, an unserem Wirtschaftssystem, bei dem am Ende nur eine kleine Anzahl von Menschen (primär in den westlichen Industriestaaten) auf dem Rücken der restlichen Welt lebt, konsumiert und Rohstoffe verprasst, kann man in vielerlei Hinsicht äußern. Sachlich, auf Argumenten und konkreten Fakten aufbauend, emotional und angriffslustig, polemisierend wie dozierend. Oder auch mit einem gewissen Humor, der im Falle von Thank You Third World manchen zunächst zynisch vorkommen mag. Doch was die Macher dieses Projekts auf ihrer Plattform und in ihren Infovideos bieten, ist letztlich eine besonders scharfe Abrechnung mit der westlichen Herangehensweise an die Verteilung von Ressourcen und Reichtum – indem Thank You Third World die Ignoranz angreift, die vielerorts darüber herrscht, wie Produkte entstehen, die man für wenig Geld im nächsten Geschäft kaufen kann und nach kurzer Benutzung wegschmeißt, um sie durch das Nachfolgemodell zu ersetzen (die Wirtschaft muss schließlich wachsen!). Als letztes Jahr einige Promo-Videos dazu gedreht wurden, in denen sich gutsituierte Leute dafür bedankten, dass andere Menschen in den Entwicklungsländern für sie schuften und für Nachschub an konsumierbaren Dingen sorgen, erregte dies einiges Aufsehen, da die Clips von vielen tatsächlich für bare Münze genommen wurden. Kein Wunder, denn wie man an nachfolgendem Video einer vermeintlichen Fernsehkochshow sehen kann, sind diese Spots hervorragend gemacht und offenbaren ihre doppelbödige Botschaft erst bei genauerem Hinsehen.

Auf der Website www.thank-you-third-world.com dürfen Benutzer ein Bild ihres Lieblingsprodukts hochladen und sich dann bei der Dritten Welt dafür bedanken – eine durchaus bissige und provokante Art und Weise, auf diese Missstände hinzuweisen. Aber sicherlich regt es den einen oder anderen ja zum Nachdenken an, was so alles in seinem Lieblingsgadget steckt, das er eigentlich für selbstverständlich hält.

Ohne euch, dritte Welt, könnten wir nicht täglich Fleisch essen, den großen, schicken Wagen fahren und unsere Kinder mit billigem Plastikspielzeug beschenken, das man auch ohne Gewissensbisse mal wegwerfen kann!

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Jul
13
2010
2

Wege aus der Hungerkrise – Erkenntnisse aus dem Weltagrarbericht

Da ich gestern bereits über bedenkliche Entwicklungen in einer immer stärker industralisierten und auf Megalomanie zusteuernden Landwirtschaft schrieb („Toscanella, die Gift-Tomate“), passt es doch bestens, heute dafür mal über mögliche Auswege aus diesem Dilemma zu berichten. Aufmerksam wurde ich auf den Weltagrarbericht im Der Moustachio-Blog, der Gudrun Kamasch aus dem Slow Food Magazin zitiert:

Ökologischer Landbau ist kein Luxus für die Reichen – vielmehr, und das ist die großartige Botschaft des Weltragrarberichtes, die Voraussetzung und Grundlage dafür, Nahrung für alle Menschen nachhaltig zu sichern, den Menschen ihre Ernährungssouveränität zurückzugeben.

Zu besagtem Weltagrarbericht, der von 500 Wissenschaftlern im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank erstellt wurde und den Stand des globalen Wissens über die Landwirtschaft, ihre Geschichte und ihre Zukunft zusammenfasst, existiert auch eine umfassende Website mit dem klingenden Titel „Wege aus der Hungerkrise – Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen“. Hier kann man den gesamten Bericht oder auch nur Teile davon herunterladen (HIER gibt es eine Zusammenfassung als pdf), und die einzelnen Hauptthemen (Hunger, Gesundheit, Ungleichverteilung, Geschlechterrrollen, Wasser, Wissen, Genforschung, Fleisch uvm.) werden kurz und prägnant vorgestellt. In jedem Abschnitt soll aufgezeigt werden, wie der jeweilige aktuelle Stand aussieht, wo es überall Punkte gibt, die verbessert und aufgegriffen werden müssen – und wo überall auf der Welt bereits Initiativen daran arbeiten, den Missständen entgegenzuwirken. Beispiel Ernährungs-Souveränität:

Das Konzept der Ernährungs-Souveränität / Food Sovereignty wurde ursprünglich von der internationalen Kleinbauern-Organisation
Via Campesina entwickelt. Der klassische Begriff der “Ernährungs-Sicherheit” bezieht sich lediglich auf die Menge an Nahrungs-mitteln, die den Menschen eines Landes oder einer Region zur Verfügung steht. “Ernährungs-Souveränität” fragt darüber hinaus, wie die Nahrungsmittel produziert und verteilt werden.
Auch der Weltagrarbericht arbeitet mit dem Konzept der Ernährungs-Souveränität. >>mehr

Liberalisierung des Welthandels gefährdet Ernährungs-Souveränität

Der Welthandel hat großen Einfluss auf die Landwirtschaftspolitik vieler Entwicklungs-länder. Anstatt die Versorgung der eigenen Bevölkerung und die Entwicklung der heimischen Märkte und ländlichen Gebiete zu fördern, versuchen deren Regierungen und Eliten häufig, durch Agrarexporte Devisen und Steuereinkommen zu erzielen.
Viele Länder, deren Bevölkerung unter Hunger leidet, versorgen gleichzeitig die Futter-, Faser-, Treibstoff und Genuss-mittelindustrie des Nordens mit billigen Rohstoffen – zu hohen ökologischen und sozialen Kosten.

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Apr
08
2010
2

10 Strategien für den Info-Aktivismus

Das ist wirklich mal eine tolle Inititative – die amerikanische Website informationactivism.org zeigt uns „10 tactics for turning information into action“. Wie oft hat sich unsereins schon gefragt, wie man es schaffen kann, die kritischen und wichtigen Informationen, die im kakophonischen und gleichzeitig einlullenden Konzert der Mainstreammedien- und Kommerzbeschallung unterzugehen drohen, an andere weiterzugeben, ihnen Gehör zu verschaffen und so dem Widerstand mehr Durchschlagskraft und Relevanz zu geben. Informationactivism hat 10 Schritte in einem „Trainingsvideo“ zusammengefasst, die dabei helfen können, dass kreative Ideen nicht verpuffen. Für das Video gibt es zwar Untertitel in 11 Sprachen, Deutsch ist bislang noch nicht dabei, aber das sollte einen nicht gar zu sehr abschrecken.

Das Wort “Aktivismus” klingt immer so vereinnahmend. Allerdings ist unter dem Begriff “Info-Aktivismus” eine durch und durch praktische Sammlung von 10 Strategien zusammengefasst worden, die auch dafür genutzt werden können, um Leute anzuschieben, wenn die eine Sache gut finden aber dann doch nicht so recht wollen. Alltagstauglich.

Für den passenden Dokumentationfilm wurden 50 Aktivisten auf der ganzen Welt nach ihren Stragien befragt, vor allem wenn es darum geht, aktuelle Technologien zu nutzen. Daraus hat das Tactical Technology Collective 10 Strategien geformt.

[via ggrow]

10 tactics for turning information into action (Trailer) from Tactical Technology Collective on Vimeo.

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Feb
14
2010
3

Surftipp: Utopia Watchblog

baum-asteAls vor längerer Zeit auf das Utopia-Portal stieß, fand ich die Grundidee, nämlich Menschen mit kritischem Bewusstsein und ökologischer Grundeinstellung zusammenzuführen, ihnen eine Web 2.0-Plattform zu bieten, auf der sie sich austauschen könnten, wo man über Sünden von Konzernen, aber auch positive Beispiele erfahren sollte, eigentlich prima. Wurde ja auch Zeit, dass die wachsende Zahl kritisch-politischer Konsumenten sich auf diese Weise vernetzt. Obwohl ich mich gleich angemeldet hatte, ließ meine Utopia-Aktivität durchaus zu wünschen übrig und diese Community geriet bei mir wieder ein wenig in Vergessenheit – allerdings nicht sehr lange, denn alsbald erreichten mich die E-Mail-Newsletter, in denen immer öfter unglaubliche Kooperationen mit Konzernen wie Schummelstromanbieter Entega (gehört teilweise zu E.ON!) oder der Deutschen Telekom bejubelt wurden und der Fokus also ganz eindeutig vermehrt auf die krampfhafte Begrünung des Konsums gelegt wurde. Hier ging es mitnichten mehr um wirkliche Änderungen der Strukturen, die die ganzen Msisstände zwangsläufig produzieren, sondern nur ums Beruhigen des Gewissens und darum, auch Großkonzernen die Gelegenheit zu geben, sich grünzuwaschen. Natürlich gibt es nachwievor auch viele gute Ideen und Projekte dort zu finden, das ist klar, nur ist mir persönlich das Ganze inzwischen doch vom ganzen Drumherum her zu LOHAS-esk.

Dass ich mit meiner kritischen Meinung nicht alleine dastehe, zeigen nicht nur diverse Diskussionen in der Blogosphäre, sondern auch der Utopia Watchblog von Andre Henze, den ich Euch als heutigen Surftipp empfehlen möchte. In seinem Blog befasst er sich mit  den vielen Dingen, die bei Utopia inzwischen komplett schief laufen und zeigt auf, wo die Widersprüche dieser Community liegen und wie sich das dahinterstehende Unternehmen (die Utopia AG (!)) unangemessen aufführt, wenn es um Kritik an ihrer Firmenpolitik geht.

So wird in „Da freut sich der Ökokapitalist“ das Utopia-Top 10-Ranking der „10 größten Abnehmer von Bio-Baumwolle“ seziert und deutlich gemacht, dass viele der Konzerne, die dort auftauchen, vielleicht beim Anbau der Baumwolle etwas weniger zerstören, als bei rein industriellem Baumwollanbau, aber hinterher wird das meiste dann doch mit ordentlich Chemie zugekleistert, und faire Arbeitsbedingungen o.ä. sind gar nicht erst in dieses dubiose Ranking eingeflossen (aus gutem Grund, man will ja keine potentiellen Werbepartner verprellen (sag ich mal so frech)):

(…) Wal-Mart, laut utopistischer Bestenliste auf Platz 1. der Biobaumwoll-Käufer, bezahlt z.B. keine Überstunden und sackt so »hunderte von Millionen Dollar jährlich« zusätzlich ein. Mithin hat man sich nach Sammelklagen auf einen 650-Millionen-Dollar-Vergleich eingelassen, aus Angst das mit dem diesjährigen Regierungswechsel alles noch teurer für den Ausbeuter werden könnte.
Von den 6000 Angestellten arbeiten 4800 in chinesischen Zulieferbetrieben, unter gefängnisähnliche Bedingungen.
Neuigkeiten über Wal-Mart lassen sich bei Labour-Net nachlesen.

C&A, der Zweitplatzierte, ist auch kein Saubermann. »Ausbeutung, sexuelle Belästigung und andere Missstände in Zulieferbetrieben« heißt es zusammenfassend im Neuen Schwarzbuch Markenfirmen und wird im Buch im Detail ausgeführt.

Der dritte im Utopia-Ranking, Nike, hat dermaßen viel Dreck am Stecken, dass gleich mehrere Organisationen ein Auge auf den Konzern haben. Als Einstieg darf der Abschnitt »Kritik« bei Wikipedia gelten.
Natürlich versucht Nike sich reinzuwaschen und hat sich u.a. bei der Initiative The Girl Effect eingekauft. Eine Replik auf die Ernsthaftigkeit derartiger Avancen kannst Du im Nike-Watch-Blog von Oxfam lesen Nike loves girls? Realy?.
(Derweil muss ich Verluste feststellen, www.sweatshopwatch.org scheint offline gegangen zu sein. Nach dem, noch existenten My-Space Profil zu urteilen, sogar schon vor zwei Jahren!)
Dass Nike nur handelt, wenn man der Firma ordentlich den Hintern versohlt und die Handlung dann weit hinter dem Erwarteten und Notwendigem zurückbleibt, kannst Du bei Fashioncheck im Nike-Artikel im Abschnitt »Violations of labour rights and public conflicts« nachlesen.

H&M beutet aus, billigt Missstände und engagiert sich mit Lippenbekenntnis. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man die kurzen Beiträge Kritik und Kontroversen auf Wikipedia ließt und mit dem Neuen Schwarzbuch Markenfirmen abgleicht. Eigentlich ist man schon gewillt sich zu bessern, bloß kosten darf es nichts. Das scheinheilige Marketing arbeitet schneller als die Produktion. Man wird bei vielen Organisationen Mitglied, nur die Lebensumstände z.B. der ArbeiterInnen in China wollen sich einfach nicht bessern.
Noch 2007 berichtete ein Schwedischer Fernsehsender darüber wie Hennes & Mauritz von Kinderarbeit profitiert.
Der Artikel Bekleidung hautnah (auf OneWorld, etwa aus dem Jahr 2006) beschreibt die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Bangladesch recht eindrücklich, und dürfte leider weitestgehend aktuell sein. (…)

Schon allein das Auftauchen von Konzernen wie Nike oder Wal-Mart auf so einer Liste, die dem unbedarften Betrachter ja vermutlich schon suggerieren soll, dass hier „irgendwie ökologisch korrekte Klamotten“ angeboten werden, führt das Ganze natürlich ad absurdum.

Schade, dass der Utopia-Watchblog keinen RSS-Feed besitzt, das würde es noch etwas bequemer machen, dort regelmäßig vorbeizuschauen, denn das scharfe Auge des Autors ist, wie man an obigem Beitrag schon sieht, nicht nur auf Utopias Gebaren gerichtet, sondern auch auf viele andere Fehlentwicklungen in der globalisierten Wirtschafts- und Konsumwelt.

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